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Liberales Judentum · 1912-07-01 · Heft 7 (Juli 1912) · p. Seite 150

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Journal
Liberales Judentum
Volume
4 (1912)
Issue
Heft 7 (Juli 1912)
Date
1912-07-01
Page
Seite 150 (sequence 6)
Language
German
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150 Ar. Psrgrs: Mer wesentliche Gehalt der jüdischen Religion lich nebeneinandergehen, ' daßdie Verschiedenheit der Inhalte in der Einheit des Menschen und der Menschheit ihre Ruhe finden werden. Mag dieses Ziel noch in fast unendlicher Lerne leuchten — die zwei Werte, die in Lsermann Cohens Persönlichkeit so fest eingeschmolzen sind, können uns das Vertrauen stärken: Der Glaube an die wissenschaftliche Vernunft und der Glaube des Judentums an die Menschheit. XÜas verstellt das liberale Judentum unter dem wesentlichen 6ebalt der jüdifchen Religion? ie Frage „Was ist unter dem wesentlichen Gehalt des Judentums zu verstehen?" ist nicht sowohl eine religionsgesetzliche als vielmehr eine religionsgeschichtliche und religionsphilosophische. Den Lehrern der Mischna und des Talmud ist sie völlig fremd geblieben. Nicht als ob niemand unter ihnen gefühlt hätte, daß es wesentliche Lehren, Grundlehren von größter IVichtigkeit geben müsse. Niemals aber ist im Altertum der ernstliche Versuch gemacht worden, die wesentlichen Lehren des Judentums herauszuheben. Man wagte nicht, etwas als wesentlich zu bezeichnen, weil man fürchtete, damit ein anderes zu einem Unwesentlichen oder Nebensächlichen zu stempeln, weil man lieber alles ohne Unterschied, 'jede Lehre, jede Vorschrift als heilig, eines wie das andere als wichtig und wesentlich betrachtete und betrachtet wissen wollte. So deutete man z. B. die Bibelstelle Sprüche 5, 6: „Wolle nicht die Vorschriften des religiösen Lebenswandels gegen einander abwägen, denn hin- und herlaufend sind die j)fade der Thora, du kannst es nicht verstehen." Wohl spricht bereits die Mischna von gute thora, Gauptlehren, aber in einem völlig anderen Sinne als dem des wesent- *) Anm. d. Red.: Dieser Artikel war ursprünglich ein Referat, das von dem Verfasser in der Versammlung der Vereinigung liberaler Rabbiner am 28. Mar d. I. zu Berlin gehalten wurde. Von Rabbiner Dr. Porges-Ceipzig.*) lichen Gehalts des Judentums. Zunächst scheint gufe thora die im Schriftworte ausdrücklich und deutlich vorkommenden Satzungen zu bedeuten im Unterschiede von den dikdukim, den nicht ausdrücklich im Terte gegebenen, sondern durch genaue Erforschung daraus sich ergebenden Einzelheiten des Neligionsgesetzes. Sicherlich bedeutet gute thora nicht Hauptpunkte der Neligionslehre, sondern des Neligions g e s e tz e s. Von dem bekannten Thora-Abschnitte, der mit 3. Mos. \tyf 2 beginnt, dem sog. bseiligkeitsgesetz, wird im Sifra gesagt, es sei deshalb vor der ganzen Gemeinde der Kinder Israel vorgetragen worden, weil die Mehrzahl der Hauptpunkte der Thora (row gufe ha thora) an diesem Abschnitte hängt. Bar Kappara (Berach. 63a) predigte: Wie lautet die kleine Bibelstelle, von der alle ksauptstücke des Neligionsgesetzes (kol gufe ha-thora) abhängen? Bechol derachecha daehu wehu jejascher orchothecha. Auf allen deinen Wegen habe Ihn im Sinn nxib Er wird ebnen deine Afade (Spr. 3, 6). Und ein späterer Erklärer, Naba Iügt hinzu: afilm laawor awera, das gilt auch dort, wo die Uebertretung eines Neligionsgesetzes in Frage kommt, d. h. halte nur immer deinen Sinn auf Gott gerichtet und wenn eine höhere Pflicht es erheischt, darfst und sollst du auch eine Vorschrift übertreten (Raschi z. St.: im zorech mizwa hu, awor aleha). Mit dem, was-

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