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Liberales Judentum · 1912-04-01 · Heft 4 (April 1912) · p. Seite 82

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Journal
Liberales Judentum
Volume
4 (1912)
Issue
Heft 4 (April 1912)
Date
1912-04-01
Page
Seite 82 (sequence 10)
Language
German
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82 Mar Wiener: Jüdische Aenker des Mittelalters Religionen verbunden hält. Wenn noch nicht allgemein dieser Grundsatz gilt, so wird doch die Zeit kommen; wir gehen diesem schönen Ziele entgegen, alle unsere Kräfte müssen wir anwenden, es zu erreichen, je früher, desto besser. Ich bin sehr für die Emanzipation der Juden, und es ist «nur zu bedauern, daß ihnen noch viele Werkstätten verschlossen sind. Die Maurerei sollte keinem gebildeten Menschen wes Glaubens er auch sei, sobald er würdig befunden wird, ihre fallen verschließen." wie wenig solch verständige Worte gefruchtet haben, ist bekannt. Alle Logen lassen Juden als Brüder zu. Nur nicht die preußischen Logen. Die große Landesloge zu Berlin und die große National Mutterloge zu den drei Weltkugeln schließen Juden grundsätzlich aus. Lapisnti sat! Um solchem Unrechte auch eine gute Seite abzugewinnen, sei darauf hingewiesen, daß durch die Intoleranz der preußischen Freimaurerlogen, die Kräfte des jüdischen Bne Berith - Ordens gestärkt werden. Es wird eine Zersplitterung verhindert und die besseren Elemente des Judentums im Bne Berith- Grden konzentriert. Höher aber als dieser Vorteil, muß uns das Prinzip stehen, die unbedingte Gleichberechtigung der Juden, in allen Kreisen des staatlichen und gesellschaftlichen Lebens zur Geltung zu bringen, niemanden, um seines Glaubens, seiner Religion wegen zurückzusetzen. Der Pseudomoral, die jenes Tun gutheißt, sei die h e i d n i s ch - römische Weltanschauung eines Seneca entgegengestellt, die in den Worten des vorstehenden Mottos zum Ausdrucke kommt: Homo res saora homini. Jüdilche Denker des mittelaiters. Von Ulax Wiener-Ditffeldorf. Ewiges und vergängliches in der Geistesgeschichte. uf allen Gebieten des Lebens gilt die Wahrheit, daß das Heute aus dem Gestern geboren ist; auf keinem aber in dem Grade, wie im Bereiche des religiösen Daseins, wo altersgraue Vergangenheit ganz sichtbar und offenkundig in das warme Leben der Gegenwart hineinreicht. Diese Eigentümlichkeit der Religionsgeschichte wollen wir hier zu verstehen suchen, indem wir uns klar machen, wie sich überhaupt Ewiges und vergängliches in der Entwicklung der Kultur zu einander verhalten. Spricht man in Wissenschaft und Technik, in Oekonomik und Politik von „überwundenen Standpunkten", so liegt darin zwar oft genug undankbare Ueberhebung, wenn wir vergessen, daß wir nur auf den Schultern vergangener Geschlechter stehend einen weiteren Gesichtskreis überschauen. Aber auch der besonnenste, behutsamste Betrachter wird zugeben, daß allzu viel von diesen Dingen für uns tot und vergangen ist. Niemand wird aus der Astronomie der alten Babylonier oder der Heilkunde der ägyptischen Priester, aus der landwirtschaftlichen Technik altrömischer Bauern wie aus dem Postwesen des Persers Darms noch praktische Belehrung schöpfen wollen. Diese und tausend andere Erscheinungen, die uns viel näher liegen, sind im eigentlichsten Sinne des Wortes Geschichte geworden, für immer erledigt; sie gehören einer versunkenen Welt an, sind festgestampfter Ruinenschutt, der die Fundamente neuer Ansichten über Welt und Dinge trägt.

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