Mannheim
Compact Memory

Liberales Judentum · 1912-06-01 · Heft 6 (Juni 1912) · p. Seite 143

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Liberales Judentum
Volume
4 (1912)
Issue
Heft 6 (Juni 1912)
Date
1912-06-01
Page
Seite 143 (sequence 23)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
98% known words query
IRI
…/3126481-3126500-3126507--1170-3127974
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

o o o o Knchrrschau 143 zu den ruchlosen Optimisten vom Verfasser gezählt zu werden, den Folgerungen nicht anschließen, die der Verfasser aus seinem statistischen Material gezogen hat. Bei der Erhaltung des Judentums durch die Jahrtausende, haben Imponderabilien eine gewichtige Nolle gespielt, die kein Statistiker sieht. Der Wille zum Leben triumphiert über alle Hindernisse. Der Wille zum Leben hat das Judentum durch die Weltgeschichte getragen, und daß der Wille zum Leben auch heute noch mächtig im Judentum waltet — trotz der Dekadence in den sozial höheren Schichten der westeuropäischen Iudenheit — dafür ist gerade der Notschrei des Verfassers ein Beweis. Nur der ist dem Untergang geweiht der gar nicht weiß, daß er krank ist. Wer seine Krankheit fühlt und nach dem Arzte ruft, ist schon auf dem Weg zur Besserung. Teilhaber sieht das Heilmittel im Zionismus. Wir, die wir den idealreligiösen Faktoren allein die Erhaltung, ja die Existenzberechtigung des Judentums zuschreiben, sehen in der religiösen Erneuerung des Judentums das Heilmittel. Diesem Gedanken haben wir in der Rede auf der konstituierenden Versammlung der Vereinigung für das liberale Judentum in Deutschland energischen Ausdruck gegeben (s. „Liberales Judentum" Iahrg. p, 7 ff.). Gerade für die Schäden, die Theilhaber aufgedeckt, kann keine Kulturbewegung, und keine nationale Bewegung, sondern einzig und allein eine von innen kommende religiöse Erneuerung Heilung bringen. Die Religion allein hat die Kraft, eine sittliche Wiedergeburt zu erzeugen. Da aber das orthodoxe Judentum in unserer heutigen Kultur und dem verkehrsleben der heutigen Zeit nicht bestehen kann, m u ß das Judentum auf neuen religiösen Grundlagen, unter Preisgabe der orthodoxen Weltanschauung und Lebensbeschränkung, aufgebaut werden. Wie der prophetische Idealismus und Optimismus es war, der — gegen die damals herrschende Priesterorthodoxie — eine neue Blüte des Judentums nach dem Untergang des ersten Tempels geschaffen hat, so müssen neue prophetische Gedanken und Impulse ein neues jüdisches Geschlecht erziehen. Die nächste Generation ist das, was wir aus ihr machen. Mendelssohn hat vor hundertfünfzig Jahren ausgerufen: „Meine Nation ist in einer solchen Entfernung von der deutschen Kultur gehalten, daß man an einer Verbesserung verzweifeln muß." Und doch vergingen nur wenige Jahrzehnte, und das Wunder, an das Mendelssohn nicht glaubte, war geschehen. So können auch heute noch Wunder geschehen; man muß nur daran glauben und alle Energie zu ihrer Herbeiführung entfalten. Aber Menschen sind es, von denen heute Wunder ausgehen müssen. Wer nur an statistische Zahlen glaubt, dem ist freilich nicht zu helfen. Aber in der jüdischen Geschichte gilt seit denr Propheten Sacharia der Wahlspruch: „N i ch t d u r ch Z a h l und nicht durch Macht, sondern durch Begeisterung." 8. Dokumente zur Emanzipation der Juden. vier Reden (und Aufsätze) von Lord Macauley, Gabriel Rießer, Ratsherr Suter und Georg Frhr. Vincke. 8°. IV und \22 S. ©tto Hendel, Halle a. S., broschiert Mk. f,50, in Leinenband Mk. 2,50. Anläßlich der hunderjährigen Emanzipationsfeier der preußischen Juden macht der rührige Hendel'sche Verlag diese vier bedeutsamen Reden und Aufsätze einem größeren Leserkreis zugänglich. Dieselben haben nicht nur historisches Interesse. Aus ihnen sind noch heute die schärfsten Waffen zur Abwehr feindlicher Angriffe auf Juden und Judentum, die schlagendsten Argumente, die lichtvollsten, dialektisch feingeschliffenen Gedanken im Kampf der Meinungen über die Iudenfrage zu entnehmen. Solche Gedanken veralten nie. Jeder aufrechte Jude, jeder nach Befreiung von Vorurteilen ringende Nichtjude sollte dieses köstliche Buch besitzen und seine Gedanken sich zu eigen machen. 8. Jm Tale Saran. Gedichte jüdisch - religiösen Inhalts sowie hebräische Gebete, Lieder, Sprüche und Bibelstücke in freier poetischer Uebertragung von Max Her sch el. II. Teil. Berlin \ty{2. M. Poppelauer. 8°. XI und 307 S., brosch. Mk. 3,20, eleg. geb. Mk. 5,—. Dem vor sechs Jahren erschienenen ersten Bande folgte nun der zweite nach. Der ver-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.