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Liberales Judentum · 1912-03-01 · Heft 3 (März 1912) · p. Seite 69

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Journal
Liberales Judentum
Volume
4 (1912)
Issue
Heft 3 (März 1912)
Date
1912-03-01
Page
Seite 69 (sequence 21)
Language
German
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o o o o Ar. Seligmann: Aas neue Frankfurter Gebetbuch 69 Tora - Vorlesung. Ts soll an allen Sabbaten und Festtagen nur eine Tora ausgehoben werden. Da die zweite Torarolle fast in allen Fällen für die Verlesung des Gpferrituals des betreffenden Tages bestimmt ist, so ist dieser Beschluß nm* eine notwendige logische Konsequenz der Veränderung der Opfer - Gebete?) Was die Vorlesung selbst betrifft, so soll an federn Sabbat, in möglichster Anlehnung an den laufenden Schriftabschnitt, nach der Bestimmung des Rabbiners, ein Stück aus der Tora hebräisch vorgelesen und von dem Rabbiner nach Schluß der Vorlesung übersetzt und erklärt werden. Die Anzahl der Aufzurufenden richtet sich nach der Größe des vorzulesenden Abschnittes, beträgt aber jedesmal mindestens drei Personen. Der hebräische Segensspruch für den Aufgerufenen, ist beizubehalten (schon als Zwang für Jeden, hebräisch zu lernen; aus demselben Grunde ist auch der Segensspruch und der hebräische Abschnitt des Barmizwa beibehalten). Die ungeeigneten oder wenig eindrucksvollen herkömmlichen Tora - Vorlesungen an Fest-Tagen sollen durch geeignetere und wirksamere ersetzt werden. Dasselbe gilt von den haftarot an Sabbaten und Werktagen. Ts sollen auch geeignete Stücke aus dem dritten Teil der heiligen Schrift, den hagiographen zur Verlesung gebracht werden. Die Ausarbeitung eines dritten und vierten Teils des neuen Gebetbuchs, enthaltend die häusliche Andacht und die. Zusammenstellung und neue Uebertragung der haftarot (und der Gebete bei besonderen Gelegenheiten) wird mir als Bearbeiter des neuen Gebetbuches anheimgegeben. Die durch nichts gerechtfertigte Gewohnheit vieler Rabbiner, den ersten und letzten 3) In der ältesten Zeit bis nach Abschluß des Tabnud wurden an Festtagen niemals zwei Torarollen ausgehoben und dementsprechend auch die betreffenden Opfer-Rituale nicht vorgekesen; etr.: bah. Meg. 30 b Toss. zu der Stelle der Mischna „und an den anderen Tagen des Festes liest man van den Opfern", wozu 'lass, bemerken, daß der Gebrauch, an Festtagen eine zweite Torarolle auszuheben und von den Opfern vorzulesen, keinen Anhalt im Talmud habe und erst seit der der gaonäischen Zeit bekannt, sei. oder nur den ersten Satz der Haftara hebräisch zu zitieren, soll in Wegfall kommen. , 5. hebräischer Text. Der hebräische Text des Geigerschen Gebetbuches soll überall beibehalten werden. Nur soll a) im Kiddusch und Segensspruch zur Tora der von Geiger weggelassene Zusatz mikol hoamim wieder ausgenommen werden; denn die Geigersche Fassung wurde nirgends angenommen, sie bringt eine Ungleichmäßigkeit in den Gottesdienst, insbesondere beim Segensspruch für die Tora und sie ist sachlich nicht gerechtfertigt, da durch diesen Zusatz die Idee der Auserwählung keine andere Nüance erhält, als sie ohne diesen Zusatz hat. d) Das ^.leuu-Gebet ist dahin zu verändern, daß schelo som etc. ganz weggelassen wird und nicht wie bei Geiger, eine neue ungewohnte Fassung erhält. c) Ls sollen für Versöhnungstag einige wenige Piutim von schönem Inhalt ausgenommen werden, eventuell aus dem sefardischen Ritus, damit auch dieses historische Moment nicht fehle. d) wenn es für ein ausschließlich oder fast ausschließlich hebräisches Gebetbuch angezeigt erscheint, von rechts Nach links aufzuschlagen, so soll der veränderte Charakter unseres neuen Gebetbuches auch dadurch sofort zum Ausdruck kommen, daß es von links nach rechts gedruckt wird. 6. Für die Bearbeitung der deutschen Rebersetzungen und der neuen deutschen Gebete und Lieder wird mir vollständig freie Hand gelassen. lieber meine Intentionen ryögen folgende kurze Bemerkungen Aufschluß geben. a) Bei der Uebertragung resp. Paraphrase der hebräischen Prosastücke leiteten mich folgende Gesichtspunkte: Die deutschen Nebertragungen sollten durchaus den Lindruck von Griginälgebeten machen, da sie ja vor allem für diejenigen bestimmt sind, die des hebräischen nicht kundig sind. Zu. diesem Zwecke mußte nicht nur die hebräische Konstruktion im Deutschen vermieden, sondern in vielen Fällen der ganze Tenor des hebräischen Gebets aufgegeben werden. So ist die deutsche Paraphrase vielfach geradezu als

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