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Liberales Judentum · 1912-07-01 · Heft 7 (Juli 1912) · p. Seite 151

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Journal
Liberales Judentum
Volume
4 (1912)
Issue
Heft 7 (Juli 1912)
Date
1912-07-01
Page
Seite 151 (sequence 7)
Language
German
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151 Ar. Psrges: Aer wesentliche Gehalt der jüdischen Religion hier guf6 thora heißt, ist für die Erkenntnis des wesentlichen Gehalts der jüdischen Religion nichts gewonnen. In der Mischna Thagiga (Oa lesen wir: während die Vorschriften von dem Auslösen der Gelübde in. dex Luft schweben ohne jede Anlehnung an die Schrift, während die Sabbatvorschriften (und noch andere daselbst erwähnte Religionsgesetze) Bergen gleichen, die an einem Haar hängen, da an wenige Schriftworte viele Satzungen geknüpft sind, finden die Rechtssatzungen und die Gpfergesetze und die Vorschriften von rein und unrein ihren Anhalt in der Schrift und eben diese sind Haupt st ückederReligion (wehen hen gufe thora). Der Talmud findet jedoch, daß aus diesen Worten geschlossen werden könnte, nur diese, die in der Thora deutlich und ausdrücklich dargelegten Vorschriften wären Hauptstücke der Religion, die anderen aber nicht, und korrigiert darum die letzten Worte der Mischna in hen wahen gufe thora „diese sowohl, wie auch jene sind Hauptstücke der Religion". Man trug eben offenbar Bedenken, einen Teil der Religion als wichtig herauszuheben, weil man fürchtete, damit anderes herabzudrücken. Man zog es darum vor, die Wichtigkeit jeder Vorschrift halachisch zu unterstreichen, wozu manchmal noch eine homiletische Rebertreibung kam, indem man von der Ausübung einzelner Vorschriften sagte, sie käme an Wichtigkeit der ganzen Thora gleich (8ehekula keneged ha-thora kullah), so nicht allein vom Sabbat-Gebot, sondern auch von der Vorschrift der Schaufäden, des Gmer u. a., ja sogar von derech erez). Daraus kann aber nicht etwa gefolgert werden, daß Omer oder Zizith zum wesentlichen Gehalt des Judentums gehören. Auch die Heraushebung von §>aupt- forderungen des Judentums in Sätzen voü vielumfassender Bedeutung ergibt keineswegs den wesentlichen Gehalt , der jüdischen Religionslehre. Wenn z. B. Mose seinem Volke zuruft: Und nun, Israel, was fordert der Ewige, dein Gott von dir, als daß du ehrfürchtest den Ewigen, deinen Gott, in allen seinen wegen wandelst und ihn liebest und dienest dem Ewigen, deinem Gott mit deinem ganzen Herzen und deiner ganzen Seele (5. Mos. (0, 12), so liegt in diesen Worten zwar alles zusammengefaßt, was die Religion vom Israeliten fordert: Ehrfurcht vor Gott, ein Wandel in Gottes wegen, Liebe zu Gott und Gottesverehrung, aber was die Religion als das wesentliche lehrt, ist hier nicht gesagt. Das Gleiche gilt von den Worten Micha 6■ 8: Er hat dir gekündet, -Mensch, was gut ist und was der Ewige von dir heischt, nur recht tun und Liebe pflegen und bescheiden wandeln mit deinem Gotte, Hierher gehört auch die bekannte Bemerkung Simlcü's, daß die 6(5 Vorschriften der Thora von David auf \5 Sätze, von Iesaia auf 6, von Micha auf 5, von Habakuk auf einen Satz gestellt worden sind. Der wesentliche Gehalt der jüdischen Religion ist auch nicht gleichbedeutend mit dem, was schon vor 1900 Jahren als kelal gadol, als vielumfassender Hauptsatz der Thora bezeichnet wurde, wenn Hillel den Grundsatz „Was dir zuwider ist, das tue auch dem anderen nicht" als „die ganze Thora", als das Hauptprinzip der jüdischen Lehre und das llebrige nur als Kommentar dazu hinstellt, so leuchtet ein, daß damit zwar eine große und wesentliche Forderung, ja die wichtigste und wesentlichste ethische Vorschrift des Judentums angezeigt wird, aber nicht das Wesen der jüdischen Religion. Wenn R. Akiba im Geiste Hillels das Schriftwort weahawta lereacha kamocha, liebe deinen Nächsten wie dich selbst, den obersten Grundsatz der Thora nennt und wenn weiter Ben Asai den Satz Mos. 5, j „Dieses ist das Buch der Entstehung des Menschen, am Tage, da Gott den Menschen schuf, machte er ihn im Lbenbilde Gottes" als einen noch

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