Liberales Judentum
- Journal
- Liberales Judentum
- Volume
- 4 (1912)
- Issue
- Heft 3 (März 1912)
- Date
- 1912-03-01
- Page
- Seite 56 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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56 Ar. Seligrrrann: Aas neue Frankfurter Gebetbuch 0 0 ö o Das neue?rankfurter Gebetbuch. Von Rabbiner Dr. Seligmann-frankfurt a. JTl. I. Zur Geschichte seiner Entstehung. uf Anregung und unter Führung des unvergeßlichen Rechtsanwalts Julius pfot?e, hatte sich im Jahre $02 in Frankfurt a. Z\X. ein Komitee gebildet, das, bekannt unter dem Namen Anti-Tauf-Komitee, folgendes Schreiben unter dem Datum des 29. Januar $03 an den Vorstand der israelitischen Gemeinde in Frankfurt a. 2T(. richtete: Line Anzahl von Mitgliedern der hiesigen Gemeinde haben sich zu dem Zwecke vereinigt, um gegenüber dem in letzter Zeit überhandnehmenden Abfall vom Judentum in Beratung darüber einzutreten, in welcher weise diesem Mißstand wirksam entgegengetreten werden könne. Neben anderen Mitteln und Maßnahmen ist man in dem Kreise dieser Interessenten auch darüber einig gewesen, daß durch Einführüng eines modernen, den Lebensanschauungen unserer heutigen gebildeten Kreise entsprechenden Gottesdienftes, vor allem an den hohen Festtagen, nicht nur die Erwachsenen am Judentum festgehalten werden, sondern daß dadurch insbesondere eine nachhaltige Wirkung auf die Kinder ausgeübt werden kann, welche unter den heutigen Verhältnissen einem in hebräischer Sprache abgehaltenen Gottesdienste überhaupt nicht mehr zu folgen in der Lage sind. Die Unterzeichneten sind als geschäftsführender Ausschuß mit der Linzelberatung, Vorbereitung und Ausführung, der in Aussicht genommenen Maßnahmen beauftragt worden. Diesem unserem Aufträge folgend, sind wir zur Ueberzeugung gekommen, daß die als wünschenswert erachtete Reform des Gottesdienstes nach zwei Richtungen in Aussicht genommen werden müßte. Einerseits würde es sich dringend empfehlen, den Kultus in der ^aupt -- Synagoge, welcher seit Einführung des Geiger'schen Gebetbuches, also seit über 30 Jahren einer Revision nicht mehr unterzogen worden ist, durch einige, denr Geschmack der heutigen Zeit entsprechende Neuerungen zu vertiefen und zu beleben, andererseits wird es ganz besonders erforderlich sein, für diejenigen fortgeschritteneren Kreise, welche noch am Judentum hängen, und ihre, die öffentlichen Schulen besuchenden Kinder religiös erzogen wissen möchten, einen durchaus modernen Sonder gottesdien st zunächst an den hohen Feiertagen einzurichten. Daß der letztere nur dann von wirklichem Werte sein wird, wenn er in offizieller Weise von der Vertretung unserer Gemeinde eingerichtet wird, bedarf wohl einer weiteren Ausführung nicht. Mit der Einrichtung eines solchen Sondergottesdienstes aber — ähnlich, wie ihn die Gemeinde an zwei Plätzen für die orthodoxe Richtung eingerichtet hat — würde unseres Erachtens wohl auch die Möglichkeit gegeben sein, den zahlreichen, zur Zeit unseres Wissens nicht erfüllbaren Nachfragen nach Plätzen in der Haupt- Synagoge an den hohen Feiertagen zu genügen. wir beehren uns demnach, dem verehrlichen Vorstand der Israelitischen Gemeinde den ergebenen Antrag zu unterbreiten, m der nachfolgenden Richtung, bezüglich einer Reform des Gottesdienstes Beschluß zu fassen, nämlich: I. Die bestehende Ordnung des Gottesdienstes in der Hauptsynag o g e einer Revision zu unterziehen. In dieser Beziehung glauben wir, daß zunächst eine Verbesserung in folgender Richtung vorzunehmen wäre: a) Einführung der Predigt für den Freitag- Abend, b) Wiedereinführung des bei Schaffung des Geiger'schen Gebetbuches in Kraft gewesenen dreijährigen Zyklus, o) erhebliche Vermehrung der deutschen Gebete.