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Liberales Judentum · 1912-02-01 · Heft 2 (Februar 1912) · p. Seite 42

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Journal
Liberales Judentum
Volume
4 (1912)
Issue
Heft 2 (Februar 1912)
Date
1912-02-01
Page
Seite 42 (sequence 18)
Language
German
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42 Joseph Arrfserssrr: Frbrrales und soziales Judentum „Alliance" ihren Ruf ergehen lassen. Mir liberalen Juden haben die Pflicht, diejenigen unserer Freunde und Bekannten heranzuziehen, welche den Verbänden noch nicht angehören. Man lass^Ijch nicht abweisen durch den oft gehörten -Linwand: „Ich bin bei Vereinen genug" oder „es gibt der Vereine zu viel". In idealen Dingen gibt es kein Zuviel und kein Genug, und die Ausgaben für Wohltätigkeitsvereine sind nicht so groß und drückend, wie es oft hingestellt wird. Lin Dutzend jüdischer Vereine ergeben für den Einzelnen noch nicht einmal eine Belastung von zusammen hundert Mark, und diesen Betrag kann wohl jeder, der in auskömmlichen Verhältnissen lebt und am Judentum Interesse hat, auf den Altar der jüdischen Wohltätigkeit niederlegen. Wenn auch bei uns Juden gerne und opferwillig gegeben wird, so ist doch eine gewisse Vereinsmüdigkeit nicht zu verkennen. Man beklagt sich, daß nicht nur die jüdische, sondern auch die christliche, resp. allgemeine Wohltätigkeit stets mit neuen Vereinsgründungen und neuen Anforderungen herantritt. Wenn uns auch die jüdische Armenpflege am nächsten steht, so dürfen wir doch in der Stadt und in dein Lande, in welchem wir leben, bei der christlichen, bezw. allgemeinen Wohlfahrtspflege erst recht nicht zurückstehen, denn auch darin offenbart sich das liberale Judentum, daß es in der Betätigung der Nächstenliebe keine Schranken kennt. Und wir können mit Genugtuung konstatieren, daß in der großen Liste der allgemeinen charitativen Vereinsveranstaltungen in Nürnberg, die Juden in Bezug auf Anzahl und Größe der Beiträge an vorderster Stelle stehen. M. D. u. £>.! In dem Widerstreit zwischen Orthodoxie und Liberalismus vermeint jeder Teil das wahre Judentum zu besitzen, jede Partei glaubt, wie es im Lessing'schen Drama „Nathan der Weise" heißt, „den echten Ring zu besitzen, den Ring von unschätzbarer Kraft, bei Gott und Menschen angenehm zu machen." Mag uns ein berühmter Gelehrter, einer der besten Männer und Renner des Judentums, Geheimrat Professor Hermann Tohen aus Marburg die Antwort auf diesen Widerstreit der Meinungen geben, durch einen Ausspruch, den er in breitester Geffentlichkeit in einer christlichen Versammlung auf dem Kongreß für freies Thristentum und religiösen Fortschritt in Berlin im vorigen Jahre getan hat: „Nur in sozialer Sittlichkeit und in weltbürgerlicher Humanität a t m e L der lebendige Gott, den die Propheten zum Gotte Israels und z u m Gotte der Mensch hei t gemacht haben." Die soziale Tätigkeit und die Humanität, das ist der echte Ring, das ist das Gebiet, auf welchem beide Richtungen arbeiten können, zumal das Judentum unter sich keinen Feind, sondern nur Mitarbeiter kennt. Ich habe schon erwähnt, daß in den Kreisen des liberalen Judentums ein starker Tatendrang sich regt, ein mutiges Bekennen und ein kraftvolles Wollen. Nicht in radikalen Reformen, sondern vielmehr in deb sozialen Hilfsarbeit kann dieser Tatendrang sich am schönsten und erfolgreichsten bewähren. Wir haben die Geburtsftunde des liberalen Judentums miterlebt, wir sind deshalb berufen, die Pioniere einer neuen Zeit zu sein. Nützen wir die Zeit, uni recht viel Gleichgesinnte zu uns heranzuziehen, um den Armen und Notleidenden zu helfen, um den Bedrängten und Vertriebenen beizustehen. Wir wollen aber nicht nur geben und helfen, wir wollen Mitarbeiten, Interesse bekunden und Interesse erwecken. Wenn es uns, wie ich hoffe, gelingen wird, recht viel Gleichgesinnte um uns zu scharen und in den Kreis des liberalen Judentums zu ziehen, dann wird von ihm ausströmen eine Ouelle des Segens und des Heiles, eine Ouelle, erquickend und fegen-

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