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Liberales Judentum · 1912-06-01 · Heft 6 (Juni 1912) · p. Seite 138

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Journal
Liberales Judentum
Volume
4 (1912)
Issue
Heft 6 (Juni 1912)
Date
1912-06-01
Page
Seite 138 (sequence 18)
Language
German
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138 O O o o Prof. Ar. Mach: Me Behandlung der jüdischen Geschichte ungen des Aristoteles in Linklang zu bringen. Zm 1(5. Jahrhunderte können wir die Strömung der 2TTyftif ebenso bei Christen wie bei Juden versolgen. , Um auch voir der modernen Zeit zu sprechen, so sehen wir jetzt die nationale Strömung hei den Juden stärker hervortreten, gerade sowie bei den Christen. * von größter Wichtigkeit beim Unterrichte in der jüdischen Geschichte ist die Apologetik. Denn nicht nur unter den weniger Gebildeten herrschen Vorurteile gegen das Judentum, sondern auch unter den wissenschaftlich Gebildeten, ja sogar unter vielen christlichen Gelehrten. Zch will schweigen von Paul de Lagarde, von Eduard vieler und Chamberlain, aber selbst bei einem so hervorragenden Gelehrten wie bjarnack, finden wir eine einseitige und nicht vorurteilsfreie Auffassung des Judentums, wir dürfen nun als Religionslehrer nicht vergessen, daß unsere Schüler oder ihre Eltern gar oft Lham- 'herlain oder Fsarnack lesen; wir müssen daher beim Unterrichte in der jüdischen Geschichte apolegetisch Vorgehen, wir müssen, ohne die Anschauungen anderer Religionen zu verletzen, der Wahrheit gemäß die Religionsgeschichte des Judentums entwickeln und dabei die Vorurteile zurückweisen, die gegen das Judentum herrschen. Zn dieser Beziehung sei auf Güdemanns Apologetik, ebenso auf W. Schreiner, „die jüngsten Urteile über das Zudentum" (Berlin, W2) hingewiesen. Ich will nur auf einige Beispiele aufmerksam machen. Unsere Schüler lesen in den obersten Klassen Tacitus, der sich gehässig über die Juden äußert. Da wird es nicht nur interessant, sondern auch notwendig sein, darauf hinzuweisen, daß Tacitus sich bei seiner gehässigen Darstellung auf die ärgsten ägyptisch-griechischen Judenfeinde als (Quelle beruft. Diesbezüglich verweise ich auf eine sehr lesenswerte Abhandlung, die der Breslauer- Philologe Konrad Zacher in den „preußischen Zahrbüchern" betitelt: „Antisemitismus und Philofemitismus im klassischen Altertum" ((898) veröffentlicht hat. Treffend bemerkt Zacher (S. 4). daselbst: „Hätte er die Germania auf Berichte solcher Gewährsmänner aufgebaut, so stünde es schlimm um die Kenntnis unserer Vorzeit." Dem ägyptischen Geschichtsschreiber Wanetho schenkte selbst Schiller noch Glauben in seiner „Sendung Wosis". Da ist es nötig, wie ich dies auch in meiner Bearbeitung des Kayserlingschen Lesebuches der jüd. Geschichte^) getan habe, darauf hinzuweisen, daß wanetho durch die Entzifferung der Hieroglyphen zahlreiche Unrichtigkeiten nachgewiesen wurden. Bei der Besprechung der religiösen Parteien (Pharisäer ic.) wird man die historische Unwahrheit, „Pharisäer" und „Heuchler" zu identifizieren, beleuchten. Bei Hillel wird man hervorheben, daß das Gebot der Nächstenliebe nicht nur zum ersten Wale in der Thora (3. B. Ul. (9, J.S) ausgesprochen worden ist, sondern daß Hillel dieses Gebot als den Hauptgrundsatz der jüdischen Religion bezeichnet hat. Bei Zesus wird man - erwähnen, daß er sehr wahrscheinlich aus politischen und nicht aus religiösen Gründen zum Tode verurteilt wurde. Gft genug wird sich in der jüdischen Geschichte Gelegenheit ergeben, zu zeigen, daß auf dem Gebiete der Religion und W oral von der europäischen Kultur noch keine neue Zdee gebracht worden ist, durch welche unsere Religion ethisch auf eine höhere Stufe gebracht werden könnte. Auch darauf muß hingewiesen werden, daß das Judentum ein wirksamer Faktor in der Religionsgeschichte gewesen und daß die jüdische Religionsphilosophie freier als die Scholastik ist. Znsbesondere wird man bei der Besprechung von Gabriol und Waimonides darauf aufmerksam machen, daß die größten Kirchenlehrer des (3. Jahrhunderts, Albertus Wagnus und Thomas v. Aquino, vielfach aus diesen jüdischen Philosophen Zdeen geschöpft haben. Auf die Zdeen der jüdischen Religionsphilosophen selbst aber wird man nur insoweit eingehen, als der Schüler ein Verständnis dafür besitzt. Es wäre daher gänzlich verfehlt, wollte man etwa dem Schüler das religionsphilosophische Werk Gabriels „Wekor chajim" des weiten und breiten auseinandersetzen; hierzu fehlen ja dem Schüler die nötigen Vorkenntnisse. Darum habe ich in nieinen „Proben zur jüdischen Literatur"-) aus dem Wore Nebuchim des Waimonides nur jene Stellen ausgewählt, welchen der Leipzig 1909, Gustav Engel. 2) Leipzig 1909, Gustav Engel. Preis 1K. 85 Pf.

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