Liberales Judentum
- Journal
- Liberales Judentum
- Volume
- 3 (1911)
- Issue
- Heft 12 (Dezember 1911)
- Date
- 1911-12-01
- Page
- Seite 281 (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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o o o o Süchrrschau 281 Pathos, durch seinen unzerstörbaren Glauben , an den Sieg der Gerechtigkeit und Wahrheit ein Erzieher. Als solchen führt ihn der selbst für alles Hohe und Edle begeisterte Verfasser in anschaulichem, plastischen Bilde vor unser Auge. Das Buch ist keine trockene Biographie, sondern mit dem Herzblut des Verfassers geschrieben. Es ist auch keine leichte, amüsante Lektüre zur bloßen Unterhaltung, sondern ein ernstes Buch, für empfängliche Kerzen geschrieben. Die Sprache des Verfassers ist edel und gewählt, der Ton anregend und warm, die Auswahl des Stoffes und seine Anordnung kunstvoll und feinsinnig. Oft wird mit wohldurchdachter Absicht der chronologische Gang der Erzählung unterbrochen durch thematische Behandlung des Stoffes, was der Darstellung innere Einheit und gedankliche Geschlossenheit verleiht. Alles in allem ein künstlerisch vollendetes Buch von erzieherischer Kraft für jung und für alt. — Für eine hoffentlich bald notwendig werdende neue Auflage möchte ich dem Verfasser nahe legen, zur bessern Uebersichtlichkeit den Stoff in Kapitel zu gliedern oder wenigstens am Kopf jeder Seite den Inhalt anzugeben. Auch fehlt mir ein näheres Eingehen auf die wunderbare religiöse Persönlichkeit Rießels, wie sie uns so köstlich in seinen bedeutungsvollen Briefen an Kl. A. Stern entgegentritt (abgedruckt in der Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland von Ludwig Geiger, Band II, Seite —75). — was die Abstammung Rießer's betrifft, so ist seine Herkunft von Schaul Wahl, dem Polenkönig (?) über jeden Zweifel erhaben (siehe Stammtafel der Familie Katzenellenbogen in „Geschichte der Juden in der Kurpfalz" von Rabbiner Dr. L. Löwenstein, Seite 322 und 323). Seligmann. Psalmen, Alte perlen in neuer Fassung, von Ar. J. Unßdanm. Nürnberg. (£. Koch's Verlagsbuchhandlung. J9U* kl. 8. 9H Seiten. In Stunden der Muße, aus Lust am Formen, hat der Verfasser die schönsten Psalmen, etwa den dritten Teil der vorhandenen in deutschen Rythmus und Reim gebracht. Man kann verschiedener Meinung über Berechtigung und wert modernen poetischen Gewandes für die althebräische Poesie sein. Manche Psalmen mögen dabei geröinnen, viele aber und gerade die tiefsten und schönsten z. B. Psalm 90, (OH scheinen unter dem Panzer des Reims und Rythmus engbrüstig zu werden; die lapidare Kraft und der eherne Schritt der althebräischen Poesie läßt sich nicht so leicht — ohne an Kraft und Originalität zu verlieren, in ein modisches Kleid einschnüren. Der Verfasser hat zweifellos viel Formgewandheit und ästhetisches Empfinden: er hat sich auch exegetisch in den Inhalt seiner Lieder ernst versenkt und versucht, dem oft schwierigen Gedankengang liebevoll nachzugehen. So muten seine Rebertragungen zum größeren Teil sympathisch und wohlgelungen an. — Die übersetzten Psalmen sind nach Thematen geordnet. Die Ueberschriften lauten: Der rechte weg. herrlich ist sein Name. Der Ewige ist König. Aus tiefer Not. Zion. Gotteshilfe. Rühmet den Ewigen. — Mögen die alten perlen auch in dieser neuen Fassung dem ewig - schönen psalmbuch neue' Freunde gewinnen. — Die Ausstattung und die ganze äußere Form sind so schön, daß sich schon darum das Büchlein für Geschenkzwecke sehr eignet. S e l i g m a n n. 8. Ferares „lo sewaschel gedi bachalew immo“. Une erreur de Traduetion dans la bible. 8. 32 S. Separatabdruek aus der Revue de Linguistique. Paris 1911. In dem Aufsatz von Dr. Karl Ittner: „Die jüdischen Speisegesetze" wurde der Gedanke flüchtig gestreift, es sei falsch, denBibelvers „Lo sewaschel gedi bachalew imoh" zu übersetzen: Du sollst das^ Böcklein nicht kochen i n d e r Milch seiner Mutter. Ausführlicher wird dieses interessante Thema in der oben genannten französischen Broschüre besprochen. Der Gedankengang ihrer sehr populären, aber doch streng wissenschaftlichen Ausführungen soll im Folgenden kurz wiedergegeben werden. Im Pentateuch kann und darf es schon nach Maimonides kein Gesetz geben, das mit dem gesunden Menschenverstand unvereinbar wäre. Scheint daher eine Vorschrift diesen J Charakter zu tragen, so ist es nicht unser