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Liberales Judentum · 1912-02-01 · Heft 2 (Februar 1912) · p. Seite 48

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Liberales Judentum
Volume
4 (1912)
Issue
Heft 2 (Februar 1912)
Date
1912-02-01
Page
Seite 48 (sequence 24)
Language
German
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48 Rundschau o o o o alten Sinne ist heute weder möglich, noch für die ganze Ausdehnung eines vollen Tages erforderlich. Ist der Sabbat ein großer Gläubiger, so müssen wir ihm eine Abschlagszahlung leisten; ist absolute Ruhe nicht zu erreichen, so begnügen wir uns mit Arbeitsminderung. Leiten kann uns dabei der veränderte Begriff, den wir heute mit „Arbeit" verbinden. Mag immer das Judentum zuerst den wert der Arbeit erkannt und gelehrt haben, die Gegenüberstellung von „Arbeit für den Menschen" und „Ruhe für Gott" schloß doch auch eine geringe Einschätzung der ersteren in sich. Dieser Gegensatz muß immer mehr schwinden, je größer der Kulturwert unserer Tätigkeit zum Besten der Allgemeinheit wird. Indem wir immer mehr dieser, als allein unserer Person dienen, dienen wir mittelbar Gott. Sowenig der Staat am Sonntag seine wichtigsten Betriebe stillegen kann, weil die Gesamtheit Schaden leiden würde, so wenig kann das Judentum von denen eine völlige Arbeitsenthaltung fordern, die den Sabbat weihen wollen und andrerseits in dem ihnen auferlegten, doppelt harten Daseinskämpfe bestehen müssen, hätten wir wieder einen jüdischen Staat, er würde zuerst Konzessionen machen! Auch müssen neue Grundsätze für geistige Arbeit, für Kunst, Wissenschaft, leitende Tätigkeit usw. Platz greifen, deren Wesen zur Zeit des Talmuds bei den Juden noch fast unbekannt waren, wir sollen den Freitagabend unserer Familie schenken, und ihn ohne falsche Scham vor uns selbst mit allem Glanz ausschmücken, den eine tausendjährige Tradition für ihn fordert; jeder Sabbat ist gut genug, um damit zu beginnen. Die Gemeindefeier am Sabbat sei kurz aber erhebend, niemals ohne deutsche Ansprache. Sie so oft als möglich zu besuchen, muß das Bestreben religiös interessierter Juden, insbesondere führender Persönlichkeiten Iein, gerade damit jene Feiern nicht verflachen, sondern eine aufstrebende Richtung in Form und Gehalt inne halten, weihe kann über den ganzen Tag ausgegossen sein, wenn nicht über die Arbeiter im Frohndienst des Lebens, so doch über die Jugend und das Alter; der Wille zu sabbatlicher Erhebung kann Wunder tun. Das Judentum der - Gegenwart darf den Vorwurf nicht auf sich laden, den schönsten Juwel aus der Krone unseres Glaubens gebrochen zu haben. Langanhaltender Beifall lohnte den Redner für seine lehrreichen und interessanten Ausführungen. In der anschließenden Erörterung ergriffen das Wort I}eiT Bankier Langberg und Lehrer Heilbrunn-Lemgo, Herr Direktor Rosenthal, Lehrer Rosenthal-Detmold und Frau Rosenheim-Lemgo. Besonders lebhaft wurde die Verlegungsfrage diskutiert. Der Sonntag vom staatsbürgerlichen Standpunkte aus und als ein Fortschritt bezw. als eine Anpassung an die Gegenwart empfohlen. Dr. Samuel und mehrere andre Redner betonten die Gefühlswerte, die uns noch heute mit dem Sabbat verbänden. Ersterer nannte den Sonntag ein schwaches Surrogat, besonders, da ihm die abendliche Vorfeier mangelte und hält eine einzige Sabbatstunde für wertvoller, als den vollen Sonntag, an den uns nicht das Herz, sondern nüchterne Erwägung fesseln. Oppeln. Am Donnerstag, den j(S. Januar hielt in Oppeln Herr Rabbiner Dr. Kaelter einen Vortrag über das Thema: Abraham Geigers Bedeutung für die Entwicklung d e s I u d en t u m s. Der Vortragende wußte seine Ausführungen so zu gestalten, daß der Zusammenhang mit der Gegenwart und ihren Anforderungen stets in den Vordergrund trat, und die an sich sehr interessanten Darlegungen fesselten demgemäß durch den aktuellen Einschlag ganz besonders und sicherten dem Redner allgemeinen Beifall. Eine ün Anschluß an die Veranstaltung vorgenommene Agitation, ergab den Eintritt mehrerer neuer Mitglieder. — Am Februar war der hundertjährige Geburtstag des alten liberalen Vorkämpfers, des Rabbiners Dr. Adolf wiener, der das Oppelner Rabbinat mehr als vier Jahrzehnte lang bekleidet hat. Die Gemeinde, welche ihrem alten Seelsorger ein außergewöhnlich liebevolles Gedenken bewahrt, veranstaltete in treuer Erinnerung einen besonderen Gottesdienst, der sehr stimmungsvoll und erhebend verlief, wiener war übrigens, gewiß eine Seltenheit bei einem Rabbiner, Ehrenbürger der Stadt Oppeln. Lerausgegeben von der Vereinigung für das liberale Judentum <38er f itt W. 8, Älauerstraße 49. Mr öie Redaktion unö öe» Verlag verantwortlich Dr. L. Kelizmann, Frankfurt a. A!.. Arieörichfir.29. Druck und Licxeöilio« von Voigt «fe Kleiber, Frankfurt a. Vk., Aieker-Gaffe 6, ______

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