Liberales Judentum
- Journal
- Liberales Judentum
- Volume
- 3 (1911)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1911)
- Date
- 1911-10-01
- Page
- Seite 232 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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232 Ar. Ernst Keilborn: Ewige und vergängliche Werte im Judentum ,3cfr möchte ein nach meiner Meinung sehr wirksames Glittet, empfehlen, um die bisher indifferente kaufmännische jüdische Jugend zu sammeln. Unsren Großvätern, die in engen Zentren beieinander wohnten, galt noch das wort: Die Juden halten zusammen und helfen einander!! Das ist auch heute teilweise noch so. Aber selbstverständlich sind die Grenzen in gesellschaftlicher Beziehung heute infolge der sozialen Verhältnisse ganz andere als früher und hier könnte gerade bei der Jugend ein Anfang gemacht werden. Schaffet in allen größeren geschäftlichen Orten zunächst soziale Zentren, wo sich die jüdische Jugend trifft, wo man sich ihrer annimmt, sie berät, und wo vom Boden der sozialen Annäherung aus die Zugend religiös interessiert und beeinflußt werden kann. Diese religiöse Beeinflußung müßte der liberalen Vereinigung mit ihrer der Zugend sympathischen Hervorhebung des idealen Rerns des Zudentum am leichtesten gelingen. kwige und vergängliche Werte Von Rechtsanwalt Dr. Crnft üeilborn-Breslau. Alexander: Glaubst Du wirklich, daß sich über das Zudentum noch mehr sagen ließe, als was seit Zahrhunderten darüber gesprochen und geschrieben worden ist? Zch denke, die Schätze, die es birgt, sind so offenkundig, daß nur unsere böswilligen Feinde den Ruhm des Zudentums verkleinern können. Ernst: Aber wie steht es mit der Gleichgültigkeit und der Abtrünnigkeit in unseren Reihen? Sollten sie nicht ihren Grund darin finden, daß diese Menschen ihren Besitz mißachten, weil sie nicht wissen, warum sie darauf stolz sein können? Sollte es nicht unsere Aufgabe sein, im Zudentum nach dem Schatze zu graben, wie die Söhne des Weinbergbesitzers, um schließlich durch die Arbeit selbst belohnt zu werden? Jonas: Unseren Glauben pflegt inan am Besten, wenn man unverbrüchlich am Ueberkommenen geschält und die Zahrtausende alten Gebräuche beobachtet. Alexander: Oder, wenn man sich immer nur die eine L^ehre vergegenwärtigt: Gott ist einig, einzig. Ernst: Und wenn ich den Glauben an den persönlichen Gott der Bibel durch meine im Judentum. wissenschaftliche Ueberzeugung zerstört sehe, soll ich darum außerhalb des Zudentums stehen? Zonas: Also Zhr wollt wirklich noch den letzten Halt aufgeben! Alexander: Auch nach meiner Auffassung bist Du dann kein Zude mehr. Gele ne: So beginn doch zu graben und sage, worin Du das Zudentum findest. Ernst: Zede Religion ist in ihrem Ursprung nicht auf das religiöse Gebiet beschränkt, wie wir es heute vor Augen haben, sondern sie macht sich ein Bild von dem weltganzen; sie ist eine Weltanschauung. Z o n a s: wolltest Du nicht von dem Zudentume sprechen? <£ r n st: Zch will auf das Zudentum nur den allgemeinen Grundsatz angewendet sehen, daß es ein menschliches Erzeugnis ist. Zonas: Du willst augenscheinlich von der Offenbarung nichts wissen. Ernst: Damit ist mein Gedanke noch nicht erschöpft; es gibt verschiedene Formen der Offenbarung; auch ich wäre imstande, von einer Offenbarung zu sprechen, nur von einer anders gearteten als der biblischen.