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Liberales Judentum · 1912-03-01 · Heft 3 (März 1912) · p. Seite 67

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Liberales Judentum
Volume
4 (1912)
Issue
Heft 3 (März 1912)
Date
1912-03-01
Page
Seite 67 (sequence 19)
Language
German
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o o o o Ar. Srligrnann: Aas neue Frankfurter Gebetbuch 67 zu erzielen, sollen die Respon.sen in leichten Melodien, die sich für Gemeindegesang eignen, gehalten, und der Chor lediglich Stimmführer der Gemeinde sein. Die Psalmen, das Ausheben und Einheben der Tora, die Festeinschaltungen in der Thephilla (Sochrenu lechajim etc.), die Abinu malkenn und alle ähnlichen Gebete sollen in dieser Weise zum einstimmigen Gemeindegesang hergestellt werden. % Ts sollen moderne deutsche Gebete, die dem Empfinden und der Stimmung der heutigen Iudenheit Ausdruck verleihen und zu ihrer religiösen Erweckung dienen, neu bearbeitet werden, vor allem zu den Festabenden, und an Zomkippur zu Schacharith Mussaph, und Neila. 5. Die Totenfeier an Iomkippnr soll neu bearbeitet werden. 6. Mehrstimmige, klassische Thorgesänge vor und nach der predigt und vor und nach der Totenfeier sollen eingeführt werden. 7. Line bunte Mischung von Hebräisch und Deutsch erscheint unharmonisch und darum untunlich. Es soll vielmehr die Einrichtung des Gottesdienstes nach dem Prinzip erfolgen, daß dem Abendgebet ein vorwiegend deutscher, dem Morgengebet ein vorwiegend hebräischer Tharakter gegeben werde. 8. Der neue Gottesdienst soll den möglichsten Anschluß an das feit mehr als einem Menschenalter hier eingeführte und bewährte Geiger' sche Gebetbuch anstreben. 9- Unbedingt notwendig ist die Beibehaltung der hebräischen Sprache bei Borchu, Schema, den ersten und letzten 3 Segenssxrüchen der Tefilla, den Responsen der Keduscha, beim Kaddisch, Kiddusch, bei der Tora-Vorlesung und beim Aus- und Einheben der Tora. s0. Unbedingt erforderlich ist die Beibehaltung des zweiten Tages Rosch Haschana. Das Aufgeben dieses Tages würde in religiöser Hinsicht keinen Nutzen bringen, aber einen großen Schaden als Ausdruck der Trennung vom traditionellen Judentum. H. dornkippur soll in der traditionellen Weise, also ohne Pause, begangen werden. So wie es jedem freisteht, sich selber eine Pause zu wählen, so darf auch derjenige, der einen ganzen Tag im Gotteshause zubringen will, daran nicht verhindert werden. \2. Alle in deutscher Sprache vorgetragenen übersetzten Gebetftücke sollen auch in hebräischer Sprache ausgenommen werden für diejenigen, die das Bedürfnis haben, hebräisch zu beten. — Mögen diese Thesen mit demselben Ernst, derselben Vorurteilslosigkeit und -riebe zur heiligen Religion unserer Väter geprüft werden, wie sie aufgestellt wurden. III. K o m m i s s i o n s v e r h a n d l u n g e n, Beschlüsse, Ausführungen. Die Rommissionsberatungen ergaben eine fast einstimmige Annahme der von mir ausgestellten Grundsätze und Thesen. Nur die letzte These (Aufnahme der übersetzten Gebetstücke auch in hebräischer Sprache) wurde abgelehnt. Einen gegenüber dem Referat prinzipiell verschiedenen Standpunkt vertrat mit großer Entschiedenheit nur der Korreferent Dr. E. Auerbach. Er selbst schreibt inbezug auf diese Meinungsverschiedenheit in einem Artikel der Allgemeinen Zeitung des Judentums (68. Zahrgang $0^ pag. 538): „Bei der Einrichtung dieser Gottesdienste galt es nun zunächst, die Grundfrage zu beantworten, ob man etwa nach dem Vorbilde der alten Andachtsstunde des Philanthropins in Frankfurt oder der Reformgemeinde zu Berlin, die Bahnen der hergebrachten Gottesdienstordnung verlassen und neues, besonderes schaffen, oder ob man vielmehr die Tradition des alten Gebetbuches beibehaltendieses aber verdeutschen, erläutern, verkürzen und verbessern sollte. Die Entscheidung fiel — vor allem auch infolgedessen, daß der Rabbiner der Hauptgemeinde Dr. Taesar Seligmann energisch für die Aufrechterhaltung der Tradition eintrat — zugunsten der letzteren aus. Und darin liegt eben das hochbedeutsame dieser neuen Einrichtung, daß sie als folgerichtige Weiterbildung des alten Gottesdienstes gedacht ist, und nicht als eine, die bisherigen Grundlagen desselben negierende Neuerung.

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