Liberales Judentum
- Journal
- Liberales Judentum
- Volume
- 4 (1912)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1912)
- Date
- 1912-01-01
- Page
- Seite 9 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Dr. Elsaß: Dir Sidrl im Fichte moderner Erkenntnis S liche Vorbild der amerikanischen Rabbiner hillweisen, die in regelmäßigem Zusammentreten und einheitlichem Schaffen sowohl für die Wissenschaft, wie für die Praxis, als auch für den Rabbinerstand als solchen so Ausgezeichnetes leisten, und die in ihren jährlichen stattlichen Konferenzbüchern den Weg zeigen, den wir auch in Deutschland zur Förderung der von uns vertretenell Anschauungen einzuschlagen haben werden. Es ist denn auch kein bloßer Zufall, daß wir eiliem amerikanischen Rabbiner das erste brauchbare Werk über die Geschichte der liberalen Bewegung im Judentum zu verdanken haben, und ich kann nicht besser schließell, als wenn ich in Uebersetzung rnitteile, was David Philipp sonin seinem Relorm- Movement in Judaism — sicherlich treffender als Martin Philippson in seiner neuesten Geschichte — über mein heutiges Thema, speziell über die Rabbinerversammlungen des vorigen Jahrhunderts zu sagen weiß. „Die Rabbirlerversainmlungen von werden für alle Zeiten zu den bemerkenswertesten Versammlungen in der Geschichte des Judentums gehören, Hier war es, wo die große Wahrheit öffentlichen Ausdruck fand, daß das Judentum in sich selbst die Kraft trägt, sich den wechselnden Bedürfnissen und Lagen des Lebens in allen aufeinanderfolgenden Jahrtausenden des Weltfortschritts anzupassen. Hier war es, wo der Geist der jüdischen Ueberlieferung und der moderne Geist öffentlich sich einander gegenüberstanden und sich dann in fester Umarmung zusammenfanden. Die Versammlungen machten keinen Anspruch auf hierarchische Autorität'; sie stellten vielmehr die Rednerbühne zur Erörterung der strittigen Probleme im jüdischen Leben dar. Daß sie nicht alle diese Probleme lösten, vermindert nicht ihre Wichtigkeit und Nützlichkeit; denn Geiger hat in der Tat das Rechte getroffen, als er gegen Schluß seiner Verteidigung der Breslauer Versammlung schrieb: Die Rabbinerversammlung ist die mächtigste treibende Kraft für den Fortschritt im Judentum, diejenige Einrichtung, welche mehr und mehr sich fähig zeigen wird, den Bedürfnissen unserer religiösen Lage entgegenzukommen. Ls ist ewig schade, daß Umstände ihre weiterdauer verhinderten. Gewiß ist es eitel, auch nur den Versuch einer Beschreibung dessen zu machen, was sonst hätte sein können. Aber so viel kann gesagt werden, daß von allen früheren Resultaten der Reformbewegung die Rabbinerversammlungen des fünften Jahrzehnts in die Geschichte als der am meisten charakteristische Ausdruck derjenigen Aufgabe eingetragen find, an welcher die gegenwärtige Generation noch arbeitet, nämlich: die Auslegungen der Prinzipien des Judentums im Lichte moderner Bedingungen und die Fassung seiner ewigen Wahrheiten in Formen und Einrichtungen, die dem Zeitalter und der Generation entsprechen, mit einem Wort: die nachdrückliche Hervorhebung der allerwichtigsten Wahrheit, daß das Judentum Entwicklung bedeutetund nicht Stillstand, denn das ist die Absicht und der Inhalt der Reformbewegung." Oie Bibel im Eichte moderner €rkenntnis. Von Dr. B. Clfafj-randsberg a. W. ie biblischen Schriften sind nicht aus einem Gusse, und wir können nicht alles und jedes, was in diesen alten, ehrwürdigen Urkunden steht, als gleichwertig beurteilen. Es ist dies schon darum ausgeschlossen, weil die Schriften der Bibel Erzeugnisse eines Zeit-, raumes sind, der über ein ganzes Jahrtausend und noch mehr sich erstreckte. Denn