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Liberales Judentum · 1912-03-01 · Heft 3 (März 1912) · p. Seite 54

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Journal
Liberales Judentum
Volume
4 (1912)
Issue
Heft 3 (März 1912)
Date
1912-03-01
Page
Seite 54 (sequence 6)
Language
German
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54 Kantor Krnte: Gesang nnd Mrrstk irn liberalen Gottesdienst Gelang und JTlufik im liberalen Goffesdienft. Von Kantor Hente-Hamburg. u den positiven Aufgaben, welche die Vereinigung für das liberale Judentum in Deutschland sich gestellt hat, gehört die Lserausarb eitung eines Gottesdienstes mit einem Gebetbuch in liberalem Geiste. Eng verknüpft damit ist die Frage, wie sich der musikalische Teil dieses Gottesdienstes gestalten soll. Nach meiner Meinung lassen sich vorerst nach dieser Richtung nur allgemeine Gesichtspunkte und Richtlinien aufstellen, da eine genaue Feststellung von Gesängen von Umständen abhängt, die nicht in allen Fällen sich decken. vor allem müßte festgestellt sein, wie däs erstrebte einheitliche Gebetbuch beschaffen sein wird, d. h., welche hebräischen Gebete und welche deutschen Lieder in demselben enthalten sein werden, um auf die entsprechenden Kompositionen Hinweisen zu können. Ferner muß bei einer zutreffenden Auswahl von Gesängen und Liedern in Betracht gezogen werden, welche musikalischen Kräfte den betreffenden Gemeinden zur Verfügung stehen, damit die ausgewählten Kompositionen der Leistungsfähigkeit der ausführenden Grgane (Kantor, Thor usw.) entsprechen. Auch das musikalische Empfinden der jeweiligen Gemeinde verlangt Berücksichtigung bei der Auswahl von Gesängen, wenn sie religiöse Stimmung und weihevolle Andacht erwecken sollen. Nach diesen Vorbemerkungen will ich versuchen in kurzer weise einige allgemeine Gesichtspunkte aufzustellen, deren Beachtung mir für einen musikalisch wirkungsvollen liberalen jüdischen Gottesdienst geeignet erscheinen dürfte. 1. Schon der Aufbau des Gebetbuchs muß so gestaltet sein, daß eine gewisse Steigerung des Andachtsgefühls durch die musikalischen Darbietungen erzielt werden kann. Diese Steigerung wird durch eine sinngemäße und wirkungsvolle Abwechslung in den Gebeten und Liedern erhöht werden. Auch durch passend eingefügte stille Gebete und Betrachtungen mit und ohne Grgelspiel wird eine solche Abwechslung gewonnen. 2. Die musikalischen Vorträge bestehen in Sologesängen des Kantors, mehrstimmigen Thorgesängen, wobei auch Solovorträge eingeschaltet werden können, und Gemeindegesängen in hebräischer und deutscher Sprache. 3. Zur Begleitung der Gemeindegesänge ist ein Instrument (Grgel oder Harmonium) erforderlich. Die traditionellen Melodien sind (so weit sie nicht, aus unlauteren Quellen stammend, sich dem Trivialen zuneigen) in erster Linie bei allen Gesängen zu berücksichtigen; sie sollen aber in einer dem musikalischen Empfinden unserer Zeit entsprechenden Form dargeboten werden. 5. Für solche Gebete, für welche traditionelle Melodien nicht vorhanden oder nicht verwendbar sind, sollen in erster Linie Kompositionen gewählt werden, welche für die Synagoge bestimmt worden sind. Das schließt aber nicht aus, daß Meisterwerke der Tonkunst mit deutscher Textunterlage (Psalmen, Motetten u. dgl.) mit erhebender Wirkung auch in der Synagoge vorgetragen werden können. 6. Dem Gemeindegesang ist neben dem mehrstimmigen Thorgesang (dieser aber nur dort, wo ein einwandfreier Thor zur Verfügung steht) ein breiter Raum im Gottesdienste an geeigneten Stellen einzuräumen. Die Melodien für den Gemeindegesang müssen in ihrer Sangbarkeit einem Gemeindegesang entsprechen. Der „r h y t h m i s ch e" Thoralgesang (nicht der sogen, evangelische) ist dabei zu empfehlen. 7. Die Zusammenstellung von Kompositionen für einen Gottesdienst soll nicht potpourriartig sein; es soll eine stilvolle und stilreine Zusammenstellung der Gesänge, insbesondere bei zusammenhängenden Gebetstücken (Aus- und Einheben, Lsäuselio usw.) obwalten. Das gilt insbesondere auch für die Verbindung des kantoralen Gebetsvortrags mit dem Gemeinde- oder Thorgesang. 8. Nur das Beste (nicht das Schwierige) kann gut genug sein für unseren Gottesdienst. Für den musikalisch gebildeten Kantor, als den Träger des musikalischen Teils des Gottesdienstes wird es nicht schwer sein, ein

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