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Liberales Judentum · 1911-08-01 · Heft 8 (August 1911) · p. Seite 182

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Journal
Liberales Judentum
Volume
3 (1911)
Issue
Heft 8 (August 1911)
Date
1911-08-01
Page
Seite 182 (sequence 14)
Language
German
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182 Br. Horowitz: Unsere Gebete Jugendbewegung auf unrichtiger Informa- | tion, auf unrichtiger Auffassung beruhte. Denn in der Tat, wer will denn die Jugend hindern, ihre eigenen Wege zu gehen? Vorrecht der Jugend war es in allen Zeiten, zu schwärmen und eigenen Idealen nachzustreben. Deshalb sind es auch immer „die Neusten, die sich fürchterlich erdreusten!" Aber bei aller Schwärmerei war es der Jugend stets gegeben, sich auf dem Boden der Wirklichkeit zurechtzufinden. „Der Jugend glückliches Gefühl ergreift Das Rechte gleich." Nur darf man sie nicht hindern, und ihr in den Weg treten, nur dürfen die Alten nicht verlangen, daß die Jugend sich in „Fragen der Religion und der Politik" verhalten soll wie die Alten selbst. „Die Jugend ist um ihretwillen hier, Ls wäre töricht zu verlangen: Komm, ältle du mit mir." Deshalb laßt die Jugend ruhig ihre Wege gehen.. Unsere jüdische Jugend ist . für uns als „Bürge" angenommen worden und wird stets als Bürge für uns einstehen. Ihr Liberalen aber macht der Jugend die Bahnen frei, zeigt ihr die Richtung Lures Geistes. Nicht eine Partei hat allein, wie sie es so gern möchte, ein Anrecht auf unsere Jugend. Auch uns Liberalen steht es zu, der Jugend die Wege zu.weisen. Mag sie dann selbst entscheiden, welchen weg sie gehen will. Und darum errichtet weiter liberale I u g e n d v e r e i n e, laßt Luch nicht beirren durch das Schwirren und Stechen der Wespen, denn . . . greifst du in ein Wespennest, So greife zu und halte fr st. Untere 6ebete. Von Professor vr. kiorowihTkarlottenburg. ngesichts der wieder herannahenden hohen Feiertage, erscheint es an der .Zeit, auf die dringende Notwendigkeit einer erneuten Revision und einer Kürzung unserer Gebete hinzuweisen. An den hohen Feiertagen — den Tagen des Neujahrs- und versöhnungsfestes — sehen wir in den israelitischen Gotteshäusern des ganzen Lrdenrundes, mit nur geringen Ausnahmen, auch alle diejenigen sich versammeln und an der geineinsamen Andacht Anteil nehmen, die sonst im Laufe des ganzen Jahres den Andachtsstätten fern bleiben. An jenen Festtagen werden die meisten auch der sonst religiös Lrkalteten und Indifferenten der erhebenden Macht des Gebetes sich bewußt, und dieses in Gemeinschaft mit anderen zu Gott emporgesandte Gebet, diese in gemeinsamer Andacht gewonnene Gemütserhebung wird zu einem Bande, das die verschiedensten, sonst nur locker mit einander zusammenhängenden Kreise der jüdischen Stammes- und Religionsgemeinschaft fest verbindet. von dem starken Kitt, dem mächtigen Bande, welches der versöhnungstag für die israelitische Gemeinschaft bildet, ist oft mit vollem Recht gesprochen worden. Zu wünschen wäre nur, daß auch die innere Gemütserhebung, die weihevolle religiöse Stimmung, die an jenen Tagen auch bei den sonst selten oder garnicht das Gotteshaus Besuchenden angefacht wird, für die Dauer wach und lebendig erhalten würde. Gebete werden an jenen Tagen in Menge verrichtet, und wenn das dauernde Beeinflußtwerden des Gemüts durch die Macht des Gebetes im geraden Verhältnis zu der Masseneinwirkung desselben stände,' so müßte der Lrfolg der langen, einen beträchtlichen Teil des

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