Liberales Judentum
- Journal
- Liberales Judentum
- Volume
- 4 (1912)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1912)
- Date
- 1912-05-01
- Page
- Seite 117 (sequence 21)
- Language
- German
- Belongs to
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o o o o Sürhrrfchau 117 Franziska Mann: Frau Sophie und ihre Kinder, geheftet 3 ZU., gebunden H ZN. 8^. Rütten & Loening, Frankfurt a. ZN. <£m stilles und feinsinniges Buch, das uns die reichbegabte Verfasserin, Franziska ZNann, wiederum geschenkt hat. wir müssen es lesen in ruhigen Dämmerstunden, wenn uns das wirren und Lasten des Lebens fern ist, wenn wir uns ganz hineinträumen können in die versonnene Poesie jenes stillen Gartenhauses vor den Toren der großen Stadt, in welchem sich Frau Sophies Leben und das Leben ihrer Enkelkinder ab spinnt. Tin Buch für Frauen und ZNütter ist es vor allem, kein Buch für die vielen — aber für diejenigen, die hinableuchten wollen in ihre eigene Seele, in die Seele ihrer Rinder, und die ihren Rindern ZRut und Licht und Rraft mitgeben möchten auf ihren Lebensweg. „Frei werden, das ist fröhliche, demütige, kraftvolle Hoheit." Das ist das letzte Zvort, das Frau Sophie ihrer Enkelin Lilly diktiert, bevor sie scheiden muß für -immer. Möchten wir der Verfasserin recht bald wieder begegnen auf ihren stillen wegen, die überschattet sind von hohen, ernsten Bäumen, durch deren Blättergewirr aber doch die Sonne funkelt rnit leuchtendem, goldenen Strahl. Ella Selig mann. Helldnnkie Jahre, Gedichte von Georg j. plotfe, Buchschmuck von Zvilhelm Ruh. Zweite vermehrte Auflage. Straßburg i. Elf. und Leipzig, Josef Singer \ty\2. 8°. preis geb. ZTT. 3. \\3.Seiten. Tin Ringender und ein Werdender! Zlls solcher grüßt uns Georg plotke in seinen Gedichten „Helldunkle Jahre", die bereits in zweiter vermehrter Auflage bei I. Singer in Straßburg und Leipzig erschienen sind. Tine starke, lyrische Begabung drängt in diesen Gedichten nach Zlusdruck und findet denselben, oft in wundervoller, eigenartiger weise, wie ein schmerzvolles Sehnen und Trinnern geht durch die tiefsten dieser Gedichte die Sehnsucht nach seinem „lieben Toten", nach seinem Vater: Dem Vater. wenn im dumpfen Fiebertraum der Nacht von des Herzens pochen, das im Ohr brandet, ich erschüttert aufgewacht, steigt Dein reines Bild in mir empor. Tine Welle überschwer von Leid, sinkt aufs Haupt mir, daß ich schreien will; leuchtend bringst Du meine Rnabenzeit, und die lauten Schmerzen werden still. Weißt Du noch? Im fern versunknen Land meiner fugend, war ich reich beschenkt, als Du hieltest meine warme Hand, als Du meinen Rinderschritt gelenkt. Streichst Du segnend mir das wirre Haar, hör' ich rein und immer reiner sie quellend rauschen, die versickert war, Deiner Rindermärchen Melodie. was dem Gläubigen der Heiland Thrist, bliebst Du jenseits mir von Gruft und Tod, der in dunkeln Stunden bei mir ist, Sehnsuchtsstern in aller Iugendnot! Ludwig Finckh, der feinsinnige poet, schreibt an den jungen Dichter, „Seien Sie Ihrer Zlot froh". Sie hat Georg plotke zum Dichter gemacht, von dem wir, wenn mich nicht alles täuscht, noch viel Tigenes und Reifes zu erwarten haben. Die vornehm ausgestattete Gedichtsammlung sei jedem tiefempfindenden Menschen, der nicht blind an den schweren Problemen vorübergeht, mit denen die denkende Jugend ringt, warm empfohlen. S e l i g m a n n.