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Liberales Judentum · 1912-07-01 · Heft 7 (Juli 1912) · p. Seite 153

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Journal
Liberales Judentum
Volume
4 (1912)
Issue
Heft 7 (Juli 1912)
Date
1912-07-01
Page
Seite 153 (sequence 9)
Language
German
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153 Ar. Parges Aer wesentliche Geholt der indischen Religion durch den Hohepriester vermöge der Krim und Tummim. Wer nur eine von diesen Glaubenslehren leugnet, ist nach Kreskas ein Ketzer. Joseph Albo, der letzte jüdisch-spanische Religionsphilosoph, war der erste, der nicht allein behauptete, daß Maimonides zu weit gegangen war, den als Ketzer zu bezeichnen, der auch nur eine der von ihm ausgestellten 13 Grundlehren leugne, sondern auch dartat, daß manches von dem, was Maimonides als Ikkar bezeichnet hat, streng genommen nicht zum Wesen der jüdischen Religion gehöre, da dessen Leugnung das Grundwesen des Judentums nicht aushebe. Nur drei Ikkarim stellte Albo aus, die Lehre vom Dasein Gottes, von dem göttlichen Ursprung der Thora (Gsfenbarung) und von der jenseitigen Vergeltung. Der wesentliche Gehalt der jüdischen Religion ist, wie wir sehen, dogmatisch nicht sestgelegt und nicht sestzulegen. Darum kann und will auch das liberale Judentum nicht sagen, was der wesentliche . Gehalt des Judentums ist, sondern was das liberale Judentum darunter versteht. Und es ist nicht zu verwundern, daß wir weder mit Maimonides, noch mit Kreskas, .noch auch mit Albo übereinstimmen können, da unser religiöses Bewußtsein manche Lehre wie z. B. die Auserstehung der Toten (teohijat ha-methim), den Gssenbarungscharakter der heiligen Schrift (thora min ha-schamajim), die Ankunft des Messias (Biatk ha-maschiach) in völlig anderem Sinne auffaßt als die Früheren, sie also in jenem Sinne, wie die Früheren diese Lehren angenommen haben, geradezu verwirft. Wenn man uns aber fragt, wonach wir denn nun den wesentlichen Gehalt der jüdischen Religion bestimmen, so antworten wir: Nicht etwa nach Willkür und zufälligem Belieben, sondern aus unserer religiösen Ueberzeugung heraus. D i e Lehren, für die wir uns mit aller Ueberzeugungskraft einfetzen wollen, weil!wir glauben, daß ohne sie das Judentum nicht bestehen kann, halten und erklären wir für wesentlich. Nicht in dem Sinne, als ob ein Jude, der die eine oder die andere dieser Lehren anzweifelt oder leugnet, damit aufhörte, ein Jude zu sein, wir alle sind fest überzeug!, daß die Lehre von einem geistigen Gott zum wesentlichen Gehalt der jüdischen Religion gehört. Aber R. Abraham b. David (Rawed), der sich Gott körperlich dachte, der heftige Gegner des Maimonides, von dem er zornig ausruft: Tr nennt einen, der Gott für körperlich hält, einen Abtrünnigen, wahrlich, klügere und bessere Männer als er haben solches geglaubt — war etwa dieser Rawed darum, weil er die Lehre von der Unkörperlichkeit Gottes nicht gelten ließ, kein ^Zude? wir Anhänger des liberalen Judentums denken nicht daran, jemanden wegen abweichender Glaubensmeinungen für einen aus dem Judentum sich ausschließenden oder auszuschließenden Ketzer zu erklären. Sind etwa die Sadducäer, die theehijath hamethim, die Auferstehung der Toten, eine damals als wesentlich geltende Lehre der jüdischen Religion verwarfen, deswegen von den Pharisäern aus dem Judentum ausgeschlossen worden? Nein, wer die Auferstehung der Toten leugnet, wird, so lautete die Lntscheidung der Lsalacha, nicht auferstehen, wird der zukünftigen Welt nicht teilhaftig. Tine durchaus tolerante Lntscheidung, die dem Leugner von theehijath ha-methim nicht zu nahe tritt. Schon Albo macht darauf aufmerksam, daß jener R. bsillel, von dem im Talmud (Abschnitt Thelek) die Bemerkung stammt: Die Israeliten haben keinen Messias zu erwarten, weil sie ihn schon in den Tagen Thiskija's, des Königs von Juda, genossen haben, deswegen nicht etwa als Ketzer betrachtet wird, obwohl dieser Ausspruch gegen die

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