Liberales Judentum
- Journal
- Liberales Judentum
- Volume
- 3 (1911)
- Issue
- Heft 11 (November 1911)
- Date
- 1911-11-01
- Page
- Seite 263 (sequence 23)
- Language
- German
- Belongs to
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o o o o Rundschau 263 Aber vielleicht ist es möglich, die Frage der Theodicee in einer anderen Form zu stellen. Wie entwickelt Leibniz das Problem? Er hat es mit Erscheinungen und Geschehnissen zu tun, die ihren Schwerpunkt außerhalb der Seele haben. Da wird zu allererst das Dasein einer obersten Weltmacht demonstriert, eines göttlichen Wesens mit bestimmten Eigenschaften und Wirkungsweisen. Und dieser Gott tritt in Beziehung zu einer Welt, die seine Schöpfung ist, unter seinem alleinigen Regiments steht und darum den Stempel seines Wesens tragen muß. So erwächst für die Theodicee die Aufgabe, die Harmonie nachzuweisen, die zwischen der Beschaffenheit der Welt und derjenigen der Gottheit bestehen muß; die zwischen ihnen walten muß, so wahr Gott — Gott ist. Wir glaubten zu finden, daß sich dieser Weg der religiösen Betrachtung in unentwirrbarem Gestrüpp verliert. vielleicht aber haben wir mehr Glück, wenn wir einen anderen Pfad einschlagen, wenn wir jene Frage in das Innere des Bewußtseins hineinverlegen. Vielleicht kann uns des Dichters Mahnung helfen: Weh! weh! Du hast sie zerstört, Die schöne Welt, Mit mächtiger Faust; Sie stürzt, sie zerfällt! Mächtiger Der Erdensöhne, prächtiger Baue sie wieder, In deinem Busen baue sie auf! Auf diesem Wege sei Kant unser Führer. Kunätüiau. . Göppingen. Der von der „Vereinigung für das liberale Judentum in Deutschland" am 2\. Oktober hier veranstaltete Vortragsabend nahm einen sehr anregenden verlauf und erfreute sich eines recht guten Besuches. Nach den einleitenden Begrüßungsworten des Vorsitzenden, Herrn Rabb. Dr. Tänzer, hielt Herr Rechtsanwalt Dr. Abraham aus Berlin seinen angekündigten Vortrag, in welchem er in fesselnder und klar übersichtlicher Weise die Ziele und' Forderungen des liberalen Judentums auseinandersetzte. Allseitiger Beifall lohnte die trefflichen Ausführungen des Redners. An den Vortrag schloß sich eine lebhafte Diskussion, an welcher sich außerdem Vorsitzenden, auch die Herren Netter, Bodenheimer, Theo Mayer und Rechtsanwalt Notar Steiner beteiligten. Während des Abends erfolgten auch verschiedene Beitrittserklärungen. Stuttgart. Die.hiesige Ortsgruppe der liberalen Vereinigung veranstaltete am 2H. Oktober im Bürgermuseum einen Vortragsabend, der sehr gut besucht war. Der Vorsitzende, Herr Landgerichtsrat Stern, eröffnete die Versammlung in längerer Rede mit einer sehr beifällig aufgenommenen Darlegung seines persönlichen Standpunktes, Herr Rechts^ anwalt Dr. Abraham aus Berlin hielt sodann einen interessanten Vortrag über „Die Grundgedanken des liberalen Iudentumes" und erntete mit demselben reichen Beifall und Zustimmung. An der sehr regen Diskussion beteiligten sich die Herren: Hausmeister, Dr. Prager, Vorstand der zionistischen Ortsgruppe, Dr. Feldmann, Dr. Gunzenhauser und Max Wolf. Es erfolgte auch eine größere Anzahl Beitrittserklärungen. Weitere Versammlungen fanden in Ulm am 25. Oktober und in Karlsruhe am 30. Oktober statt. In beiden Versammlungen sprach Herr Dr. Abraham aus Berlin über Ziele und Forderungen des liberalen Judentums. Infolge dieser Vorträge traten eine größere Anzahl weiterer Mitglieder der Vereinigung für das liberale Judentum bei. Posen. Der Verein liberaler Juden hielt am 6. November cr. nach mehrmonatlicher Sommerpause seine erste Sitzung ab. Der große Saal des Apollotheaters einschließlich der Galerie war von mehr als 1^000 Personen dicht gefüllt. Am Saaleingang wurde den Besuchern Dr. Goldmanns Broschüre „Zionismus oder Liberalismus, Atheismus oder Religion" überreicht. Der Vorsitzende, Kommerzienrat Hamburger, eröffnete die Sitzung mit einem warm empfundenen Nachruf für den hochverdienten Nestor des jüdischen Liberalismus, Rabbiner Dr. Heinemann Vogelstein - Stettin, dessen tatkräftigen und hilfsbereiten Eingreifens in die posener liberale Bewegung er rühmend und