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Liberales Judentum · 1912-03-01 · Heft 3 (März 1912) · p. Seite 66

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Liberales Judentum
Volume
4 (1912)
Issue
Heft 3 (März 1912)
Date
1912-03-01
Page
Seite 66 (sequence 18)
Language
German
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66 Ar. Seligmann: Aas neue Frankfurter Gebetbuch mit denjenigen Prinzipien übereinstimme, von welchen die Rabbiner bei einer Reform des Judentums glauben ausgehen zu müssen. Geiger erklärte nachher, daß die Berliner Reform außerhalb des gesamten Judentums der Gegenwart und Vergangenheit sich gestellt habe. Und Hold heim selbst sagt in seiner Geschichte der Reformgemeinde, als er schon Rabbiner an derselben war (p. t99)' „Es kann nicht geleugnet werden, daß das Gebetbuch uns und unsere Bestrebungen von den jüdischen Gemeinden und deren Bestrebungen immermehr isoliert und entfremdet hat. Ls fehlt dem 'Gebetbuche ein großer Teil derjenigen Berührungspunkte mit dem gesamten gottesdienstlichen Leben der jüdischen Gemeinden, in welchen dieses Leben pulsiert; diese Berührungspunkte zu vermehren, ist aber unsere Aufgabe in der Gegenwart." Noch unter bsoldheim wurde denn auch im Jahre s885 eine neu bearbeitete Auflage des Gebetbuchs der jüdischen Reformgemeinde veranstaltet, die, wie Levin in seiner Festschrift zur Feier des fünfzigjährigen Bestehens der Reformgemeinde hervorhebt (p. 96), „sich formell ganz dem traditionellen Gebetbuch anschloß". Die neuesten Auflagen haben sich unter dem Einfluß Levins noch mehr dem Historischen genähert, und so steht zu hoffen, daß die Berliner Reformgemeinde inbezug auf ihren Gottesdienst den Anschluß an das liberale Judentum in Deutschland wieder finden werde. — Es sind endlich noch die bedeutungsvollen, praktischen Vorschläge Geigers über die Verteilung von hebräisch und Deutsch im Gebet anzuführen (N. Schr. I. p. 3(3 i): das stille Gebet der Gemeinde wird am besten in der Muttersprache gesprochen werden ... ein anderes ist es jedoch mit dem gemeinschaftlichen Gebet bei dem öffentlichen Gottesdienst, in welchem die Gesamtheit als solche auftritt, da kann diese mit ihrer ganzen Geschichte ihre Rechte nicht ganz dem individuellen Bedürfnisse abtreten. So muß denn gerade bei diesem Gegenstand die rechte Vermittlung angestrebt werden. . die Gebete müssen sich in beide Sprachen teilen. Nach diesen den Gegenstand vom historischen Gesichtspunkt aus klärenden Darlegungen schreite ich sofort, unter Vermeidung weiterer theoretischer Erörterungen zur Aufstellung von Thesen, aus denen sich meine eigene Stellungnahme zu den einzelnen Fragen ergibt. Die inhaltlich wertvollsten und für unsere Zeit bedeutungsvollsten Stücke der Liturgie sollen in deutscher Sprache vorgetragen werden, damit ihre religiöse Wirksamkeit für unsere Zeit fruchtbar gemacht werde. Zu diesen Stücken gehören die Psalmen, die religiös wirkungsvollen Stücke der Tora, der Propheten und auch die schönsten, in unserer Liturgie bisher nicht aufgenommenen Stücke aus den übrigen heiligen Büchern. Die betreffenden Stücke der Tora sind nach Art des alten Targum nach, d e r^h e b r ä i - schen Vorlesung vom Rabbiner deutsch vorzutragen; die Propheten und Stücke aus den übrigen heiligen Schriften nach Art unserer jetzigen Haftaras. Zu diesen inhaltlich wertvollsten Stücken gehören ferner diejenigen Gebete, die das Wesen der Feste und ihre historische Bedeutung am nachdrücklichsten und charakteristischsten hervorheben, so die Einschaltungen zum Mussaphgebet anl Neujahrsfeste, die sogenannten Malchujoth, Sichronoth und Schofaroth, so die Aboda am versöhnungstag. Diese Gebete sind in moderner deutscher Paraphrase vorzutragen. Jedoch 'sollen diejenigen laut vorzutragenden charakteristischen Gebetstücke, die durch ihr hohes Alter, ihr s^nagogales Ansehen, oder durch ihre traditionelle Melodie, eine besondere Beachtung verdienen, entweder nur hebräisch oder in beiden Sprachen vorgebetet werden, so z. B. das Schema, das S ü n d e n b e k e n n t n i s, die Abinu malkenu, Unesanne tokef. 2. Die von der Gemeinde leise zu betenden, also mehr individuellen Gebete, sollen in deutscher Sprache gebetet werden. 3. Entsprechend den wünschen der Antragsteller soll für eine intensive Beteiligung des Rabbiners aber auch der Gemeinde selbst Sorge getragen werden. Zu diesem Zweck empfiehlt es sich, daß der größere Teil der deutschen Gebete vom Rabbiner vorgetragen werde; um eine stärkere Beteiligung der Gemeinde' am Gottesdienste

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