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Liberales Judentum · 1911-12-01 · Heft 12 (Dezember 1911) · p. Seite 273

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Journal
Liberales Judentum
Volume
3 (1911)
Issue
Heft 12 (Dezember 1911)
Date
1911-12-01
Page
Seite 273 (sequence 9)
Language
German
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c. Simssn : Der „nnparteiifchr" Jüdische Jugendbund 273 O O Aber, wird' man mir einwerfen, wenn dem so ist, dann möge in demselben Verein jeder für sich werben: Die Orthodoxen für sich, die Zionisten für sich, und die Liberalen gleichfalls für sich; — so ist alles in bester Ordnung. Das ist eben nicht der Fall. Die beiden anderen Parteien, die orthodoxe und die zionistische sind gegenüber der liberalen unleugbar im vorteil: Die erstere, weil sie sich auf eine geschlossene, fertige, mit dem Nimbus historischer Autorität umgebene religiöse Weltanschauung stützt und weil sie an vorhandene religiöse Eindrücke und Pietäts- Erinnerungen anknüpfen kann; die zionistische, weil sie eine junge oppositionelle Partei mit politischen Zielen ist. Beide haben eine starke Gefolgschaft mit dem bereits vorhandenen energischen Willen zum Judentum. Ganz anders bei den religiös - Liberalen: diese wollen die bislang gleichgiltig abseits stehenden Glaubensgenossen sammeln, denen bisher weder die Orthodoxie noch der Zionismus Befriedigung gewährte um dieselben dem Judentum zu erhalten. Die Erfahrung des letzten Jahrhunderts und ruhige Reberlegung erweisen, daß das Judentum sich bei der erweiterten Einsicht und unter den geänderten Lebensbedingungen bei der großen Rlehrzahl der Glaubensgenossen nur als liberales Judentum aufrecht erhalten läßt. So treten die liberalen Juden fürdie Durchführung ihrer Ansichten aus Pflichtgefühl ein, nicht aus j)artei-Interesse: sie müssen dafür eintreten. Sie sehen aber, daß in den Jugendvereinen, welche mit ihrer Hilfe geschaffen sind, ihre Jugend für nicht mehr zeitgemäße bezw. für utopische politische f)läne gewonnen wird, und daß so die Wahlen der späteren Jahre von langer Hand vorbereitet werden. Dazu beizutragen wäre Selbstmord, der gleichzeitig den Rückgang, vielleicht gar den Tod des Liberalismus im Judentum zur Folge hätte und so auch das Judentum selbst unheilbar schädige n w ü rd e. Das kann man den Liberalen nicht zu- -. muten; sie dürfen nicht helfen ihr eigenes Grab zu graben. b) W i e k ö n n e n d i e RI i ß st ä n d e b e - fertigt wenden? Die vorzuschlagenden Rlittel zur Abhilfe folgen aus dem Vorgeführten. Jeder Einzelverein möge berechtigt sein, offen und ehrlich sich zu der einen oder anderen Richtung zu bekennen — was er ja fyeute schon im Geheimen tut. In den kleinen Orten wird alles bleiben wie bisher: dort sind die Gegensätze nicht so scharf; die Zahl der Rlitglieder ist verhältnismäßig klein, ihre Behiehungen zu einander sind nahe. Dagegen können in den großen Städten mit den bedeutenden Seelenzahlen unbedenklich mehrere Vereine in derselben Stadt existieren; die Orthodoxen werden in den einen, die Liberalen in den andern eintreten. Jeder Verein möge in seinen Kreisen Anhänger werben, man marschiere getrennt. In der Zentrale aber, dem Verband der jüdischen Jugendvereine sollen alle Vereine vertreten sein; hier haben sie je nach ihrer Rlitgliederzähl mitzuraten und mitzutaten. Die Aufgaben des Verbandes und die Aufgaben der Einzelvereine müssen selbstverständlich in den Statuten des Verbandes streng auseinander gehalten werden. So ist Frieden möglich, und so ist es auch möglich, daß, wenn auch getrennt marschiert, im Falle des Bedarfs' vereint geschlagen wird. Jeder Verein wirbt für sich, und wenn in den großen Städten mit vielen Tausenden jüdischer Seelen eine recht große Zahl von Vereinen entsteht, die mit einander im Wettbewerb sind, so kann daraus nur besonderes Heil erwachsen. Oer „unparteiische" Jüdifche Jugendbund. Von W. Simfon-Berlin. ehufs Propaganda veranstaltete der Berliner Jüdische Jugendbund eine öffentliche Versammlung mit der Tagesordnung: „Moderne jüdische Probleme. Die Aufgaben der jüdischen Jugend?' Sie fand am Nov. d. I. im Tiergartenhof statt, und die letzten Rlitteilungen des Verbandes der jüdischen Jugendvereine Deutschlands berichten auf S. \2: „In dev

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