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Liberales Judentum · 1912-07-01 · Heft 7 (Juli 1912) · p. Seite 149

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Journal
Liberales Judentum
Volume
4 (1912)
Issue
Heft 7 (Juli 1912)
Date
1912-07-01
Page
Seite 149 (sequence 5)
Language
German
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6 6 Ar. Hermann Fob: Air Stellung Hermann Cohens?nr Religion 149 anderen Hinsicht zu interessieren, als in dieser einzigen: zu. lehren, was Sittlichkeit ist. Nicht, was Gott sei, soll mich Gott lehren;, sondern, was der Mensch sei." Führt man aber die Religion in dieser Richtung, in der Ablenkung vom Mythos'weiter, so wird offenbar auch die Persönlichkeit Gottes schwinden müssen, und schließlich kann der Gottesbegriff als reine Idee in das System der Philosophie eingehen. Hier bildet er den Abschlußbegriff, für den Zusammenhang für Logik und Ethik: Naturgesetze und sittliche Forderung sollen in Harmonie miteinander leben; es soll, es darf zwischen Natur und Sittlichkeit kein ewiger Gegensatz bestehen; sie sind verschieden in ihren Erzeugnissen, in ihren Richtungen; Unterschied besteht, aber ein Unterschied, der eine höhere Einheit fordert und diese leistet Gott. Er ist nicht Natur, noch Sittlichkeit, er ist ihre Verbindung, ihre gegenseitige Bezogenheit. „Jetzt ist zwar Gott transzendent zur Natur, wie zur Sittlichkeit. Aber diese Transzendenz will nichts anderes bedeuten, als daß kraft ihrer nunmehr die Natur nicht transzendent bleibt der Sittlichkeit, noch die Sittlichkeit der Natur." So bleiben Natur und Sittlichkeit koordinierte Glieder. Die Sittlichkeit braucht nicht jenseits der Natur zu stehen, um ihre würde zu wahren, und die Natur ist „nicht verödet, weil verlassen von der Sittlichkeit", ich muß nicht „zur Aesthetik, geschweige zu aller Art psychologischen Gefühls meine Zuflucht Nehmen, um einen Zusammenhang zwischen Natur und Sittlichkeit herzustellen." Zn die religiöse Sprache übersetzt hieße das, wie es Lohen sonst auch ausdrückt: Die Gottesidee garantiert die Verwiklichung der Sittlichkeit auf Erden. So verliert Gott die Transzendenz, um ein Glied der Philosophie zu werden. Aus Glauben wird Erkenntnis. Zugleich aber wird damit das Interesse für den Einzelnen abgelenkt im Gottesbegriff zu Gunsten der Gesamtheit. „Denn die Religionsvorstellungen von Gott, wie sie bei den Gläubigen dieser Welt vorherrschen, sind himmelweit entfernt von diesem Sinn der Idee. Sie rufen Gott an, um die Forderungen der sittlichen Vernunft zur Resignation zu beugen, und nennen Gottesordnung, was den Interessen und der Kurzsichtigkeit ihres selbstsüchtigen Realismus dienstbar ist. Dieser Gott ist nicht der Gott der Ethik; denn selbst was ein solcher für das Individuum zu leisten vermöchte, erhebt dessen Niveau nicht zu dem eines Individuums menschlicher Gemeinschaft. Nur diejenige Förderung des Individuums aber ist als .«eine sittliche zu erkennen, welche die harmonische Kulturkraft des Individuums steigert und damit den Gesamtwert der moralischen Welt erhöht. In dieser Richtung auf die Gesamtheit der moralischen Welt, geht die Kraft der Göttesidee. Das Gottesreich ist das Reich moralischer Wesen, und das Reich moralischer Wesen ist nicht ein Himmelreich von Engeln, sondern die Kulturwelt des Menschengeschlechts." Dies dürften die Grundlinien von Lohens Kritik an der Religion sein, wenn wir auch 'seinen Anschauungen in vielem und Entscheidendem nicht folgen können, so müssen wir ihm doch danken, daß die Geschlossenheit und Prägnanz seiner Ausführungen uns zwingt die religiösen Probleme wieder in all ihrer Schärfe zu erfassen und stets von neuem die Lösungen zu rechtfertigen. Herzliche und aufrichtige Verehrung müssen wir ihm zollen für solche Methode, die in steter Arbeit tiefer nach den Quellen der Religion graben, ihre Pfeiler immer wieder auf ihre Tragfähigkeit untersuchen heißt. Diese Einheit der Gesinnung, die er uns gelehrt, die trotzdem die „unumwundene Sprache des wissenschaftlichen Streites führen kann" (Worte in der Einleitung zu Lohens Aestethik), die Gemeinsamkeit der Richtung gibt uns die Hoffnung, daß auch die Wege fried-

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