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Liberales Judentum · 1912-05-01 · Heft 5 (Mai 1912) · p. Seite 115

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Journal
Liberales Judentum
Volume
4 (1912)
Issue
Heft 5 (Mai 1912)
Date
1912-05-01
Page
Seite 115 (sequence 19)
Language
German
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o o o o Ludwig Trier: Freimaurerlogen und Juden 115 Aber von dem moralischen Gesetz, dessen Verbindlichkeit wir ohne Mühe einsehen, ist das eigentliche Gffenbarungsgebot zu scheiden, das Zeremonialgesetz, alle jene Satzungen und Vorschriften, die, wie Speise-, Sabbat-, Opfergesetze, die Vernunft keineswegs ohne weiteres und aus sich heraus als bindend anzuerkennen vermag. Ls ist bezeichnend für die Geistesrichtung, welche Saadia anbahnt, daß wenigstens der versuch gemacht wird, auch 'in solche „Satzungen" mit dem natürlichen Licht des Verstandes hineinzuleuchten. Zwar glaubt er, daß es menschlichem Mühen immer versagt bleiben wird, die letzten Gründe zu entdecken, welche die göttliche Weisheit geleitet haben. Aber so manches Geheimnis kann sich selbst hier eindringender Forschung erschließen. Wir werden dem Philosophen in den Einzelheiten seiner Bemühungen nicht folgen, umso weniger, als sie uns sehr weit von den: Wege abführen, den wir heute zur Erklärung dieser Dinge einzuschlagen gewohnt sind, Acker das muß uns klar sein, daß sein Rationalismus, sein Bestreben, die varmonie zwischen Vernunft und Offenbarung aufzuzeigen, sich grade in seiner Stellung zum religiösen Gesetz folgerichtig bewährt. Und ein größeres Lob als das der Folgerichtigkeit kann man gewiß einem Denker nicht spenden. Freimaurerlogen unä luäen. Von Luäwig Irier-Varmltaät. Itntei* vorstehendem Titel wurde im Aprilbseft Nr. dieser Monatsschrift ein Aufsatz veröffentlicht, dessen Verfasser nicht dem Bund der Freimaurer anzugehären scheint, denn nur auf diese weise sind die Zrrtümer zu erklären, die in dem Aufsatz unterlaufen sind. Der Verfasser geht von der falschen Voraussetzung aus, daß der Antisemitismus der 80 er Jahre des vorigen Jahrhunderts die Juden aus dem Freimaurerbunde jDreußens ausgeschlossen habe. Nichts ist falscher als diese Behauptung! Die beiden preußischen Großlogen, die nur Bekenner des Christentums als Mitglieder aufnehmen, sind durch ihr Lehrsystem (das näher darzulegen hier nicht angängig ist) hierzu verpflichtet. Die weiter angeführte Behauptung des Verfassers, .man suche den Ausschluß der Juden damit zu begründen, daß, „da bei der Entstehung der Freimaurerei im Jahre (7(7 keine Juden mitgewirkt haben, die Freimaurerei ein christliches Erzeugnis sei", diese Behauptung ist eine falsche. Nie hat man in ernstdenkenden Kreisen eine solche Annahme vorgebracht. lieber die Geschichte der Loge zur ausgehenden Morgenröte ist der Verfasser des Aufsatzes ebenso ungenau informiert. — 3nt Zahre (8(5 schied die Loge zur ausgehenden Morgenröte aus dem verband des Grand Orient in j)aris, wegen der damaligen politischen Verhältnisse, unterstellte sich aber einer deutschen Großloge, um im Zahre (8(7 auch aus dieser auszuscheiden und sich unter den Schutz der Großloge von England zu stellen, aus der sie im Zahre (872 ausschied, um am (. Zanuar (873 Aufnahme in den eklektischen Bund und deren Großloge in Frankfurt a. M. zu finden. Bei sämtlichen 8 deutschen Großlogen und den sogenannten 5 unabhängigen Lögen, die zusammen den deutschen Großlogenbund bilden, waren früher die meisten Tochterlogen Anhänger des christlichen Prinzips. Durch die Entwicklung im Logenleben und sicher auch durch die Emanzipation der Zuden

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