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Liberales Judentum · 1911-12-01 · Heft 12 (Dezember 1911) · p. Seite 270

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Journal
Liberales Judentum
Volume
3 (1911)
Issue
Heft 12 (Dezember 1911)
Date
1911-12-01
Page
Seite 270 (sequence 6)
Language
German
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270 Zur Hundertjahrfeier für Ludwig Phitippssn C o c o die er in der Hauptsache in seinem dreibändigen populären Werke „Israelitische Religionslehre" und in dem Vortragszyklus „Die Entwickelung der religiösen Idee im Judentum, Christentum und Islam" niedergelegt hat: ein fester und unbezwinglicher Glaube an die Lebenskraft des Judentums, die sich in allen seinen Erscheinungsformen offenbart, der Stolz auf die weltgeschichtliche Aufgabe, die dem israelitischen Stamme mit der pflege und der Verbreitung dieser Wahrheiten wurde und ,die in ihm ein geradezu aristokratisches Pflicht- und Verantwortlichkeitsgefühl entwickeln nruß, leidenschaftliche Liebe zu diesem viel verkannten Stamm, die er mit seinem gesteigerten deutschen Kulturbewußtsein harmonisch verband, die Ueberzeugung, daß die Ideen der modernen Zeit im Judentums in Reinheit verkörpert sind, L^einer oft noch, als sie sich in dem gärenden Ringen der Gegenwart darstellen, und felsenfeste Gewißheit, daß das Judentum die Religion der Zukunft, die Religion der Gesellschaft schlechthin ist. Nun ist es aber nicht das „was" der Lebensleistung allein, das den Wert eines Menschen bestimmt, sondern ebenso das „Wie". Ludwig Philippson war ein wann von starker Initiative, begabt mit organisatorischem Geschick und einem praktischen Blicke. Er begnügte sich nicht damit, Gedanken auszusxrechen, er ging mit Energie ans Werk, sie in die Wirklichkeit zu übersetzen, ihnen weiteste Verbreitung zu verschaffen. In populären Werken, wie z. B. in seinem Rkädchenbuche „Rat des Heils", die in vielen jüdischen Däusern heimisch wurden, pflanzte er Stolz auf die Geschichte Israels, Liebe zum Judentum und die Gewißheit seiner unzerstörbaren Geltung in die^-Herzen von Jung und Alt. Seinem Lieblingsgedanken von der Notwendigkeit, wieder an die Bibel anzuknüpfen, getreu, schuf er eine in edlem Stile gehaltene Uebersetzung, die später der bekannten Dorischen „Illustrierten Bibel" als Text beigegeben wurde. Früh erkannte er, daß die einzige Möglichkeit, das Judentum zu erhalten, eine auf den Grundsätzen moderner Pädagogik sich aufbauende religiöse Erziehung sei, und bildete als einer der ersten in Deutschland das unentbehrliche Werkzeug hierfür aus, die Religionsschule. Unvergessen Muß es ihm bleiben, wie er in Zeiten schwerer Gefahr, als Friedrich Wilhelm IV. den Gedanken faßte, die Juden von der allgemeinen Wehrpflicht auszunehmen, und dann, als im preußischen Landtag der Antrag gestellt ward, den Verfassungsparagraphen zu streichen, der die Unabhängigkeit des Bürgerrechtes vom religiösen Bekenntnis gewährleistetes, die preußischen Gemeinden rasch und energisch zum Widerspruch aufforderte, mit flammendem Protest die Schlafenden und Gleichgiltigen fortriß und den widerstand der gesamten preußischen Judenheit umsichtig organisierte. Daß er im stände war, hier und bei anderen Gelegenheiten einen starken Einfluß auszuüben, lag nicht bloß an der Kraft oder Originalität seiner Worte, sondern daran, daß er sich das Instrument gezimmert hatte, das ihm Einfluß auf seine Glaubensgenossen sicherte: die „Allgemeine Zeitung des Judentums", das erste seit dem Jahre der Begründung regelmäßig erschienene jüdische Wochenblatt. Ls trug die Gedanken und Ziele seines Begründers und Leiters weithin und schuf ihnen einen starken Resonanzboden. Es pflanzte überall, wo es gelesen wurde, Interesse am Judentum und seiner Neubelebung, es rüttelte die Lauen auf und schuf eine Gemeinde Gleichgesinnter, denen die Erhaltung und Fortentwickelung des Judentums und das politische Recht der Juden eine tiefgefühlte Notwendigkeit wurden. Dies Ziel wurde vor allem erreicht durch die Art, in der Philippson da^ Blatt redigierte. Es kam ihm nicht darauf an§

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