Liberales Judentum
- Journal
- Liberales Judentum
- Volume
- 4 (1912)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1912)
- Date
- 1912-01-01
- Page
- Seite 23 (sequence 23)
- Language
- German
- Belongs to
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o o o o R n ndschau' Of> auf die Mitarbeit liberaler Zionisten zu verzichten und zur Vereinstätigkeit nur diejenigen Liberalen heranznziehen, die den Zionismus ablehnen. Dennoch konnte es natürlich nicht ausbleiben, daß dieser Standpunkt angefeindet wurde, besonders von den 'Kreisen, die sich für die Gründung .eines „neutralen" Zngendvereins entsetzen. Wer diese Kreise sind, war für den Eingeweihten von Anfang an kein Geheimnis, wenn auch vereinzelte Liberale, die sich von dem Gedanken der Neutralität blenden ließen, in den Vordergrund geschoben wurden. Die Zionisten haben nun aber selber ihre Karten aufgedeckt. Am 2. Zanuar, als Fräulein Toni Damburger - Lharlottenburg im liberalen Zngendverein zu Posen einen Vortrag über den religiösen Liberalismus im Judentum hielt, wurden vor denr Vortragssaale auf der Straße Flugblätter verteilt, in denen mit folgenden Worten gegen den liberalen Zuaendverein polemisiert wurde: „Der jüdisch-liberale Zugendverein schließt nach seinen: Tendenzparagraphett Zionisten, auch religiös-liberale, von der Aufnahme aus, d. h. er verlangt von den eintretenden Mitgliedern das Bekenntnis, daß sie nicht Zionisten seien. Wenn im politischen Leben auch nur von reifen Männern die Abschwörnng eines Prinzips als Vorbedingung für die Aufnahme in einen Verein gefordert wird — etwa bei Kriegerverbänden oder katholischen Zünglingsvereinen — so gilt das bei allen Freigesinnten als unzulässig. Unerfahrenen jungen Leuten gegenüber, die noch kein Urteil für und wider sich gebildet haben können, muß solcher Gewissenszwang aber geradezr: als unsittlich bezeichnet werden." Wie schief diese Vergleiche sind — niemand wird zum Eintritt in den Verein gezwungen —, das braucht hier nicht ausgeführt zu werden. Das pikante an diesen Flugblättern ist nur, daß sie nicht von den ehrlichen Verfechtern strenger Neutralität ausgingen, sondern ganz harmlos und naiv unterzeichnet waren: Zionistischer'Zugendbund. Es bedarf aber keiner Darlegung, daß dieser Zugendbund von den eintretenden „unerfahrenen jungen Leuten, die noch kein Urteil, für und wider sich gebildet haben können," das Bekenntnis zum Zionismus verlangt, daß er also denselben „Gewissenszwang" ausübt, den er als „unsittlich" bezeichnet. Er polemisiert also in seinem Flugblatt gegen seine eigene Existenz und spottet seiner selbst, nur um dem in der Gründung begriffenen „neutralen" Verein den Boden zu ebnen. Wenn aber eine ausgesprochen parteiische Zugendorganisation grundsätzlich jede Parteinahme der Zugend verwirft, so läßt das für der: aufmerksamen Beurteiler einen sicheren Rückschluß zu sowohl auf die Ehrlichkeit der Stellungnahme dieser Organisation als auch auf das wahre Wesen des Vereins, für den sie Propaganda macht, und auf die Unparteilichkeit, die in ihm herrschen wird. Welcher Art die „Neutralität" in diesem Vereine sein und wessen Geschäfte er in Wirklichkeit besorgen wird, liegt klar zu "Tage. Sein vorkäntpfer, der „Zionistische Zugendbund", hat deutlich gezeigt, wie sehr er an dieser Grüttdung interessiert ist, und hat zugleich bewiesen, in welcher Weise sich taktische Kunststücke mit den Grundsätzen der Wahrhaftigkeit in Linklang bringen lassen. Zu diplomatischen und taktischen Kunststücken wird aber auch die Leitung jedes Zugendvereins gezwungen sein, der unter dem Prinzip der Unparteilichkeit und Neutralität gegensätzliche Elemente vereinigen will. Rechtsanwalt Leo N e h a b - Posen. Grneratorrsornrnlung des Liberalen Vereins der Synagogen - Gemeinde zu Sreslan (Ortsgruppe der Vereinigung für das Liberale Zudentum in Deutschland), Breslau, 2H November OU in: Breslauer Konzerthaus. Der Vorsitzende, Serr Sanitätsrat Dr. Reich eröffnet die überaus stark, auch von Frauen, besuchte Versammlung mit Begrüßungsworten und einem warmen Nachruf für die in diesem Zahre dahingeschiedenen 6 Mitglieder, zu deren Ehren sich die Teilnehmer erheben. Daran anschließend erinnert der Vorsitzende an den schier unersetzlichen Verlust, welchen die deutschen Zuden und insbesondere die Vereinigung für das liberale Judentum in Deutschland durch das unerwartete Sinscheiden des Serrn Rabbiner Dr.