Mannheim
Compact Memory

Liberales Judentum · 1911-08-01 · Heft 8 (August 1911) · p. Seite 180

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Liberales Judentum
Volume
3 (1911)
Issue
Heft 8 (August 1911)
Date
1911-08-01
Page
Seite 180 (sequence 12)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3126481-3126513-3126521--0903-3127723
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

180 Srrrchard Sreslauer : Abermals die liberalen Ingendvereine Wir aber wollen einen jüdischen Staat nicht, wir aber wollen unsere Jugend nicht für einen jüdischen Staat erziehen, wir wollen nicht, daß unsere fugend in politischer Beziehung andere wünsche hat, als die übrige Jugend ihres Vaterlandes, in dem die starken wurzeln ihrer Kraft ruhen. wir befinden uns bei diesem unseren verlangen in guter Gesellschaft. Abgesehen von 99 "o der deutschen Zuden überhaupt, verfolgen auch die Logen des U. ©. B. B. u. a. dasselbe Ziel, denn ihre „Zwecke und Ziele" erklären, daß auf das Entschied enste jeder Gedanke einer sozialen oder gar nationalen Abschließung zurückzuweisen sei. „Wir fühlen uns nicht als Angehörige einer besonderen Nation, vielmehr als treue Söhne und Bürger des Staates, in dem wir leben, als Mitglieder der Volksgemeinschaft, in der wir erzogen und aufgewachsen sind." wollen wir hiernach nicht, daß unsere Jugend im orthodoxen Sinne, und wollen wir nicht, daß sie im zionistischen Geiste erzogen wird, dann müssen wir ihr liberale Zugendvereine errichten. Der verband der Zugendvereine hatte zum Grundsatz erhoben, daß seine Mitglieder keine bestimmte politische oder religiöse Richtung verfolgen dürften. Zn Wahrheit hatten sich die Zugendvereine um diesen im § s der Satzungen des Verbandes ausgesprochenen Grundsatz recht wenig gekümmert. Zn dem einen Verein wurden von der Leitung oder der Mehrheit orthodoxe Bestrebungen, in dem anderen zionistische geltend gemacht, nur liberale Tendenzen wollte man hierbei natürlich nicht aufkommen lassen. Dieser Verband hatte sich außer an andere Vereinigungen auch an die Großloge für Deutschland um Beihilfe gewandt und die Großloge, die „die reinsten Grundsätze allgemeiner Menschenliebe zur Geltung bringen" will und „die damit im Einklang stehenden unvergänglichen Zdeale des Zudentums pflegt," hatte sich bereit gefunden, dem verbände Geldmittel zur Verfügung zu stellen. Als nun der Berliner Liberale Zugendverein errichtet wurde, konnte dies der Großloge nicht verborgen bleiben. Es war daher anzunehmen, daß sie entsprechend ihrer neutralen Stellung die Aufnahme dieses neuen Zugendvereins in den von ihr unterstützten verband der Zugendvereine fördern würde. Um so erstaunlicher war es deshalb, als sich der Bericht des Großpräsidentcn der Loge vom Zahre WO gegen die liberalen Zugendvereine wandte und erklärte: . „von unserem Standpunkte aus müssen wir natürlich "die Gründung liberaler Zugendvereine als den von uns verfolgten Zwecken widersprechend, bedauern." Den Zwecken der Großloge kann die Gründung liberaler Zugendvereine nicht widersprechen, denn für die Großloge war die Erörterung politischer und religiöser Fragen ausgeschlossen, wie ihre „Gesetze" ergeben, und für die einzelnen der Großloge angeschlossenen Logen ist dieser Ausschluß der Erörterung politischer und religiöser Fragen ausdrücklich in deren Gesetzen angeordnet. Die Großloge hatte daher gar keine Befugnis, sich gegen eine einzelne Richtung im Zudentum zu wenden. Sie verletzte die Grundsätze, auf denen sie und das gesamte Logenwesen in Deutschland beruhen, wenn sie eine einzelne Richtung als besonders bedauernswert bezeichnete. ~ wir glauben aber zu wissen, daß der Bericht vom Zahre WO nicht vollständig die Ansicht des Großpräsidenten und der Groß-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.