Liberales Judentum
- Journal
- Liberales Judentum
- Volume
- 3 (1911)
- Issue
- Heft 12 (Dezember 1911)
- Date
- 1911-12-01
- Page
- Seite 285 (sequence 21)
- Language
- German
- Belongs to
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o o o o Rundschau 285 Hofe voraus, so wird der in einem Sarge unterirdisch beizusetzenden Aschenurne aus dem Friedhose an Stelle der rituellen nur eine sogenannte „religiöse Feierlichkeit", eine Art Begräbnis zweiter Klasse gewährt. — Gegen diese, durch ein Gutachten des Leipziger Gemeinde-Rabbiners allerdings sanktionierte Handhabung richtet sich ein bereits im vergangenen Frühjahr von der Leipziger Gemeindevertretung mit großer Mehrheit gefaßter Beschluß, durch den es in Anlehnung an die Gemeindesatzungen als Pflicht der Gemeinde bezeichnet worden ist, Bestimmungen über die Feuerbestattung zu treffen. In Verfolg dieses Beschlusses liegt jetzt der hiesigen Gemeindevertretung der Antrag zur Beschlußfassung vor, daß die Gemeinde, wenn eine Verbrennung letztwillig verfügt, oder von Angehörigen gewünscht wird, verpflichtet ist, mitzuwirken und unmittelbar vor der Einäscherung eine rituelle Feier im städtischen Krematorium stattfinden zu lassen. Die Mitwirkung der Gemeinde soll im einzelnen bestehen, in Annahme und Erledigung des Auftrages zur Feuerbestattung, in Stellung des Leichenwagens und des althergebrachten Sarges, in Gestattung der Beteiligung des Gemeinderabbiners, der Kultusbeamten, des Synagogenchores und der Beerdigungsbrüderschaft zur Wahrung der wesentlichen Ritualien, und in Anlegung eines Urnenhaines auf dem jüdischen Friedhofe. In der an die Darlegungen 'des Vortragenden sich anschließenden Aussprache gelangte der lebhafte Wunsch Zum Ausdruck, daß die Leipziger jüdische Gemeinde durch baldige Annahme dieser Anträge in der so wichtigen und so überaus aktuellen Frage der Feuerbestattung bei den Juden im Sinne einer liberalen Fortentwicklung des Judentums die Initiative ergreifen und vorbildlich wirken möge. Elberfeld. Am Rov. haben in unserer Elberfelder Gemeinde die Ersatzwahlen für die Ende des Jahres ausscheidenden Repräsentanten stattgefunden. Die Ortsgruppe, der Vereinigung für das liberale Judentum war als solche in den Wahlkampf eingetreten; sie hatte ein Agitations-Komitee zur Vorbereitung der Wahlen aus ihren Mitgliedern schon mehrere Monate vor "den Wahlen gewählt und djeses auch damit betraut, geeignete Kandidaten vorzuschlagen. Das Komitee stellte sich auf den Standpunkt, daß wenn auch eine liberale Mehrheit in der Repräsentanz erhalten bleiben müsse, solche Repräsentanten und Gemeinde-Mitglieder nicht ausgeschlossen werden dürften, die-sich als Repräsentanten bewährt haben, oder deren wirken in der Gemeinde eine Garantie dafür biete, daß sie im Falle ihrer Wahl oder Wiederwahl das religiöse und soziale Leben fördern würden. Diese Grundsätze haben sich, wie die Wahl gezeigt hat, auch als durchaus richtig erwiesen. — Die Gegenpartei, aus Zionisten, unzufriedenen Elementen in der Gemeinde und einigen Angehörigen der Orthodoxie bestehend, hatte eine Gegenliste aufgestellt. Auch ihre Kandidaten waren zum größten Teile Männer, die sich großer Wertschätzung am hiesigen Platze erfreuen. Da eine erste, von ihrem Komitee, einberufene Versammlung gut besucht war, so glaubten sie ihres Sieges mindestens in der dritten Abteilung sicher zu sein. Aber auch unser Vorstand und das Agitations - Komitee nahmen den Kampf ernst. — Die Mitglieder übernahmen es, da, wo über den Zweck und die Ziele der Vereinigung Unklarheit herrschte, oder wo diese von unseren Gegnern unrichtig dargestellt worden waren, aufklärend zu wirken. Auf den 2. November hatte der Vorstand eine öffentliche Versammlung aller Gemeinde-Mitglieder einberufen. Diese Versammlung tagte im roten Saale der Stadthalle, und war zahlreich von allen Kreisen der Gemeinde, von männlichen und weiblichen Mitgliedern besucht. — Die Tages-Ordnung lautete: f. Vortrag des Herrn Rechtsanwalts Brück: „Der religiöse Liberalismus und die Repräfentanten- Wahlen." 2. Diskussion. Der Redner zeigte in seinem etwa einstündigen Vortrag, daß nur der religiöse Liberalismus geeignet fei, das Judentum dauernd zu erhalten und das synagogale Leben zu kräftigen, auch den Unterricht so zu gestalten, daß unsere Jugend zu aufrichtigen Bekennern des Judentums erzogen werde, so daß diese weder dem Assimilantentum noch der Taufe anheimfalle. — Er wandte sich scharf gegen den Zionismus, der eine Gefahr für das Judentum fei, weil er die Konfession als nebensächlich ansehen müsse, und nur die Momente beto»e, die das Nationalitätsgefühl wecken und kräftigen könnten. — Der Vortrag wurde von der über-