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Liberales Judentum · 1912-04-01 · Heft 4 (April 1912) · p. Seite 80

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Journal
Liberales Judentum
Volume
4 (1912)
Issue
Heft 4 (April 1912)
Date
1912-04-01
Page
Seite 80 (sequence 8)
Language
German
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80 Otto Mendelsohn: Freimaurerlogen und Inden stehen und zu billigen, hatte Herr Rönnefahrt unter allgemeinem Beifall, als den eigentlichen Zweck der Freimaurerei bezeichnet: die Humanität vermöge derer die Freimaurerei danach strebt, die Grenzen, welche Vorurteil und einseitige Ansicht der Dinge, sei es in politischer oder kirchlicher Beziehung feindselig zwischen die Menschen gestellt hat, aufzuheben, die gesamte Menschheit, ohne Rücksicht aus Religion und Abstammung, als einen großen verbrüderten Stamm zu behandeln und die Mitglieder derselben, durch mögliche Vervollkommnung aller Kräfte des Menschenwesens, zu wahrer Freiheit herauszubilden. — <£s ist eine der wesentlichsten Bedingungen des Freimaurerbundes, alle Menschen ohne Rücksicht auf Stand, Religionsunterfchiede, bürgerliche oder nationale Verhältnisse, als Brüder anzusehen und zu behandeln. Und heute? wir wollen nicht behaupten, daß der Geist der Duldung und Menschenliebe, der ja auch ein integrierender Bestandteil der ursprünglichen christlichen Lehre ist, aus den Freimaurerlogen verschwunden sei, nur innerhalb der schwarz-weißen Grenzpfähle ist er nicht mehr bei den Freimaurern zu finden?) Der Dichter Zschokke schrieb 18\7 „Schaffe dir ein Urbild der Menschheit in ihrer einstigen Vollendung. Alle Nationen ohne Unterschied der Sprache, Verfassung, Religion ausgelöst jn eine einzige Geschwisterschast, alle in brüderlicher Gleichheit und Liebe unter dem Allvater vereint, alle das Verdienst und die Tugend höher achtend, als äußeren Rang 'Gunst des Zufalls der Geburt, des Glücks, *} 1887 hatte der Deutschke Großlogentag den Bne Brith-Orden für eine geheime Gesellschaft erklärt und seinen Mitgliedern verboten, dem Orden anzugehören. Damit waren die deutschen Staatsbürger jüdischen Glaubens vollständig von Seiten der Freimaurerlogen boykottiert. alle in Liebe und Treue wetteifernd am Baue allgemeiner Glückseligkeit. Schaffe dir ein solches Urbild und du kennst nach Maßgabe deiner Bildungsstufe, Wesen und Zweck der Freimaurerei." Wie weit die Freimaurerlogen Deutschlands heut von jener Erkenntnis entfernt sind, zeigen die fadenscheinigen Gründe, mit welchen sie den Ausschluß der Juden zu rechtfertigen suchen. Man höre: Bei der Entstehung der Freimaurerei \7\? hatten keine Juden mitgewirkt, „also" ist die Freimaurerei ein christliches Erzeugnis und sein Grundprinzip, die Humanität, erst ein Erzeugnis des Christentums?!! Also vor Christi Geburt habe es danach keine Humanität gegeben. Davon, daß wenn dies wahr wäre, die Juden erst recht aus „christlichen" Motiven als Mitglieder ausgenommen werden müßten, davon, daß die Worte „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst", dem Judentums, dem alten Testamente entlehnt sind, sollten die Freimaurer wirklich nichts wissen? Ludwig j)sau sagt in seinem Werke „Kunst und Kritik", Bd. IV, S. \62: „was die Ethik betrifft, so weiß die christliche Religion kein Jota mehr, als die chinesische, indische, mexikanische, jüdische und griechischrömische Religionen und Sitten!ehren, aus welche sie so selbstgefällig herabsieht." Der hervorragende englische Kulturhistoriker Buckle sagt: Es findet sich nichts in der Welt, was so wenig Veränderungen erlitten hat, als jene großen Grundsätze, welche die Moralsysteme ausmachen. Andern Gutes tun, unsere eignen wünsche zu ihren Gunsten opfern, unsere Nächsten zu lieben wie uns selbst, unseren Feinden zu verzeihen, unsere Leidenschaften im Zaume zu halten, unsere Eltern zu ehren, die Obrigkeit zu achten, dieses und dergleichen mehr sind die Hauptsätze der Moral, aber sie sind seit Jahrtausenden bekannt und nicht ein Titelchen

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