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Liberales Judentum · 1912-02-01 · Heft 2 (Februar 1912) · p. Seite 46

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Liberales Judentum
Volume
4 (1912)
Issue
Heft 2 (Februar 1912)
Date
1912-02-01
Page
Seite 46 (sequence 22)
Language
German
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46 Rundschau o o o o die Trennungsorthodoxie, die ihren Sitz in Frankfurt habe; sie sei zwar eine rlcnre Gruppe, aber sie scheue kein Mittel, selbst nicht das des Anrufens der Staatsbehörden, um ihre einseitigen und auf Spaltung im Judentum hinauslaufenden Ziele zu erreichen, während das liberale Judentum keinen, auch die Orthodoxen nicht in ihren Anschauungen beeinflussen und keine Gegnerschaft im Judentum haben wolle, trete diese separatistische Orthodoxie rücksichtslos auf und bezeichne in unerhörter Ueberhebung und Anmaßung die Liberalen als Nichtjuden. Sie erstrebe die innere und äußere Trennung zwischen Liberalen und Orthodoxen, ja sie bezeichne das liberale Judentum als Antisudentuin. Die Vereinigung für das 'liberale Judentum in Deutschland, als Organisation der Liberalen, habe die Aufgabe, diese Wühlarbeit der Trennungsorthodoxie und die Spaltung der jüdischen Gemeinden Deutschlands zu hindern. Was die positiven Aufgaben der liberalen Vereinigung im Dienste der jüdischen Religion betreffe, so sei Einheitlichkeit und Klarheit im religiösen Leben zu schaffen durch Aufstellung eines kurz formulierten Bekenntnisses des liberalen Judentums, in welchem auch die äußeren Formen zu ihrem Rechte gelangen müßten. Wenn man über stete Abnahme der Religiösität im Judentum klage, so sei dies unberechtigt; in Wirklichkeit habe nur die Beachtung der äußeren Formen der Religion abgenommen. Das religiöse Leben aber sei niemals so stark gewesen wie jetzt. Notwendig sei u. a. die Schaffung eines einheitlichen Gottesdienstes und eines einheitlichen Gebetbuches, mit größerer bieranziehung der Landessprache, sowie von Lehrbüchern der jüdischen Religion, auf Grundlage der Ergebnisse wissenschaftlicher Forschung. Das religiöse Leben in der Familie, wobei die Frau viel leisten könne, _ sei zu stärken, Einrichtungen zur Förderung Der Kenntnis der Religion und der Geschichte des Judentums seien zu treffen. Die Vereinigung müsse zu einer einheitlichen und anerkannten Vertretung des Judentums werden. Das liberale Judentum sei die höhere Entwicklungsstufe des historischen Judentums. Auf den Vortrag folgte eine sehr anregte Diskussion. Die Ausführungen des Redners fanden ungeteilten Beifall. Am f8. Januar fand in Frmgs (Lippe) die erste diesjährige Versammlung der Ortsgruppe der Vereinigung statt. Nach Erledigung der geschäftlichen Angelegenheiten hielt Herr Rabb. Dr. S a in u e l - E s s e n einen Vortrag über das Thema: „Der Sabbat im Wandel der Zeiten und als Gegenwartsproblem." Drei Epochen unterschied der Redner: Die der biblischen Zeit und weiter hinab bis zur Zerstörung des 2. Tempels: es ist die Zeit der Begründung des Sabbats; die rabbinische, als die Zeit seiner unumschränkten Herrschaft; die neueste, die Zeit seiner Erschütterung. Die Bibel führt die Einrichtung des Sabbats auf die Mannaspendung zurück, und reiht ibn den Zehnworten als einzige, feierliche Form der Gottesverehrung ein, deren Segen durch das Opfer der Arbeitsenthaltung gehoben wird. Seine Feier ist historisch beglaubigt bis in sehr frühe Zeiten (Amos, Hosea, Jesaja); er ist ein Tag der Zusammenkunst, des Opfers, Gebets, prophetenbesuchs und der Enthaltung voin Handelsbetrieb, gewiß auch von grober Arbeit jeder Art. Genannt werden in älteren Gesetzen Holzauflesen und Feueranzündern Schon die Propheten wissen ein Lied davon zu singen, daß der Tag nur äußerlich gehalten wird, unter Seufzern über geschäftliche Verluste. Er wird von ihnen vor deni Exil in das allgemein wegwerfende Urteil über allen änßer-- lichen 'Gottesdienst eingeschlossen. Desto höher wird er seit dem Exil bewertet, und gehört bei Ezechiel und Denterojesaja zu den Heiligtümern, durch die Israel seine Bundestreue besonders zu bekunden habe. Der letzte Kampf eines Nehemia gegen die äußere Entweihung des Sabbats durch grobe Feldarbeit und Handelsgeschäfte endete mit einer vollkommenen Sicherung der Sabbatstrenge. Diese beherrscht dann die ersten Makkabäerzeiten und wird nur ungern zur Verteidigung im Kriege durchbrochen; sie wird zum hervorstechenden Merkmal jüdischer Sitte in der griechisch-römischen Welt. Während römische Schriftsteller ihren Spott an der jüdischen Lebensordnung üben, triumphiert Iosexhus darüber, wieweit diese allen Hemmnissen zum Trotz in der gesamten Kulturwelt Eingang

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