Liberales Judentum
- Journal
- Liberales Judentum
- Volume
- 4 (1912)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1912)
- Date
- 1912-02-01
- Page
- Seite 45 (sequence 21)
- Language
- German
- Belongs to
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00 o o Rundschau 45 grüßt und erwähnt hatte, daß die Ortsgruppe gebildet sei, von Mitgliedern, die der liberalen Vereinigung Badens angehört hätten. Es ist nicht nötig, an. .dieser Stelle auf den Inhalt der Rede einzugehen, in welcher die Besprechung des Programms der Vereinigung den Schluß bildete. An der Diskussion beteiligte sich zunächst Herr Bezirks- Rabbiner Dr. Eschelbacher, welcher unter anderem erklärte, daß an der strengen Einhaltung der Speisegesetze und des Sabbats bedingungslos festgehalten werden müsse: Die Thora und der „Din" sei für ihn maßgebend. In 'seiner Erwiderung warf Herr Dr. Abraham die Frage auf, was denn mit den Juden — und diese seien nicht die Minderzahl — geschehen solle, welche die Speisegesetze nicht halten; eine Antwort erhielt er nicht. In Herrn Dr. med. Lewy, der sich als liberal vorstellte und dem Hauptvorstand des Zentralvereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens angehört, lernten wir einen liberalen Juden merkwürdiger Art kennen; er frug zunächst, was die Vereinigung für die Bekämpfung des Antisemitismus leiste, darauf komme es an, nicht ob liberal, ob orthodox: wir sollten den Streit (?) im Innern begraben und den Kampf nach Außen aufnehmen/) man sollte nicht eine neue Vereinigung gründen, die wieder neue Mittel beanspruche. Diese Art, einer Anschauung gegenüberzutreten, 'indem man an den Geldbeutel erinnert, ist gewiß eigenartig.— für sein Auftreten wurde Herr Dr. Lewy auch von einem orthodoxen Blättchen belobt —; die Tendenz des Zentralvereins, für den Herr Dr. Lewy anscheinend agitieren wollte, hat doch mit der der liberalen Vereinigung direkt nichts zu tun. Der Referent erwiderte in nicht mißzuverstehender Weise, Herr Dr. Lewv glaubte von seiner Ansicht nicht abgehen zu müssen. — Herr Dr. Klein schloß mit den Worten, daß der heutige Abend dazu abgehalten wurde, um die Forderungen des liberalen Judentums klarzulegen: wer beitrete, müsse es nicht auf Ueberredung hin, sondern nach eigener Ueberlegung und Empfindung tun. Einige — allerdings nur wenige — Anwesende traten als Mitglieder bei. 2) Man vergleiche hierzu den Leitartikel in der vorigen Nummer. Di. Red. Berlin. Der Liberale Verein für die Angelegenheiten der jüdischen Gemeinde zu Berlin veranstaltete um f8. Januar, unter Leitung des Herrn Iustizrat plonsker einen Vortragsabend im Feftsaale des Logenhauses zu Tharlottenburg. Herr Dr. Tänzer-Göppingen behandelte „Die positiven Aufgaben des liberalen Judentums" in etwa \y.i ständigem vortrage. Er führte aus: Die Vereinigung für das liberale Judentum in Deutschland sei vor 4 Jahren begründet worden, um die notwendige Aufklärungsarbeit für das religiös - liberale Judentum zu leisten. Ihre Aufgabe sei es, zu zeigen, daß reformirt werden dürfe und tvie reformiert werden müsse. Entgegen der unhaltbaren Anschauung der Anhänger der orthodoxen Vereinigung, die jedes Wort des Talmud als von Gott gegeben ansehen, müsse das liberale Judentum scharf zwischen Gottes- und Menschenwerk, zwischen innerem Wesen und äußerer Fornl scheiden. Gerade das historische Judentum verlange geistige und sittliche Fortentwicklung im Sinne einer geklärten Gotteserkenntnis. Die äußeren Formen seien veränderlich und bedürfen der Abänderung, während das Wesen der Religion stets dasselbe bleibe. So sei das liberale Judentum das wesens treue, das orthodoxe nicht das gesetzes-, sondern das forinentreue Judentum. Die erste positive Aufgabe des wesenstreuen oder liberalen Judentums sei, von seinen Anhängern Aneignung einer geläuterten Gotteserkenntnis, sittliche Entwicklung, Schaffung neuer Formen zu fordern. Die jüdische Religion müsse durch ihre Fortentwicklung in liberalem Sinne zur Menschheitsreligion werden. Das liberale Judentum sei das Judentum schlechthin. Die vielen bestehenden Parteien und Richtungen im Judentum seien für dasselbe ein gutes Zeichen. Denn kämpfen heiße leben, und so sei das Judentum von heute lebendiger als je. Aber es sei. bemerkenswert, daß, wenn es gegen das liberale Judentum gehe, alle Parteien, seien sie noch so verschiedener Art, einig seien. Als Gegner seien zu betrachten der Zionismus und die Trennungsorthodoxie. Der Zionismus wolle uns zu Gästen fremder Nationalität in unserm Vaterlande machen. — Die Hauptgegnerin sei aber