Liberales Judentum
- Journal
- Liberales Judentum
- Volume
- 4 (1912)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1912)
- Date
- 1912-05-01
- Page
- Seite 111 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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MaX Wiener: Indische Denker des Mittelalters^ 111 Leben gerufen, die bürgerliche Formel für den K. £. - Gedanken gefunden. Man hat mit Befriedigung darauf hingewiesen, daß die letzten Reichstagswahlen zum ersten Mal ein Mitglied des K.-T. in den Reichstag gebracht haben. Nachdem einmal auf deutschen Hochschulen sich das Prinzip der jüdischen Selbsthülfe durchgesetzt hatte, kamen nach dem K.-T. auch andere jüdische verbände auf, die die Lösung der deutschen Zudenfrage auf eine andere weise zu erstreben gedachten. Ls entstand das „Kartell zionistischer Verbindungen" (K. Z. v.), dessen Tendenz sich aus seinem Namen ergibt. Sie umfassen diejenigen jüdischen Studenten, die das Heil und die Zukunft der deutschen Juden nicht in Deutschland erblicken, sondern deren Tendenz nach Worten des Baseler Programms die Schaffung einer öffentlich-rechtlich gesicherten Heimstätte in Palästina ist. Ferner entstanden die Vereine jüdischer Studierenden, vereinigt im Bunde jüdischer Torporationen (B. Z. £.), die sich ebenso wie der K. Z. v. schon dadurch äußerlich von dem K.-T. unterscheiden, daß sie außer Studenten deutscher Herkunft, auch Ausländer aufnehmen. Die Tendenz des B. Z. T. 'kommt in seinen Stututen nicht rein zum Ausdruck, von einem ziemlich allgemeinen jüdischen Standpunkte ausgehend, hat er sich im Laufe der Jahre in bestimmter markanter Richtung entwickelt, eine Richtung mit der die Blenderung der Statuten nicht gleichen Schritt gehalten hat. Seine Tendenz ergibt sich am besten aus seiner Stellungnahme zu dem K.-T., wie sie im Organ des B. Z. T., „Der jüdische Student" zum Ausdruck gebracht ist. Zn der Nummer vom 23. Januar M2 wird der K.-T. als der mächtige Gegner des B. Z. T. bezeichnet. Das deutsche Vaterlandsgefühl des K.-T. wird im Gegensatz zum Nationaljudentum des v. Z. St. gestellt und der Kampf gegen den K.-T. proklamiert. Diese jm Organ des v, Z. St. vertretene Ansicht hat sich auch das Präsidium dieses Verbandes dadurch zu eigen gemacht, daß es in seiner Sitzung vom f7. Januar \ty\2 beschlossen hat, den K.-T. in der Verbandszeitschrift a n z u g r e i f e n. Für jeden deutschen Staatsbürger jüdischen Glaubens, besonders für jeden Vater, der seinen Sohn auf die deutsche Hochschule schickt, ist eine Prüfung der Tendenzen der genannten drei Verbände sehr notwendig. Diesen Zweck verfolgte ich mit meinem vortrage, und wenn es mir außerdem gelungen ist, einige Glaubensgenossen aus ihrer dem Judentum so schädlichen Indifferenz gegenüber den so kraftvollen Lebensäußerungen jüdischer korporierter Studenten heraus zu reißen, so ist mein Zweck durchaus erfüllt. Jüdifche Denker des TTlittelalters. Von Max Wiener-Stettin. II. Saadias Lehre von Religion u n d w i s s e n s ch a f t. ie Ursprünglichkeit der echten Religiosität zeigt sich nirgendwo klarer als in der Stimmung jener völligen Unbefangenheit, mit welcher der Fromme die Grundanschauungen der Religion hinnimmt und als eigene Ueberzeugung erlebt. Ihm ist es selbstverständlich, daß Gott die Welt geschaffen hat und sie regiert, daß er dem Menschen seinen willen offenbart und auf seiner Erfüllung besteht, daß er seine Macht für die Erhaltung der sittlichen Weltordnung einsetzt. Man