Liberales Judentum
- Journal
- Liberales Judentum
- Volume
- 3 (1911)
- Issue
- Heft 8 (August 1911)
- Date
- 1911-08-01
- Page
- Seite 181 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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o o o o 181 Bernhard Breslauer: Abermals die liberalen Jugendorreinr löge wiedergibt. Die Einsicht geht vielmehr wohl dahin, daß auch die Errichtung zionistischer und die Errichtung orthodoxer Zugendvereine bedauert werden sollte, und daß nur eine schiefe Ausdrucksweise sich ausschließlich gegen die liberalen Zugendvereine richtete. Aber charakteristisch ist die Bemerkung in dem Berichte vom Jahre 1910 dennoch. Hat man doch bisher — und nicht bloß in einzelnen Logen — unter dem Ausschluß religiöser und politischer Fragen immer nur die Ausschließung liberaler religiöser und politischer Fragen gemeint. Orthodoxe und Zionisten ließ man ihre Anschauungen besprechen, soviel sie wollten, nur die Liberalen durften nicht für ihre Ansichten eintreten, für diese war die Erörterung religiöser und politischer Fragen immer ausgeschlossen. Hatte sonach die Großloge kein Recht, in die Tätigkeit und Bestrebungen einer einzelnen Richtung im Judentum einzugreifen, so irrt sie auch, wenn sie glaubt, daß sie auf die Bestrebungen der Jugend im sogenannten paritätischen Sinne einen Einfluß äusüben könne. Was für erwachsene Männer Vorschrift sein kann, paßt noch lange nicht für die Jugend. Hat doch namentlich die zionistische Zugend niemals ein Hehl daraus gemacht, daß sie die Zugendvereine nur dazu benutzen wollte, um für den Zionismus Propaganda zu machen. „Reine Organisation jüdischer Zugendvereine kann uns der Zlloyalität zeihen,' oder gar unsere Existenzberechtigung anzweifeln. Wir werden als Einzelne Mitglieder dieser Vereine bleiben, aber wir wollen in corpore diese Mitglieder für den Zionismus erziehen, durch einen kräftigen Zusammenschluß die Verbreitung des Zionismus unter der jüdischen Zugend ernröglichen und intensiv fördern. (Züd. Rundsch. Nr. 26 von 1910, 5. 298.) Za nicht einmal den Verband der jüdischen Zugendvereine, dem die Möglichkeit gegeben ist, objektiv zu bleiben, und das Gemeinsame aller einzelnen Richtungen in den jüdischen Zugendvereinen zusammenzufassen, nicht einmal diesen Verband will man paritätisch, wie er sein soll, belassen. Es werde . „nach Lage der Sache die Zionistisierung des Verbandes sich auf die Dauer gar nicht vermeiden lassen, dergestalt zumindest, daß alle, die nur ein negatives, frisiert gesprochen: die nur ein liberales Znteresse am Zudentum haben, herausgedrängt werden." (Züd. Rundsch. Nr. 28 von 1910, S. 318.) Und so ist es denn auch dem Berliner Zugendbund, der unter rein zionistischer Leitung steht, gelungen, auf der zweiten Versammlung des Verbandes der jüdischen Zugendvereine in Hannover, entgegen dem Verlangen der Großloge einen Antrag zur Annahme zu bringen, der unter Hintenansetzung des § 1 der Verbandssatzungen dahin lautet: „Die Delegiertenversammlung fordert die Verbandsvereine, in deren Statuten noch der Passus enthalten ist, daß religiöse und politische Themata nicht diskutiert werden dürfen, auf, diesen Absatz zu streichen, da er sich mit dem Wesen der jüdischen Zugendbewegung nicht verträgt. . Die Delegiertenversammlung gibt der Hoffnung Ausdruck, daß keinerlei Befürchtungen. oder Bedenken einen Verein hindern werden, sobald wie möglich diesen Beschluß in die Tat umzusetzen." Alles das hat sich in der breiten Deffentlichkeit abgespielt, und so sind bereits genügend Anzeichen dafür vorhanden, daß auch die Mitglieder der Großloge sich davon überzeugen, wie ihre bisherige Stellung zur