Liberales Judentum
- Journal
- Liberales Judentum
- Volume
- 4 (1912)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1912)
- Date
- 1912-02-01
- Page
- Seite 47 (sequence 23)
- Language
- German
- Belongs to
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o o o o Rundschau 47 und Nachahmung gefunden habe. So türmt sich der stolze Bau des Sabbats immer höher und zeugt in allen Teilen von seiner rein indischen Begründung. Tine Entlehnung aus Egypten, wo inan nur (Otagige Abschnitte kannte, ist ebenso ausgeschlossen, als eine solche aus Babel, wo der sog. um nuh libi etwas der Sabbatweihe Entgegengesetztes war. Zuzugeben ist die allgemein 'semitische Heiligkeit der Siehenzahl, entsprechend der Zahl der Planeten; aber gerade im Judentum fehlt jede Spur von der Weihung eines Tages zu Ehren eines Planeten. Abzuweisen ist auch die Ansicht von Meinhold, als sei der Sabbat ursprünglich der p>. des Monats als Tag der Nnhe, der Mondeszunahme, denn es fehlt an jeder Spur einer Verlegung des \5. auf den je 7. Tag. Die gesamte Tradition weiß immer nur von der Gleichsetzung des Sabbats mit einem 7. Tage. Zn der 2. Epoche ist der Sabbat so fraglos zur Herrschaft gelangt, daß er sich innerlich verliefen kann. Einen 'breiten Raum nehmen in der talmudischen Epoche die gesetzgeberischen Maßnahmen ein, die zur Fernhaltung jeder Störung des Sabbats (Entweihung genannt) dienen. Man redet von paupt-, Neben-, Unter-Arbeiten und Vorkehrungen, und die Kasuistik findet hier ein dankbares Feld. Aber man wahrt sich jene Freiheit ü-ber den Sabbat, die man unbegründeter weise dem Stifter des Christentums zuschreibt. Zn Wahrheit erfreuten sich teils vornehme, Verwöhnte, Frauen, Wöchnerinnen, Rinder und wiederum Arme und Kranke, sowie jedermann in Lebensgefahr zahlreicher Vergünstigungen. „Glaube nicht, daß Gott dir den Sabbat aus Zorn und zur Last erteilt hat, sondern aus Liebe und zur Wohltat" — das ist das Leitmotiv, vor allem wird aber der positive 'Gehalt herausgearbeitet durch "die sabbatliche predigt, deren beste Erzeugnisse wir noch heute in den Midraschim besitzen. Anknüpfend daran stellen sich alle Geistesströmungen des folgenden rabbinischen Zeitalters in den Dienst der Sabbatidee: Die Philosophie, die Dichtkunst, die Kabbala. Die erstere sieht im Sabbat die beste Beglaubigung für einen höheren Ursprung des Zudentums; die Dichter — em^Zehuda palevi und Abraham ibn Esra — flochten ihm die schönsten Kränze. Der Kabbala ist der Sabbat willkommen zur Versenkung in die göttlichen Geheimnisse und ein Vorgeschmack ewiger Seligkeit nach der Lösung vom Körper. Gerade in der langen Nacht des Mittelalters hat der Sabbat an den Zuden eine erhöhte geistige, soziale und religiöse Mission ausgeübt, den Verlust ihrer Menschenwürde verhindert, sie der Menschheit erhalten, peines Gedicht von jener hündischen Metamorphose, die der Znde, ein Prinz an jedem Sabbat, für die ganze Arbeitswoche durchwachen müsse, hatte eine traurige Wahrheit zum pintergrunde, nämlich überall dort, wo es der Welt gelungen war, ans dem Ghettodasein des Alltagsjuden jedes höhere "Streben zu vertreiben. Alle bessere Zeiten, und sie überwiegen, gaben dem Sabbat die Kraft, veredelnd und verklärend über die ganze folgende Arbeitszeit hinaus zu wirken. welche Macht muß in dem Sabbat ruhen, wenn auch die 3. Epoche, die Neuzeit, die Zeit seiner Erschütterung, den Sabbatgedanken selbst niemals in Frage gestellt und aus der Mekonomie der Menschheit zu streichen unternommen hat. Sehen wir doch im Gegenteil den Sabbat noch täglich neue Eroberungen im modernen Völkerleben machen, da eine immer ausgedehntere Sonntagsruhe geradezu auf eine A n e r k e n n u n g altjüdischer M a x i m e n der äußeren Sabbatheiligung hinausläuft! Das Zudentum befindet sich mit seinem Sabbat in einer Krisis gerade weil ein anderer Tag gesetzlich immer strenger zum allgemeinen Ruhetage für das wirtschaftliche und industrielle Leben erhoben wird. Man hat jüdischerseits verschiedene peilmittel in Vorschlag gebracht: das radikalste ist die von den Reformgemeinden in Deutschland und Amerika angewandte, die Verlegung auf den Sonntag. — Der Redner bekennt sich als ein Gegner dieser Verlegung, wenigstens in unserm vaterlande. Er meint, die Lösung der allbekannten Schwierigkeiten, die sich einer Erhaltung unseres Sabbats entgegenstellen, muß von der richtigen Abschätzung der beiden im Sabbat verbundenen Momente „Ruhe" und „peiligung" ausgehen, pistorisch war die Arbeitsenthaltung als ein Opfer für die Gottheit gedacht und als unerläßliche Vorbedingung für eine peiligung des Gemüts und eine religiöse Erhebung der Seele, wir müssen notgedrungen versuchen, diese Verknüpfung zu lösen. Eine Arbeitsenthaltung im