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Liberales Judentum · 1912-02-01 · Heft 2 (Februar 1912) · p. Seite 39

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Liberales Judentum
Volume
4 (1912)
Issue
Heft 2 (Februar 1912)
Date
1912-02-01
Page
Seite 39 (sequence 15)
Language
German
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o a Joseph Sufserssrr: Fidrrales und soziales Judentum 39 Die liberale Vereinigung hat ihrem Programm gemäß die Aufgabe, ihre Mitglieder über alle wichtigen Vorgänge im Gemeindeleben zu unterrichten und aufzuklären. Aus diesem Grunde halte ich es .für angebracht, bei dieser wichtigen, einen gewaltigen Fortschritt darstellenden Organisation einer „deutschen Zentralstelle der jüdischen wanderarmenfürsorge" einen Augenblick zu verweilen. Seit Zähren arbeiten hervorragende und führende Männer des Zudentums an dem Problem, wie man den Wanderbettel resp. dessen Auswüchse bekämpfen, wie man die massenhaft gespendeten Gelder in richtige Kanäle leiten, wie man die Tausende auf der Landstraße ziel- und arbeitslos umherziehenden Menschen einer geordneten und sie ernährenden Tätigkeit zuführen könne. Tiner der auf diesem Gebiete kenntnisreichsten und unermüdlich tätigsten Männer, war unser verstorbener Mitbewohner Martin Lebrecht. Und es ist bedauerlich, dass sein viel zu früh erfolgter Tod ihn die Vollendung des von ihm mit ganzer Kraft geförderten Werkes nicht mehr erleben ließ. Alljährlich werden in Deutschland zwei Millionen für Wander-Unterstützungen ausgeaeben, gewiß ein^ große und gewaltige Summe, welche vollständig für die Fürsorge ausreichen würde, wenn die Ausgabe der Gelder in planmäßiger Weise erfolgen würde. Das meiste Geld bleibt heute auf der Eisenbahn und in den Herbergen niederster Sorte. Die Almosenempfänger haben keinen Nutzen, sondern werden demoralisiert und verfallen immermehr der Landstraße. Durch die Zentralstelle wird ein Netz von Drtskomitees geschaffen, welche wieder mit den Landeskomitees und mit der Zentralstelle in Verbindung stehen. Durch häufigen Meinungsaustausch der verschiedenen Komitees werden die gemachten Erfahrungen gegenseitig verwertet, durch Herausgabe einer „schwarzen Liste" werden die Gewohnheitsbettler und Betrüger für die verschiedenen Kassen unschädlich gemacht. Die bsaupttätigkeit ist den Grenzbureaus und Grenzkomitees zugewiesen, welche berufen sind, den großen Strom der Aus- resp. Einwanderer in richtige Bahnen zu steiten. Arbeitsfähigen 'Personen wird schon an der Grenze Arbeitsgelegenheit verschafft, resp. nachgewiesen. Kranke werden in ein Bad oder in eine Heilanstalt geschickt, wo sie Heilung ihrer Schmerzen mit wenig Kosten finden können. Die Auswanderer, welche einen Beruf und auch Subsistenzmittel haben, werden auf dem schnellsten Wege nach den Rasenplätzen dirigiert, dagegen werden Personen, welche keinen Beruf erlernt haben und keine Mittel besitzen, von der Auswanderung zurückgehalten und mit Geldmitteln versehen, um in die Heimat zurückzufahren. Rückwanderer, welche in der neuen Welt so häufig nicht das ersehnte Glück gefunden, werden auf dem schnellsten Wege in die Heimat zurückbefördert. Zn innigem Zusammenhänge mit der deutschen „Zentralstelle" stehen die Arbeitsnachweise, Arbeitsstätten und Arbeiterkolonien. Wer arbeiten will und kann, dem soll in diesen Anstalten Gelegenheit geboten werden. Eine eigene Arbeiterkolonie besteht bisher nur in Weißensee und eine Arbeitsstätte in Töln. Es sind jedoch die Gründungen von Arbeitsstätten und Arbeitsnachweisen geplant in Magdeburg, im Königreich Sachsen und bei uns in Bayern. Hoffentlich werden die geplanten Anstalten recht bald ihre Funktionen erfüllen können, denn die Arbeit ist das beste Hilfsmittel gegen die sozialen Schäden. Und das wort: ,',Zm Schweiße deines Angesichtes sollst du dein Brot essen", das Gott den ersten Menschen zurief, ist schon längst vom Fluche zum Segen der ganzen Menschheit und zum Stützpunkt aller sozialen Hilfstätigkeit geworden. Diesem Gedanken galt auch das Lebenswerk des edlen Wohltäters, Konsul Moriz

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