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Liberales Judentum · 1911-12-01 · Heft 12 (Dezember 1911) · p. Seite 272

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Journal
Liberales Judentum
Volume
3 (1911)
Issue
Heft 12 (Dezember 1911)
Date
1911-12-01
Page
Seite 272 (sequence 8)
Language
German
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272 Fandskrrg: Gedanken über den Verband der jüdischen Jugendvereine 6edanken über den Verband äer jüdifchen Jugendvereine. Von Geh. Bauraf Prof. Dr. Jng. Th. Handsherg-Berlin. as Ziel der Zugendvereine ist, die Zugend .für die Erhaltung und Fortbildung Des Zudentums heranzuziehen, in der Zugend den Willen zum Zudentum zu erwecken und zu kräftigen. Die Lrstrebung dieses Zieles, ist wohl bei der großen Mehrzahl unserer Glaubensgenossen als richtig anerkannt. Darüber ist keine Verschiedenheit der Ansichten.. — Uneinig ist man über die Frage, ob besondere liberale Vereine zu bilden sind und eventuell in den Verband der Zugendvereine ausgenommen werden sollen. Die Vorgänge in dem Berliner Zugendverein haben dort zu dem Austritt einer größeren Zahl liberaler Mitglieder und zur Bildung eines neuen Vereines geführt. Ls soll untersucht werden: - a) Welches sind die tieferen Ursachen der entstehenden Mißhelligkeiten? - d) Wie können die Mißstände beseitigt werden? a) Ursachen der Mißhelligkeiten. Unter den deutschen Zuden bestehen z. Z. drei bsauptrichtungen: die orthodoxe, die liberale, die zionistische. Die beiden erstgenannten sind die älteren, die zionistische ist eine jüngere; sie ist etwa fünfzehn bis zwanzig Zahre alt. Ls ist bekannt, daß zwischen diesen Richtungen tiefgehende Gegensätze vorhanden sind, besonders zwischen der orthodoxen und liberalen Richtung. Zede dieser Richtungen ist sich bewußt und muß sich bewußt bleiben, daß derjenige die Zukunft für sich hat, Der die Zugend hat. Ls ist deshalb wohl verständlich, daß jede Richtung die Zugend für ihre besonderen Ziele und Bestrebungen zu gewinnen sucht, natürlich am fruchtbarsten in den Vereinen. Zwei dieser Richtungen, nämlich die orthodoxe und die zionistische sehen ihren Lsauptgegner in der liberalen Richtung; sie vereinigen sich deshalb vorläufigund vorbehaltlich einer etwaigen späteren Abrechnung mit einander zu gemeinsamer antiliberaler Tätigkeit. Diese gemeinsame Tätigkeit besteht vorwiegend in der Arbeit bei den Wahlen, wie man im Herbst WO bei den Gemeindewahlen in Berlin erlebt hat. Beide Parteien waren in dem Bestreben einig, die liberalen Gemeinde-Vertreter zu stürzen und durch solche ihrer Richtungen zu ersetzen. Das war ihr Recht, und nicht das wird ihnen verdacht. Zeder darf und soll wählen nach 'seiner Ueberzeugung, und auch wenn er wühlt, so soll darüber kein Wort verloren werden. Aber, so wird gesagt, i n d e n Z u g e n d - vereinen soll alles neutral sein; sie sollen — als Vereine — sich nicht um diese Sachen kümmern. Dasistleichtzu sagen, aber unmöglich durchzuführen. Die Erfahrungen im Berliner Zugendverein haben das denn auch erwiesen. Bei jedem jugendlichen Publikum wäre die Forderung der Neutralität unmöglich, bei dem impulsiven Tharakter unserer Glaubensgenossen ist sie es aber ganz gewiß. So wird etwas Unmögliches gefordert, die Neutralität ist ein klingendes Wort, hinter dem nichts steckt. Zch bin xmf den Linwurf gefaßt: die großen verbände, welche die Zugendvereine ins Leben gerufen haben, verlangen Neutralität in religiöser und politischer Hinsicht von den Zugendvereinen. Diese Verbände mit ihren erfahrenen Männern werden doch nichts Unmögliches verlangt haben. Darauf erwidere ich: Wissentlich haben sie gewiß xüchts Unmögliches verlangt, in der Wirklichkeit aber wird die Neutralität nicht gewahrt werden können; wo sie scheinbar gewahrt wird, bildet sie den Vorhang, hinter welchem desto mehr in dem jeweilig gewünschten Sinne gewirkt wird; und so verdirbt diese Forderung unsere Zugend, indem sie sie zu diplomatischer Unwahrheit heranzieht. (Äne jugendliche Bewegung hat das Recht der Propaganda. Und wenn es ihr offiziell geschmälert wird, so wird sie es um so intensiver und beharrlicher von Mund zu Mund innerhalb des Vereines ausüben.

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