Liberales Judentum
- Journal
- Liberales Judentum
- Volume
- 4 (1912)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1912)
- Date
- 1912-01-01
- Page
- Seite 22 (sequence 22)
- Language
- German
- Belongs to
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22 Jm c 0 o o Rundschau ment oft als bloße Redensart: wir werden! dem verstorbenen ein ehrendes Andenken bewahren." wie anders, wie ganz anders bei unserem sel. Dr. Vogelstein: so lange die Generation lebt, die das Glück hatte, das Wort und die Lehre Gottes von Ranzel und Katheder ans seinem Munde zu vernehmen, so lange wir älteren Lehrer in unserem Verein leben, die wir sein reges Interesse für die Schule und für die Lehrer beobachten, seinen weisen Lehren lauschen, seine Ermahnungen zun: Frieden und Eintracht hören dursten, so lange wird sein Andenken bei Ihnen und bei m:s unvergessen bleiben und aus vollen: Kerzen schließe ich meinen Nachruf mit den Worten: Leelier zaddik liwrochoh Das Andenken dieses Gerechten wirkt zun: Segen für und für. Nie „Neutralität" der Jugendvereine. In der Dezembernummer der „Monatsschrift" ist die Jugendvereinssrage in zwei Artikeln behandelt. In beiden Aussätzen wird betont, daß die angebliche Neutralität, die der verband der jüdischen Jugendvereine fordert, in der Praxis nicht geübt wird. „Wo sie scheinbar gewahrt wird, bildet sie," so heißt es in dem einen Artikel, „den Vorhang, hinter welchem desto mehr in dem jeweilig gewünschten Sinne gewirkt wird; und so verdirbt diese Forderung unsere Jugend, indem sie sie zu diplomatischer Unwahrheit heranzieht." wie richtig diese Beobachtung ist, haben wir auch jüngst in Posen zu erkennen Gelegenheit gehabt. Der Vorgang, über den ich berichten will, hat m. E. mehr als lokale Bedeutung, weil er typisch ist und zusammen mit den Erfahrungen, die in Berlin und anderwärts gemacht worden sind, geeignet erscheint, den ehrlichen Verfechtern des an sich so schönen Gedankens der Neutralität die Augen zu öffnen. Um ihnen zu zeigen, daß ihre Gutgläubigkeit und ihr guter Wille schnöde mißbraucht werden, und daß der Neu- Lralitätsgedanke für ausgesprochene Parteizwecke als Deckmantel benutzt wird, muß jeder derartige Fall aus der Verborgenheit des örtlichen Gespräches an die breite Öffentlichkeit gezogen werden. Denn nur so kann vermieden werden, daß den: Einzelnen, der seine persönlichen Erfahrungen mitteilt, mit dem Argument wirksam begegnet werde, es handele sich dabei um eine vereinzelte Ausnahme, nicht um die Regel. vorausgeschickt sei, daß in Posen, wo ein — übrigens seit vielen Jahren segensreich wirkender — orthodoxer und ein zionistischer Jugendverein bestanden hatten, in: Oktober ein jüdisch - liberaler Jugendverein gegründet worden ist. Seit Monaten wird hier nun auch die Gründung eines „neutralen" Jugendvereins betrieben, wobei in deutlich erkennbarer weise die Agitation sich lediglich gegen den liberalen, nicht aber gegen die beiden andern Jugendvereine richtet, denen niemand bisher ihre Existenzberechtigung zu bestreiten gewagt hat. Der liberale Jugendverein hat nach seinen Statuten die Aufgabe, „die jüdische Jugend zun: Bewußtsein einer jüdisch-liberalen Weltanschauung zu führen und zu deren Betätigung zusammenzuschließen unter Ablehnung des Zionismus." Dieser letzte Zusatz erschien deshalb erforderlich, weil — wenigstens in Posen — auch diejenigen Zionisten, die sich als religiös-liberal bezeichnen, niemals bei der Stellungnahme zu religiösen Fragen diese Neberzeugung zun: Ausdruck gebracht, sondern in: Gegenteil erklärt haben, ihre persönliche religiöse Gesinnung konnne für die Öffentlichkeit, für die Angelegenheiten der Gesamtheit und für die Gen:eindepolitik nicht in Betracht. Eine ehrliche Mitarbeit in: liberalen Sinne war daher von dieser Seite nicht zu erwarten, und es erschien notwendig, auf Mitglieder zu verzichten, die in religiösen Fragen Grundsätzen folgen, die nicht religiöser Natur, sondern von politischen oder taktischen Gesichtspunkten diktiert sind, und die in den: liberalen Vereine nicht dessen Interessen, sondern anderen Zwecken dienen würden. Es war nur aufrichtig m:d ehrlich, diesen Standpunkt offen und deutlich zu bekennen und ihn: auch in den Statuten Ausdruck zu geben, nicht aber es der Verwaltungspraxis des Vorstands zu überlassen, die Zionisten tatsächlich den: Verein fernzuhalten. Es kann deshalb auch dahingestellt bleiben, ob in der Theorie eine Betätigung religiös-liberaler Gesinnung sich mit zionistischen Anschauungen l verträgt; praktisch war es jedenfalls geboten, r 4; l