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Liberales Judentum · 1911-11-01 · Heft 11 (November 1911) · p. Seite 264

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Journal
Liberales Judentum
Volume
3 (1911)
Issue
Heft 11 (November 1911)
Date
1911-11-01
Page
Seite 264 (sequence 24)
Language
German
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dankerfüllt gedachte. Sodann machte er der Versammlung die mit großem Beifall aufgenommene Mitteilung, daß die Vereinigung für das liberale Judentum ihre nächste Generalversammlung im Mai \%2 in pofert abzuhalten beschlossen habe, hierauf hielt Herr Professor Dr. Goldstein-Darmstadt einen stündigen geistvollen, nach Form und Inhalt vollendeten Vortrag über das Thema „Die poesie der Bibel". Stürmischer, begeisterter Beifall bezeugte dem Redner den tiefen Eindruck seiner Worte. Jüdisch - liberaler Jugendverern in Posen. Auf Anregung des „Vereines Liberaler Juden" hatten sich vor einiger Zeit mehrere Damen und Herren unserer Gemeinde zur Bildung eines „Jüdisch-Liberalen Zugendvereines" zusammen getan und die Gründung beschlossen. Am Montag, den 30. Oktober fand die konstituierende Versammlung statt, die von zirka \25 Damen und Herren besucht war. Herr Rechtsanwalt Nehab leitete die Versammlung und hielt ein Referat über „Die Zwecke des jüdisch-liberalen Zugendvereines". Er ging von der Frage aus, warum sind wir Juden und warum bleiben wir Juden?, und zeigte, daß sie auf mehr oder weniger befriedigende weise beantwortet wird, je nach dem Standpunkte, den der einzelne einnimmt, daß aber jeder denkende Jude gezwungen ist, zu dieser Frage Stellung zu nehmen. Er wies zunächst auf diejenigen hin, die nur deshalb noch ain Judentum festhalten, weil sie in einer Zeit des mächtigen Antisemitismus nicht fahnenflüchtig werden wollen, und glaubte feststellen zu können, daß dieser Standpunkt nicht befriedige. Dann sprach er von den wahrhaft Orthodoxen, die mit unerschütterlichem Glauben jeden Buchstaben der heiligen Schrift für göttliche Offenbarung halten und ihr Leben danach einrichten. Redner betonte, daß dem jüdisch-liberalen Zug endverein jede Polemik gegen diese Orthodoxen fern läge, daß ihre Zahl aber sehr gering wäre. Anfechtbar sei aber der Standpunkt derer, die sich zwar orthodox nennen, aber weder die Lehren der Tradition für verbindlich halten, noch ihr Leben mit ihnen in Einklang bringen. Endlich kam er auf den Zionismus, der das Wesen und die Bedeutung des Zudentumes in der jüdischen Nationalität sehe und die Bedeutung der Religion verkenne. Redner führte aus, daß es gewiß auch Zionisten gäbe, die ihrer religiösen Anschauung nach liberal seien. Auch sie legen aber — wie die Praxis lehre — auf die Betätigung ihrer religiösen Ueberzeugung nicht das nötige Gewicht. Darum wolle auch der neue Verein Zionisten nicht aufnehmen. Die langjährige Erfahrung in anderen posener und in auswärtigen Zugendvereinen habe gelehrt, daß die Zionisten auch in angeblich neutralen Vereinen stets die zionistischen Ziele in den Vordergrund stellen, sodaß eine Zusammenarbeit mit ihnen ' nicht ersprießlich sein würde. Der jüdischliberale Zugendverein wolle sich nicht mit politischen Kämpfen und Reibereien befassen, sein Zweck bestehe darin, der Zugend zu zeigen, daß die jüdische Religion auch für den Nichtorthodoxen eine befriedigende Antwort gibt auf die Frage: „warum sind und bleiben wir Zuden?" Der Verein wolle die Zugend aufmerksam machen auf den hohen ethischen Gehalt der jüdischen Religion und auf die Schätze, welche die Bibel und die jüdische Literatur bergen. Er wolle gegen den Zndifferentismus arbeiten und die Zugend lehren, warum sie sich mit berechtigtem Stolze Zuden nennen dürfe. Der Verein denkt, . dieses Ziel durch Vorträge zu erreichen, die möglichst von den Mitgliedern selber gehalten werden sollen, ferner durch Kurse auf einzelnen Gebieten, sowie durch Diskussionen und Rezitationen aus der Bibel und der jüdischen Literatur, außerdem auch 'durch charakteristische festliche Veranstaltungen an jüdischen Feiertagen. Der Redner schloß mit der Bitte an die Erschienenen, sich nicht nur als Mitglieder zu melden, sondern auch eifrig für die liberale Sache zu arbeiten, da der Verein nur durch die rege Arbeit aller Einzelnen etwas erreichen könne. An das Referat schloß sich eine kurze Beratung der Statuten. Zum Schluß begrüßte Herr Rechtsanwalt Dr. Kämpfer im Namen des „Vereins Liberaler Zuden" den jungen Verein und stellte ihm die Unterstützung des Vereines Liberaler Zuden in Aussicht. Dem verein haben sich bereits 85 Mitglieder angeschlossen. Lerausgegeben von der Vereinigung für bas liberale Judentum Nerlin W. 8, Mauerstraße 49. Nur bie Redaktion und den Verlag verantwortlich Dr. Ä. Leligmann, Arankfurt a. M., Arie^richstr. 29 Druck und Lrveditio« von Voigt <te Äleiber, Nrankfurt a. M., Bibergaste 6.

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