Liberales Judentum
- Journal
- Liberales Judentum
- Volume
- 3 (1911)
- Issue
- Heft 8 (August 1911)
- Date
- 1911-08-01
- Page
- Seite 171 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Ar. SeUgmann: Zum Gedächtnis Uogetsteins 171 schnitt hervorragende Frau, gemütvoll und feinsinnig, von heiteren: Wesen und von tiefem Gottvertrauen. Auch er hat „von Mütterchen die Frohnatur" geerbt, welche starken seelischen Bande sich zwischen Sohn und Mutter woben, dafür legt die überaus bezeichnende Tatsache Zeugnis ab, daß der Sohn den Geburtstag der Mutter bis zuletzt als einen festlichen Tag für sich begangen hat. Zn Lage besuchte Vogelstein zuerst die Volksschule dann die Rektorschule, von wo er in die Obertertia des Gymnasiums in Detmold übertrat. Dort hat auf ihn der spätere Direktor des Gymnasiums, Hormann, als Lehrer großen Einfluß ausgeübt. Oft hat er in späteren Zähren voll Verehrung für diesen Mann zu seinen Zntimen gesprochen. Schon als junger Schüler hat der begabte und. fleißige Knabe einen Teil seines Lebensunterhaltes durch Unterricht erworben. Sein Eifer, sein frisches, munteres Wesen, seine Aufrichtigkeit gewannen ihm viele Freunde. Der Stadtsekretär Oldendorfs in Detmold und der Detmolder Bürgermeister Meyer interessierten sich für ihn. Als er sein Abiturientenexamen gemacht hatte, überraschte ihn der Bürgermeister durch die Mitteilung, daß er ihm -ohne sein wissen ein Stipendium für mehrere Zahre verschafft habe. von früher Kindheit an hat Vogelstein mit der ihm eigenen Zähigkeit und Festigkeit die Zdee erfaßt, Rabbiner zu werden. Allen Schwierigkeiten zum Trotz hat er daran festgehalten. So kam er Michaelis s85H nach Breslau. Es war die Zeit des Schillerjubilänms, der deutsche Nationalverein war soeben begründet, der französisch-österreichische Krrieg in Ztalien beendet. Lin gewaltiger Aufschwung deutschen und demokratischen Geistes ging durch das deutsche Land, vor allem durch die Studentenschaft. Vogelstein nahm an allen diesen Dingen lebhaft teil, er trat mit in die allgemeine Burschenschaft ein, aus der sich die Burschenschaft Germania entwickelte; er war ein flotter, lustiger Student und hing zeitlebens an den Erinnerungen der Studentenzeit. Etwas studentisch Frisches, Zugendliches aus dieser Studentenzeit lag dauernd über seinem Wesen. Auch politisch war er schon als junger Student auf's höchste interessiert. Für waldeck, Franz Ziegler, Kirchmann, Hoverbeck u. a. hegte er die größte Verehrung und hat noch Zahrzehnte später ganze Stellen aus ihren politischen Reden zitiert. politisch gleiche Anschauungen, verwandte wissenschaftliche Bestrebungen und vielfach auch religiöse Uebereinstimmung führten ihn mit einer Reihe von Freunden zusammen, die zu gleicher Zeit am Breslauer Seminar studierten, mit Direktor Holzmann, Zustizrat Friedmann-Glogau, Dr. Kastan-Berlin, Professor Bloch-Posen, Kohn-Budapest, Professor Freudenthal-Breslau; auch — trotz politischer und religiöser Gegensätze — mit Zoseph Heinemann, der als Lehrer an der Hamburger Talmud - Tora - Schule vor einigen Zähren gestorben ist. Bei all dieser Betätigung hat 'der mit außergewöhnlicher Energie und Arbeitskraft ausgestattete junge Mann überraus fleißig gearbeitet, sowohl an der Universität, wie am Seminar. An der Universität waren Schmölders und Roeppell, daneben auch Braniß seine Lehrer. Die Lehrer am Seminar: Frankel, Grätz, Bernays, Zoel hat er in dankbarer Erinnerung gehalten. Zn religiöser Hinsicht huldigte er schon als junger Student den Prinzipien des Liberalismus und hatte den lebhaften Wunsch gehegt, mit Abraham Geiger in persönliche Beziehungen zu treten; aber die Animosität des Seminars ließ das in damaliger Zeit nicht zu. So wurde er mit Geiger erst \87\ auf der Augsburger Synode persönlich bekannt. vogelstein promovierte s865 mit einer Arbeit über die Alexandersage; s863 wurde er vom Seminar entlassen. Frankel war kurz