Liberales Judentum
- Journal
- Liberales Judentum
- Volume
- 4 (1912)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1912)
- Date
- 1912-01-01
- Page
- Seite 8 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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8 Ar. FrerrdrnthaL: Unsere Stellung;n den Rabbinrrversammlungen zu registrieren und nicht von der Zukunft zu weissagen, und das Wort „endgiltig" sollte deshalb in seinem Urteil nicht Platz finden. Zutreffend ist dagegen, was Philipxson als Fehler der leipziger Synode bezeichnet. Sie war nrit großer Spannung erwartet worden, war gut besucht, geschickt durch Moritz Lazarus geleitet und faßte eine Reihe verständiger Beschlüsse; — und doch blieb sie ohne tiefgreifende Wirkung in der Praxis, weil man verabsäumt hatte, sich sofort zur Weiterarbeit zu organisieren und eine feste Organisation zu schaffen. Der einbrechende Krieg s870/?l verbot dann überhaupt, dies Versäumnis wieder gut zu machen und bewirkte auch, wie schon erwähnt, den schlechten Besuch 'der Augsburger Synode. Immerhin sind auf diesen beiden Synoden Beschlüsse zustande gekommen, die nicht der Vergessenheit anheimfallen sollten, vielmehr ebenso der Nachprüfung und Endentscheidung bedürftig und wert sind, wie die Feststellungen der ehemaligen Rabbinerversammlungen. Ganz besonders aber erscheint es notwendig, das abschließende Urteil Philippsons über diese Synodalbestrebungen einer Prüfung zu unterziehen: „Die Synoden seien den Weg der Rabbinerversammlungen gegangen, weil es sich herausgestellt habe, daß die Juden der Gegenwart in allen religiösen und kulturellen Frage volle Selbständigkeit bewahren und sich hierin keinerlei höheren Autorität, nicht einmal einer selbstgewählten unterwerfen wollen!" Das hieße nach meiner Meinung den Tod des Judentums prophezeien; denn eine Religion, die sich keinerlei höheren Autorität unterwerfen will, ist keine mehr, und eine Religionsgemeinschaft, die, wenn die früheren 2lutoritäten wanken, nicht neue und stärkere sucht, kann nicht weiterbestehen, sondern muß auseinanderfallen. Sollten wir nun aber gerade in unseren Tagen, welche doch auf den verschiedensten Gebieten des jüdischen Lebens unter Zurückstellung aller Gegensätze den Zug zu geschlossenem Vorgehen als typisches Kennzeichen aufweisen, die Hoffnung ganz beiseite setzen, daß auch für die religiöse Entwicklung des Judentums eine autoritative Einigung und Sammlung der Geister möglich sein wird? Schon die Begründung der Vereinigung für die liberalen Interessen des Judentums in Deutschland bedeutet, wie es scheint, eine Etappe auf dem Wege zur Erfüllung solcher Hoffnungen. Denn hier ist ganz im Geiste früherer, älterer und jüngerer Zeiten ein Boden zu fruchtbringender gemeinsamer Synodalarbeit von Theologen und Laien gegeben; hier kann in stiller, gründlicher, sachgemäßer und wohlerwogener Vorarbeit alles das seine Fassung erhalten, was Wissenschaft und Leben fordern, und was dann als autoritativer Ausdruck des liberalen Judentums in öffentlicher Verhandlung zur Annahme oder, wenn es abgelehnt wird, zu erneuter Prüfung und Feststellung gelangen soll. Daran mitzuarbeiten, nach dem vorbilde unseres verewigten Vorsitzenden, ist unser aller Pflicht. Lseinemann Vogelstein, der letzte Synodal-Theologe, der erste theologische 'Mitarbeiter der liberalen Vereinigung — das bedeutet uns ein neugeknüpftes geschichtliches Band, und es kann durch die Anteilnahme unseres Verbandes zu einem Lhut hameschulosch, zu einem dreifachen Bande werden, stark genug, trotz aller gegenteiligen Prophezeiungen eine maßgebende religiöse Autorität im deutschen Judentum herzustellen. Für unseren liberalen Rabbinerverband würde damit auch die Möglichkeit zusammenhängender Arbeiten über und für die liberale Entwicklung des Judentums geschaffen werden, und er brauchte sich nicht, wie bisher, bloß auf die Erörterung gelegentlicher, augenblicklich dringender Themata zu beschränken. Ich möchte da auf das treff-