Liberales Judentum
- Journal
- Liberales Judentum
- Volume
- 3 (1911)
- Issue
- Heft 11 (November 1911)
- Date
- 1911-11-01
- Page
- Seite 259 (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/3126481-3126513-3126524--0985-3127808- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
MaL Wiener: Zur Geschichte der religiösen Aufklärung 25$ Geschäft geschlossen, fahre auch nicht auf elektrischer Bahn. Das scheint im Widerspruch zu meinen Ausführungen zu stehen. Ich bestreite, daß das der Fall ist. Nicht dem Einzelnen darf es überlassen sein, nach Belieben von einer oder mehreren Vorschriften abzuweichen, das würde zur Gesetzlosigkeit, zur Anarchie führen. Für die Gesamtheit derjenigen, die sich unterordnen wollen, muß eine Behörde erstehen, die neue Anweisungen für die Lebenshaltung, entsprungen dem alten Geiste, schafft und festlegt. Es muß anders werden, dabei möchte ich Mitwirken, nicht aus Abneigung gegen Religionsvorschriften, sondern aus Liebe zu unserer Religion, nicht aus Genußsucht, sondern aus Nächstenliebe, nicht aus Bequemlichkeit, sondern aus Ueberzeugung; aus dem streben, zur geistigen und körperlichen Entwickelung unserer Brüder und Schwestern, unserer Söhne und Töchter beizutragen, damit neues Leben, neue Kraft im Judentums erweckt wird. Der Sabbat muß gehalten werden, er soll uns ein Ruhetag, eine Erholung von der Woche Last und Mühe sein und bleiben, aber er soll nicht zur jAage, Bedrückung und Verkümmerung dienen. Die Sxeisegesetze, ein wunderbar feines Rlittel der Erziehung, sollen erhalten bleiben, aber nicht in übertriebener Spitzfindigkeit, nicht zu drückender, pekuniärer Belastung, nicht zur Herbeiführung einer Unterernährung der ärmeren Klassen. Beschränken sich die Speisegesetze auf das Erforderliche, dann kann auch derjenige, welcher sich jetzt dev gewaltigen Erschwerung halber von ihnen abgewendet hat, zu ihnen zurückkehren. Vielleicht sind das Utopien. Der Löwe» der einmal Rlenschenfleisch gefressen, zieht solches jeder anderen Nahrung vor, und dev Jude, der Schinken und Austern liebt, wird schwerlich solche Genüsse leicht aufgeben. Darin liegt die größte Schwierigkeit für den Liberalismus. Wir haben aber für das kommende Geschlecht zu sorgen, diesem den Weg der Rückkehr zur Thora, zur Religion unserer Vätev zu bereiten. Das ist Wille und Zweck der liberalen Vereinigung! Schwierigkeiten und Gefahren stellen sich jedem Fortschritt .der Menschheit entgegen, nur durch Kampf wird der Sieg errungen! Und einen Kampf für die Zukunft des Judentums müssen wir aus Liebe zu unserer Religion, zu unsern Kindern und Kindeskindern führen, wir dürfen nicht länger Gewehr bei Fuß stehen bleiben! Wenn wir beseelt sind vom Willen zum Judentum, wenn wir unsere Nachkommen unserer ererbten Religion erhalten wollen, dann müssen wir den alten Israelsberuf fortführen, als Gotteskämpfer froh dem Rufe Folge leisten: Es laasos ladonoi hefern es. torosecho Vorwärts für Gott und Lehre! Zur Gefchichte der religiösen Aufklärung. Von ITlax Wiener-DüUeldorf. IV. Leibniz' religiö s er Optimismus. pinozas Lehre mag den an ihr oft gerühmten Vorzug der Konsequenz in höherem Maße verdienen als die Schöpfung irgend eines anderen Denkers. Aber diese innere Folgerichtigkeit bietet noch keine genügende Gewähr dafür, daß hier den Tatsachen der Wirklichkeit wahrhaft Gerechtigkeit widerfährt. Sie kann ebenso gut davon zeugen, daß die Ausgangspunkte unwichtig, daß die Fundamente des Gedankenbaues nicht sicher und fehlerfrei berechnet sind. Und