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Liberales Judentum · 1912-01-01 · Heft 1 (Januar 1912) · p. Seite 17

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Journal
Liberales Judentum
Volume
4 (1912)
Issue
Heft 1 (Januar 1912)
Date
1912-01-01
Page
Seite 17 (sequence 17)
Language
German
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Küchrr scharr 17 den Götzendienst, sondern das heidnische Wesen zerstört und zertrümmert. In ihren Ausblicken auf die Zukunft haben sie der Menschheit die Bahn des Fortschritts, der Höherentwicklung gewiesen, indem sie jene Zeit des Völkerfriedens als das ideelle messianische Gottesreich gezeichnet „da man die Schwerter zu Sicheln, die Ganzen zu Rebenmessern wandeln wird, und nicht lernet fürder den Krieg" (Jesaja 2, Micha 4), da in der Erkenntnis des einzigen, lebendigen Gottes der Bruderbund der Menschheit auf Erden gebildet sein wird. So sind diese Reden der Propheten, die auf uns gekommen, das köstliche Unterpfand, die Zeugnisse für jene wahrhaft schöpferische, religiöse Kraft, die Israels Gemeinschaft beseelte. Denn nicht standen die Propheten etwa isoliert für sich da, sondern aus dem Volke Israels wuchsen diese Gottesmänner hervor, in ihm wurzelten sie. — Trotz der Verkennung hatten sie immer wieder stille, begeisterte Anhänger gefunden. Gewiß waren die Propheten Männer ihrer Zeit, den zeitlich geschichtlichen Bedingungen unterworfen, doch haben sie wohl für alle Zeiten Israel und der Menschheit den reinsten Born wahrer Idealität, hehrer Sittlichkeit, lauterer Religion und heiliger Gotteserkenntnis erschlossen. Ein nicht jüdischer Gelehrte, Professor Tornill, faßt sein Urteil über den j)rophetismus dahin zusammen: „Die Geschichte der gesamten Menschheit hat nichts hervorgebracht, was sich auch nur entfernt mit dem israelitischen j)rophetismus vergleichen ließe. Das Köstlichste und Edelste, was die Menschheit besitzt, sie verdankt es Israel und dem israelitischen j)rophetismus." — Die proxhetisch en Lehren, Ideale, Verkündigungen sind das Lebenselement der Religion Israels geworden. Diese Ideale sind es, denen wir auch heute zustreben, die wir verwirklichen sollen. Vüchersckau. Usch rinrnat „Lo sewaschel gedi bachalew immo.“ Im vorigen Heft (Dezember 19U) findet sich ein Referat über einen Aufsatz von S. Ferares über das biblische Gebot „Lo sewaschel gedi bachalew immo". Die rückhaltlose Zustimmung, die darin den Ausführungen des Verfassers ausgesprochen wird, veranlaßt mich, meine abweichende Meinung gegen einen Teil dieser Ausführungen, die ich dem Verfasser auf sein Ersuchen bereits brieflich mitgeteilt habe, auch an dieser Stelle zum Ausdruck zu bringen. Daß die Bibelworte ursprünglich das bedeuten sollten, was Ferares zu erweisen sucht, halte ich für möglich. Der Zusammenhang, in dem das Gebot an drei Stellen der Bibel auftritt, scheint in der Tat dafür zu sprechen, daß „bachalew immo" soviel wie „(solange es) an der Mutterbrust (ist)" bedeutet, daß also mit diesem Gebot eine landwirtschaftlich - ökonomische (und zugleich Humanitäre) Maßregel gemeint war, aus der dann später durch mißverständliche Erklärung ein Speisegesetz geworden ist. Ferares behauptet aber weiter, daß diese nach seiner Meinung allein richtige Deutung noch in der Septuaginta und bei j)hilo vorliege. Darin muß ich ihm widersprechen. Die Septuaginta übersetzt „bachalew" wörtlich mit „en galakti", was „in der Milch" bedeutet, unter Umständen aber auch „an der Mütterbrust" bedeuten kann. Es fragt sich, wie die alexandrinischen Uebersetzer die Stelle verstanden Haben und was sie mit ihrem „en galakti" haben ausdrücken wollen. An allen Stellen aber, die F. aus griechischen Autoren zum Beweis dafür zitiert, daß „en galakti" „an der Mutterbrust" bedeutet, steht noch ein Partizip („befindlich" oder „genährt"), das diese Auffassung des Ausdrucks rechtfertigt. So wie die Morte in der Septuaginta stehen, sind an sich beide Erklärungen möglich. Ich halte es indessen für viel wahrscheinlicher, daß schon die alexandrinischen Uebersetzer die traditionelle Auffassung („in der Milch") gehabt haben, lväre das Gegenteil der Fall gewesen, so

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