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Liberales Judentum · 1911-08-01 · Heft 8 (August 1911) · p. Seite 173

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Journal
Liberales Judentum
Volume
3 (1911)
Issue
Heft 8 (August 1911)
Date
1911-08-01
Page
Seite 173 (sequence 5)
Language
German
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4) O O O Ar. Srligrrmrm: Auw Gedächtnis Ksgeisteins 173 geworden. Jubelnd im Kerzen las er (870 die deutschen Siegesbotschaften, aber er mußte seinen Jubel verbergen. — Frühere Hoffnungen und Wünsche hatten sich zerschlagen. 3rt Jahre \879 wurde er in Stettin gewählt und trat Anfang (880 sein Amt dort an. War die Arbeitslast auch nicht so erdrückend, wie in Pilsen, so war sie doch mehr als ausreichend groß. Bis (9^ hat er die gesamte Amtstätigkeit einschließlich des Unterrichts allein versehen. An jedem Sabbat hielt er Beden oder Schrifterklärungen und sprach überdies noch jeden Samstag Nachmittag bis im Iugendgottesdienst. Seine predigten waren schlicht, wie er selber war, und enthielten alle eine große Fülle von Gedanken. In die Stettiner Zeit fällt die bekannte wissenschaftliche Arbeit aus dem Gebiete der Bibelkritik: Kampf zwischen Priestern und Leviten ((889). Schon in Pilsen hatte er sich eifrig mit bibelkritischen Studien abgegeben. Eine Arbeit über die früheren Propheten war fast fertig, als Wellhausens Arbeit über Samuel erschien. In die Stettiner Zeit fällt auch die Veröffentlichung des auf Ersuchen des Verbandes der Synagogengemeinden Westfalens bearbeiteten Gebetbuches (1896), das ihm die heftige Befehdung durch die Orthodoxie zuzog. Hervorragenden Anteil nahm vogelstein an allen damaligen Rabbinerversammlungen. (88H referierte er auf der ersten Rabbinerversammulng über Religionsunterrichtsfragen. An den Vorbereitungen und Vorverhandlungen zur Umwandlung des älteren in den gegenwärtig bestehenden allgemeinen Rabbinerverband war er zusammen mit Maybaum ganz besonders beteiligt, von ihm ging bald darauf die Aufforderung zur Begründung einer Vereinigung liberaler Rabbiner aus, von ihm endlich auch die Anregung zur Begründung der Vereinigung für das liberale Judentum jn Deutschland. Das letzte Jahrzehnt sah ihn überall im Vordergründe aller jüdischen Vereinigungen und verbände; wo eine neue Frage auftauchte, trat er mit seinem bewährten Wort als einer der ersten auf die Schanzen, ein bewährter Kämpfer und Führer, dessen besonnenes wort sich weithin Geltung zu verschaffen wußte. Als Kämpfer für das liberale Judentum erschien Vogelstein zum ersten Rial vor der Oeffentlichkeit auf der Augsburger Synode (87(. Er war der einzige aus dem Breslauer Seminar hervorgegangene Rabbiner, der an der Synode teilgenommen hat. Sein Standpunkt war damals bereits grundsätzlich der gleiche, den er später stets festgehalten hat: Kein Bruch mit der Vergangenheit, sondern ein allmähliches vorwärtsschreiten, keine theoretischen Prinzipien-Kämpfe, sondern praktische Errungenschaften. Mit diesem energisch betonten Standpunkt setzte er sich mit der großen Mehrheit damals vielfach in Widerspruch, aber er wurde, wie sich aus den Verhandlungen selbst, besonders aber aus einem Brief, den er von Augsburg aus geschrieben hat, ergibt, von der Versammlung sehr respektiert. In einem dieser Briefe (vom ((. Juli (87() heißt es: „Ich habe in der kurzen Zeit,- die ich in Augsburg zubringe, so viele Eindrücke empfangen, und der persönliche Verkehr mit den einzelnen Mitgliedern der Synode nimmt mich so sehr in Anspruch, daß es mir schwer fallen dürfte, dir ein wahrheitsgetreues Bild des Erlebten wiederzugeben. Daß ich vom Seminar der einzige bin, ist selbstverständlich, Joel und Landau sind auch nicht da, im Ganzen sind bei der heutigen Versammlung oa. 50 stimmberechtigte Mitglieder gewesen. Der Akt der Eröffnung war überaus schön, Lazarus hat mit Ausnahme eines einzigen Punktes der mir nicht gefallen hat, glänzend gesprochen; verhandelt ist noch nichts, die Versammlung hat sich nur konstituiert. Ich bin enfant cheri bei den Mitgliedern, man betrachtet meine Anwesenheit förmlich als ein Ereignis, Geiger

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