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Liberales Judentum · 1911-08-01 · Heft 8 (August 1911) · p. Seite 179

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Journal
Liberales Judentum
Volume
3 (1911)
Issue
Heft 8 (August 1911)
Date
1911-08-01
Page
Seite 179 (sequence 11)
Language
German
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Bernhard Breslauer: Abermals dir liberalen Jugendverrine 179 gestellt worden find, auch für die heutige Zeit als bindend erachtet. Dabei bildet die Orthodoxie noch nicht den zehnten Teil der Zuden in Deutschland. Die Liberalen wollen die Zugend im Geiste ihrer Zeit erziehen. Sic wollen der Zugend zeigen, daß der geistige Znhalt und nicht die äußeren Formen den Kern der jüdischen Religion ausmachen. Sie wollen nicht, daß die geringe Minderheit Einfluß auf die -Erziehung erlangt. Der Zionismus will die Errichtung eines jüdischen Staates in j?<Mstina. Man weiß, daß das Baseler Programm dieses Endziel in die Morte gefaßt hat: „Der Zionismus erstrebt für das jüdische Volk die Schaffung einer öffentlichrechtlich gesicherten Heimstätte in Palästina." Man weiß aber auch, welch unendliche Debatten notwendig waren, um das Endziel des jüdischen Staates, das offen zu bekennen bedenklich, ja gefährlich war, in eine Form zu bringen, die jene Bedenken und Gefahren ausschloß. So, wie das Programm lautet, kann man daraus entnehmen, was man will, man kann sogar auch herauslesen, daß das Endziel nicht die Errichtung eines jüdischen Staates ist. Der zukünftige Präsident des zionistischen engeren Aktions-Komitees hat sich auch dahin ausgesprochen, daß die Zionistenbewegnng keinen Staat erstrebe, hat aber gleich hinzugefügt : „Gb eine lokale Autonomie Palästinas zu erstreben ist, ist eine ganz andere Frage, die nur im Gesamtrahmen der Entwicklung des ottomanischen Reiches zu lösen ist." Der gegenwärtige Präsident dieses Aktions-Komitees hat sich schon deutlicher ausgesprochen: „Eine Heimstätte wollen wir schaffen mit ° der rechtlichen Sicherheit, die uns die konstitutionelle Türkei bieten kann; nicht.etwa einen Zufluchtsort für arme verfolgte Zuden aus dem Osten, sondern eine eigene H e i m st ä t t e für das j ü - dische Volk. Rnd in dem Lande unseres Volkes in Palästina." Am deutlichsten hat sich das zionistische Parteiblatt geäußert, indem es in die Morte ausbrach: „Und das letzte Ziel, auf das wir hinstreben, ist eben nicht die Ansiedlung von einigen tausend oder hunderttausend Zuden im türkischen Orient, sondern das national e Z i e l der Miedergeburt des jüdischen Volkes auf dem Boden, der ihm die fortgeerbte nationale Eigenart einst gab." (Züdische Rundschau vom 25. 9- WO. S. TO-)*) Also der jüdische Staat ist das Endziel, wie man sich auch drehen und wenden mag, um die unangenehmen Folgen eines offenen Bekenntnisses abzuwenden. *) Anmerkung: Dieser Artikel war vor dem 10. Baseler Kongreß geschrieben. Auf dem Kongreß haben die Hauptredner erklärt: Mir „wollen nicht einen Zudenstaat, sondern eine Heimstätte auf dem alten Boden unserer Väter, in der. wir uns als Zuden . . . national ausleben können ... es ist unser Traum und sehnlicher Wunsch in einem blühenden und mächtigen ottomanischen Reiche ein blühendes und glückliches jüdisches Volk zu sein." Also ein Volk in der Türkei! Mie die Armenier oder gar wie die Malissoren? Das soll das Endziel der großen Weltbewegung sein? Mit all diesen Verschleierungen wird man Niemanden über das wahre Endziel hinwegtäuschen, wenn der Zionismus hat überhaupt nur Sinn, wenn er die Wiedererrichtung des jüdischen Staates in Palästina beabsichtigt.

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