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Liberales Judentum · 1911-06-01 · Heft 6-7 (Juni 1911) · p. Seite 167

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Journal
Liberales Judentum
Volume
3 (1911)
Issue
Heft 6-7 (Juni 1911)
Date
1911-06-01
Page
Seite 167 (sequence 47)
Language
German
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N und schau 167 Rundfchau. Berlin, 29. 3um \9\\. ^err Iustizrat B. Breslauer wurde heute von den Repräsentanten der jüdischen Gemeinde einstimmig als Mitglied in den Gemeindevorstand gewählt. Hrrlbronn, Mai 19U- Die Ortsgruppe öeilbronn hat eine rege Tätigkeit im abgelaufenen Winter entfaltet. Rechtsanwalt Dr. Gumbel II. hielt einen Vortrag über den Entwurf einer neuen Kirchen-Verfassung für Württemberg. Danach soll das Band mit dem Staat zwar nicht völlig gelöst, aber den Gemeinden und der Oberkirchenbehörde gegenüber den staatlichen Organen ein freierer Spielraum eingeräumt werden. Der Entwurf hätte darin freilich noch weiter gehen können und sollen. Zu begrüßen sei, daß die Besetzung der Kirchenvorsteherämter stärker werde und auch in die Oberkirchenbehörde gewählte Mitglieder einziehen. Doch werde das Wahlrecht nur dann ein Segen sein, wenn alle liberalen Elemente sich von Indolenz freihalten und eine reaktionäre Zusammensetzung der Behörden verhindern. Der Entwurf sehe vor, daß wer der Religionsgemeinschaft angehören wolle, in einer Gemeinde Steuer zahlen müsse, und daß daher der Austritt aus dieser stets mit dem Austritt aus jener Zusammenfalle. Aber die Religionsgemeinschaft sei hier nicht im Sinne des Judentums, sondern in dem der Landeskirche gemeint, es sei also immer möglich, im Judentum zu bleiben, aus der Landeskirche auszuscheiden und sich unter das Dissidentengesetz zu stellen. Die Regierung halte dies für die notwendige Folge des verfassungsmäßigen Grundsatzes der Glaubensfreiheit, doch fei nicht zu verkennen, daß nun Absplitterungen möglich feien, wo die geringe Zahl der Juden im Land deren kraftvolle organisatorische Zusammenfassung erheischt hätte. Die Umlagen sollen künftig als prozentualer Zuschlag zu beit Staatssteuern erhoben werden, das sei jedenfalls gerechter, als das bisherige System. Alles in allem bedeute der Entwurf einen Fortschritt, der lange vergeblich ersehnt worden sei. — In der Frage der Feuerbestattung sind die Anträge unserer Ortsgruppe nunmehr auch von den Orthodoxen akzeptiert worden, die sich davon überzeugt haben, daß wir sie nicht unterdrücken wollen, sondern nur freien Raum für uns beanspruchen. Mit diesem Friedensschluß sind nun allerdings zahlreiche Mitglieder der hiesigen Gemeinde nicht einverstanden, und aus diefev Stimmung heraus ist die Tatsache zu erklären, daß sich hier neuerdings eine „Freie jüdische Vereinigung" gebildet hat. So traf es sich sehr gut, daß gerade dieser Tage verr Rechtsanwalt Dr. Abraham, Berlin, hierher kam, um vor aller Geffentlichkeit „Die Ziele des religiösen Liberalismus" zu erläutern. Er betonte, daß man sich für oder gegen die Möglichkeit einer Entwicklung auf religiösem Gebiet erklären könne, daß aber eine Vermittlung dieser Gegensätze, wie sie die freien jüdischen Vereinigungen anstreben, eine logische Unmöglichkeit sei. An zahlreichen, glücklich gewählten Beispielen zeigte er, wie bisher schon ^ptefe rituelle Bestimmungen im Wandel der Zeiten verschwunden sind, wie manche alten Zöpfe heute reif seien, abgeschnitten zu werden, und welche Erstarrung und Stagnation eintreten würde, wenn für die Zukunft die Möglichkeit der Weiterentwicklung unterbunden wäre. Seine Ausführungen fanden den lebhaften Beifall der zahlreich besuchten Versammlung. Wir hoffen durch diesen Vortrag in weiteren Kreisen aufklärend, gewirkt zu haben. Bnchan a. F. Sonntag, den 28. Mai, hielt die Ortsgruppe „Der Vereinigung für das liberale Judentum" einen Vereinsabend ab. Der zahlreiche Besuch, namentlich auch seitens der Damenwelt, gab ein beredtes Zeugnis von dem Interesse, das man in hiesiger Gemeinde diesem Verein entgegenbringt. Daß man hier, was Reformen an-, betrifft, nicht engherzig ist, das beweisen die Einführung der Orgel und der Glocke schon in frühester Zeit. Nach einer längeren Einleitungsrede des. die Versammlung leitenden Vorsitzenden, Sauptlehrer Marx, behandelte Gerr Rechtsanwalt Dr. Abraham aus Berlin das Thema:

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