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Liberales Judentum · 1912-07-01 · Heft 7 (Juli 1912) · p. Seite 148

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Journal
Liberales Judentum
Volume
4 (1912)
Issue
Heft 7 (Juli 1912)
Date
1912-07-01
Page
Seite 148 (sequence 4)
Language
German
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148 O O o o Ar. Hermann Föb: Air Stellung Hermann Cohens zur Netigisn Gesetzmäßigkeit einbegriffen, d. h., wenn sie innerhalb des menschlichen Bewußtseins bleiben. „Sobald die Religion als eine selbständige Erzeugungsweise eines reinen Bewußtseins anerkannt oder auch nur nicht schärf und genau von einer solchen unterschieden wird, muß sie beständig für den kritischen Idealismus zum Anstoß werden." Auch der sittliche Wille, der geschichtlich so starke Impulse Won der Religion empfangen hat, was Cohen je und je betont, er kann sie letzterdings doch nicht als selbständig gelten lassen; zwar wird er ihre Begriffe, wje die Messiasidee, die Erlösung u. s. f. aufnehmen; aber die Leitung und die Sorge für die Sittlichkeit fällt der Ethik als Wissenschaft anheim. Sie hat den Menschen als moralisches Wesen zu erzeugen. Diese Ablösung der Religion beruht nicht auf ihren 'Entartungen, wie sie die Geschichte aller Zeiten bietet; von dem Gesichtspunkt der Erfahrung aus, würde die Ethik selbst hinfällig sein; auch nicht der oft zitierte Widerspruch zwischen Autonomie und Lseteronomie ist entscheidend. „Die Heteronomie, welche das Wort Gottes bildet, geht daher nur gegen die Theologie; nicht aber eigentlich auf die Religion." „Man sieht iimmer deutlicher, daß die Heteronomie ihre Spitze nicht gegen die Idee Gottes richtet; nur das Wort Gottes in seiner dogmatischen Fixierung erhebt einen Anspruch, bei dem die Sittlichkeit unvermeidlich Heteronomie werden muß. Daher ist der Vuchstabenglaube der altetzr unversöhnliche Feind des religiösen Rationalismus aller Zeiten." In der Methode vielmehr trennen sich Religion und Ethik; bleibt jene im Mythos befangen, so Igeht diese den strengen weg der Wissenschaft; wichtiger aber ist die Verschiedenheit des Ausgangspunktes und des Ziels. Religion geht vom Individuum aus und erstreckt sich auf Wohl und Seligkeit des Einzelnen; im günstigsten Falle wird von hier die Brücke zum Nächsten Und schließlich zur RIenschhe.it geschlagen. Umgekehrt kann sich das sittliche Wesen in der Ethik nur erzeugen von der Allheit her; wie etwa in der Physik der Körper ein Sammelpunkt verschiedener Relationen und Gesetze ist — -so ist in der Ethik das Individuum die Einheit der Normen, der Zusammenschluß streng begrifflicher Werte, die ihre Rechtfertigung aber nicht von der Person, sondern von der Allheit empfangen. Den Uebergäng zu dieser und damit die Realisierung der Ideen aber soll der Staat verbürgen. Daher die Forderung: „Sein Ich versenken in die Fülle und die Energie der sittlichen Richtungen und Betätigungen, welche in der Einheit des Staates - zusanunenlaufen. Das machen wir zur Direktive für die Wirkung des echten Selbstbewußtseins der sittlichen Persönlichkeit." Damit hätte der Staat, wie es ja auch'tatsächlich inehr Und mehr geschieht, seitdem er zum Zentralbegriff geworden ist, die Kirche abgelöst in ihren ethischen Funktionen. Zwei Prinzipien in der Ethik kann es nun unmöglich geben, wenn anders Sittlichkeit zur Einheitlichkeit führen soll; so wird auch von hier aus der Religion ein Daseinsrecht nicht 'zuerkannt. Schließlich aber hat nach Cohen die Religion selbst, wenn anders sie sich recht versteht, ihre eigene Auflösung zur Folge. Die Religion ist entstanden aus dem Mythos. Aber wo sie zu klassischer Prägung gelangt, im jüdischen proxhetismus, da befreit sie sich vom Interesse am Mythos; der kümmert sich um das Verhältnis des Menschen zu seinem Gott oder 'seinen Göttern, um das Wesen dieser. Anders die Propheten. Ihr Gott hat dem Menschen zu verkünden, was gut sei. „Gott erkennen Heißt hier nicht, seine Natur und sein Wesen erforschen... der Prophet befreit sich von dem Interesse des Mythos in Bezug auf den Menschen und auf Gott, . . . Und er hat daher den Menschen in keiner

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