Liberales Judentum
- Journal
- Liberales Judentum
- Volume
- 3 (1911)
- Issue
- Heft 8 (August 1911)
- Date
- 1911-08-01
- Page
- Seite 190 (sequence 22)
- Language
- German
- Belongs to
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190 Ar. Saerk: Amerika o o 0 0 Gerade ihnen ruft es zu: „Kommet nur zu uns ihr alle, die ihr euch noch als Juden fühlet. Bei uns geltet ihr'noch als 3 u e it und wir wollen euch die Möglichkeit schaffen und wir wollen euch Gelegenheit gebet:, euer Judentum zu betätigen in einer Form, die ihr mit eueren veränderten Anschauungen, mit den ganz veränderten Zeitverhältnissen in Einklang zu bringen vermögen Zhr fühlet euch noch als Zuden, auch uns ist die jüdische Gesinnung die Hauptsache, nicht weil wir meinen, es genüge die Gesinnung, sondern weil wir fest davon überzeugt sind, daß d i e j ü d i s ch e Gesinnung auch Mittel und Wege finden werde sich zu betätigen, nicht bloß in Werken der Menschenliebe, der Lsumanität, der sozialen Fürsorge, sondern in einem jüdischen Kultus. Wir wollen euch zeigen, was das Judentum ist, wir wollen euch seine unvergängliche Größe lehren und euch die Unerschütterlichkeit seiner Zukunftshoffnungen kund tun, wir wollen euch des Judentums glorreiche Geschichte vorführen und euere Begeisterung für das Judentum wieder wecken, auf daß ihr euch wieder mit Stolz und mit Begeisterung zu euerem Judentum bekennet und ihm die Anhänglichkeit euerer Kinder sichert. . . und wenn ihr nur wollet, wir werden euch die Uebung des Judentums, die ihr vielfach als Last empfindet, wieder zur Lust und Freude machen." Daß das nicht durch unerbittliches Bestehen auf dem Althergebrachten geschehen kann, sondern gewisse durch die veränderten Verhältnisse bedingte und gerechtfertigte Zugeständnisse und Erleichterungen erfordert, dürfte jedem klar sein, der in der Zeit und mit der Zeit lebt. Aber nun zeigt sich der im Einschluß an den Fall Zatho angedeutete Uebelstand. Unsere Liberalen gehen der Betätigung ihrer liberalen Anschauungen aus dem Wege. Ist's Gleichgültigkeit? Das möchte man nicht annehmen, wenn man die begeisterte Zustimnmng erblickt, welche das liberale Programm in den liberalen Kreisen gefunden. Ist's Bequemlichkeit? Nun dann raffet euch auf, lernet vom Gegner! An ihm haben wir ein glänzendes Vorbild dafür, welch' großartige Erfolge das überzeugungstreue, opferwillige Festhalten an dem für richtig angenommenen Ziele zu bewirken vermag. Dem liberalen Z u d e n t-u m s i n d dieselben Erfolge beschieden, wenn es nicht bloß liberal denkt, sondern auch liberal handelt und liberal sich betätigt! Amerika. Von Dr. £. Baeck-Düffeldorf. ie vereinigten Staaten sind für uns nicht bloß ein Land unter den Ländern. Wir können nicht an die Zukunft der Zuden und des Judentums denken, ohne dorthin unseren Blick zu richten. Unter den wechselnden Erlebnissen, die der jüdischen Gesamtheit in den letzten Jahrzehnten bestimmt waren, steht die große Wanderung, die die Unterdrückten des europäischen Ostens nach der neuen Welt geführt hat, an geschichtlicher Bedeutung vornan. Genaue Zahlenangaben über den Umfang dieser Menschenmassen fehlen uns. Doch schon das eine, daß Groß-Newvork in den jüngsten Jahren zu einer jüdischen Bevölkerung angewachsen ist, die von manchen auf eine Million beziffert wird, gibt ein Bild davon, was Amerika nur äußerlich für die große jüdische Geineinschaft bedeutet. Aber es handelt sich nicht bloß um die rein wirtschaftliche Tatsache der Bevölkerungsverschiebung, auch im Neligiösen tritt die Wirkung hervor. Zm neuen Lande, in der frischen sozialen und politischen Luft, die sie unlweht, werden diese Menschen aus dein Osten auch innerlich anders; ihr Geistesleben, ihre seelische Art, ihr ganzes Verhältnis zur Welt bestimmt sich neu. Nicht nur der Zude wird amerikanisiert, sondern auch das Judentum. Zm Dasein unserer Religion ist eine solche Akklimatisation nichts Vereinzeltes; unsere ganze Vergangenheit kennt sie und erhält durch sie den besonderen Reiz und Reichtum. Die Fülle des Mannigfaltigen in ihr, die Verschiedenheit z. B. zwischen