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Liberales Judentum · 1912-06-01 · Heft 6 (Juni 1912) · p. Seite 140

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Journal
Liberales Judentum
Volume
4 (1912)
Issue
Heft 6 (Juni 1912)
Date
1912-06-01
Page
Seite 140 (sequence 20)
Language
German
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140 o o o o Prof. Ar. Krach: Are Behandlung der jüdischen Geschichte in den j)redigtton verfallen und sich nicht auf pathetischen Stelzfüßen bewegen, wie dies leider in manchen Lehrbüchern geschieht Der Lehrer darf sich aberselbstverständlich nicht damit begnügen, das, was im Lehrbuche steht, einfach vom Schüler lesen zu lassen und nur einige erklärende Bemerkungen daran zu knüpfen, das wäre gänzlich verfehlt. Der Lehrer muß frei v o r - tragen, und das, was im Lehrbuche steht, plastisch herausarbeiten. Er hat seinen Dortrag so einzurichten, daß der entsprechende Abschnitt des Lehrbuches als Auszug, als kurzes Resums erscheint, dem Schüler aber muß der Dortrag die Hauptsache bleiben. Der Lehrer muß selbstverständlich größere Geschichtswerke, auch Monographien lesen und sich für jede Stunde gründlich vorbereiten. Daß er auch die allgemeine Weltgeschichte studieren muß, haben wir bereits hervorgehoben. Beim prüfen genügt es, wenn der Schüler das, was im Lehrbuche steht, weiß und versteht. Auch hier gilt, was die „Instruktionen" des Unterrichtsministeriums über die Weltgeschichte sagen: „Im allgemeinen gibt das Lehrbuch für die Auswahl des Stoffes die nötigen Anhaltspunkte; Einsicht und Erfahrung des Lehrers müssen darüber entscheiden, wo das Maß des in demselben Gehotenen einer Kürzung, wo es wiederum einer Ergänzung bedarf." Der Dortrag des Lehrers darf aber keineswegs nachgeschrieben werden; es ist dies mit Recht verboten, weil dadurch die Aufmerksamkeit leiden würde. Doch kann der Lehrer besonders wichtige Punkte diktieren. Auch empfiehlt es sich, während des Vortrages sich durch Zwischenfragen zu vergewissern, daß der Schüler den Vortrag verstanden hat; überhaupt soll die Rolle des Schülers keine passive sein, er soll am Unterrichte lebendige Teilnahme zeigen. Auch das Recht der Frage soll dem Schüler unbedingt zustehen. Insbesondere müssen natürlich jene Männer ausführlich behandelt werden, welche den geistigen und religiösen Gehalt ihrer Zeit in sich verkörpern und nachhaltigen Einfluß auf die Juden und die ganze Menschheit ausgeübt haben. Von großer Bedeutung ist, wie bei jedem anderen Unterricht, so auch beim Geschichtsunterrichte die Anschaulichkeit, hierzu dienen vor allem die j)roben aus den Werken berühmter jüdischer Forscher, Denker und Dichter. Diese Proben sollen aber nicht bloß, wie ich dies in manchen Instruktionen über den jüdischen Religionsunterricht gefunden, . dem Schüler vorgelesen werden, der Schüler muß die proben selbst in seinem Buche haben; sonst leidet die Aufmerksamkeit des Schülers,^der oft schon durch den vorangegangenen Unterricht in anderen Gegenständen abgespannt ist. Empfehlen wird es sich, die Schüler in eine jüdische Gemeindebibliothek, in ein jüdisches'Museum, auf alte Friedhöfe zu führen; der Lehrer wird hierbei Gelegenheit haben, sich als Mentor zu bewähren. Auch Abbildungen aus dem Gebiete der jüdischen Geschichte sollen dem Schüler gezeigt werden. Das Wichtigste ist die Durcharbeitung des durchgenommenen Stoffes bei Wiederholungen und Prüfungen. Don Zeit zu Zeit werden größere Abschnitte im Zusammenhänge zu wiederholen sein; auf kleinliche Details ist dabei kein Gewicht zu legen. Es wäre daher verfehlt, bloß mechanisch einzelne Jahreszahlen abzufragen; dagegen wird es sich empfehlen, die Hauptereignisse eines Jahrhunderts oder einer bestimmten Periode ins Auge zu fassen. Doch läßt es sich nicht leugnen, daß es gewisse Zahlen gibt, die als .fester, eiserner Bestand einzuprägen und einzuüben sind, insbesondere jene Zahlen, mit welchen sich wichtige .Vorstellungen aus der jüdischen Geschichte verbinden. Nehmen wir einmal die Jahreszahl l0j2. Sie ist für den Schülerganz interessant wegen der Gleichzeitigkeit der Begebenheiten. Im Jahre j0j2 war in Tordova eine Verfolgung; Samuel ibn Nagdela und der berühmte Grammatiker- Jona ibn Djannach mußten Tordova verlassen. Im selben Jahre j0s2 war auch die erste Glaubensverfolgung auf deutschem Boden, die Vertreibung der Juden aus Mainz, welche der berühmte R. Gerschom miterlebte und bei der sein eigener Sohn getauft wurde. Mit der Zahl j0j2 verbindet daher der Schüler nicht bloß die Vorstellung von Glaubensverfolgungen in Spanien und Deutschland, sondern er merkt sich zugleich die Zeit, wann ungefähr Samuel ibn Nagdela, Jona ibn Djannach und R. Gerschom gelebt haben. Wenn man will, kann man auch auf die Vertreibung der Juden aus

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