Liberales Judentum
- Journal
- Liberales Judentum
- Volume
- 4 (1912)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1912)
- Date
- 1912-05-01
- Page
- Seite 116 (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
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116 Süchrrschan o o o o herbeigeführt, hat sich eine große Wandlung vollzogen, so daß heute aus den Eingangs erwähnten Gründen nur die beiden preußischen Großlogen (Große Landesloge und Großloge zu den 5 Weltkugeln) sonst aber keine deutsche Großloge die Aufnahme von Juden ablehnt. Dabei arbeiten die verschiedenen Großlogen neben und miteinander in bester Weise und ich darf vielleicht daran erinnern, daß der leider so früh verstorbene Fritz Auerbach lange Jahre Großmeister des eklektischen Bundes war und in hohem Ansehen bei allen Großmeistern und deren Logen stand, daß ferner Juden zum Meister vom Stuhl gewählt wurden in Logen, deren Mitglieder zum größten Teil Thristen waren, ein Beweis, daß hier nur die Persönlichkeit und deren geistige Kraft bei der Wahl zu diesen höchsten Ehrenämtern maßgebend sind. Bei der Entwicklung, welche die Freimaurerlogen genommen haben, sollte man anerkennen, welche Fortschritte sich vollzogen haben und nach Kräften dazu beitragen, daß auf diesen fortschrittlichen Bahnen weiter geschritten wird, so daß die Freimaurerei als ein Faktor bestehen bleibe, dessen Wirken zum Wohl der gesamten Menschheit immer mehr in die Erscheinung treten wird. Lücberlckau. Randbemerkungen?n Werner Sombarts „Die Juden und das Wirschaftsleben". Von Dr. M. Steckelmache r, Berlin \9\2. Leonh. Simion Nchf. Preis brofch. M. \.20. Klan sollte meinen, daß es über Sombarts Buch unter seinen gebildeten Lesern nachgerade nur ein Urteil gäbe. Das ist keineswegs der Fall, chier preist man es mit dem Autor selbst als eine wissenschaftliche Großtat, dort brandmarkt man es als ein antisemitisches Machwerk. Dabei hat es an sachkundigen Besprechungen nicht gefehlt. Rachfahl^) und v. Below?) haben die nationalökonomischen und historischen Aufstellungen einer — man muß sagen — vernichtenden Kritik unterzogen, Zieglers Güdemann/) . Eschelbacher^) u. a., die den größten Teil des Buches einnehmenden ungeheuerlichen ,-Beweise" aus der jüdischen Religion widerlegt. Doch sind alle diese Besprechungen zu sehr zerstreut, als daß der Laie sie bequem erreichen könnte. Da ist es als ein Verdienst tz Das Judentum und die Genesis des modernen Kapitalismus. Preuß. Jahrb. Bd. 147, I. Heft. -) Histor. Zeitschrift, herausgeg. von Meinecke 3. Folge, 12. Band, 3. Heft. 3) Allgem. Zeit, des Judentums 1911, Nr. 23 ff. ch-Monatsschrift 55. Jahrgang, Heft 5/6. ') „Ost nnd West", Dez. 1911, Februar 1912. zu bezeichnen, daß ein hervorragender Kenner der jüdischen Religion und Geschichte sich der Mühe unterzogen hat, „Die Juden und das Wirtschaftsleben" von Anfang bis zu Ende mit kritischen Randbemerkungen zu begleiten. Das Resultat ist ein für Sombart beschämendes. Steckelmacher weift mit umfassendem Wissen und mit eindringendem Scharfblick überzeugend nach, daß es „nicht nur ein einseitiges und tendenziöses, sondern auch ein oberflächliches Buch" ist. Mancherlei ließe sich noch ergänzen; aber der Krittler will ja seinen Gegenstand, wie er sagt, nicht erschöpfend behandeln. Wir können die Verbreitung von Steckelmachers Broschüre nur dringend wünschen und empfehlen. Kein Jude imbesonderen sollte ohne diesen fortlaufenden Kommentar Sombarts Buch in die pand nehmen — es kaufen, hieße dem allem Kapitalistischen so sehr abholden Geiste des Herrn Professor zu nahe treten. Denn es wird wirklich Zeit, dem Rnfug zu steuern, daß wir von einem Manne, der so wenig die Vergangenheit der Juden kennt und vorsteht, der dem Juden der Gegenwart solche Kränkungen kaltblütig ins Gesicht sagt, für Geld uns beifallklatschend über „die Zukunft der Juden" belehren lassen. G. S a l z b e r g e r.