Mannheim
Compact Memory

Liberales Judentum · 1911-06-01 · Heft 6-7 (Juni 1911) · p. Seite 144

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Liberales Judentum
Volume
3 (1911)
Issue
Heft 6-7 (Juni 1911)
Date
1911-06-01
Page
Seite 144 (sequence 24)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/3126481-3126513-3126520--0866-3127659
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

144 Prof. G. Aeutsch: Rrformjudrnturn und Taufe » an einem besonderen Festtage, der wegen eines drohenden Notstandes abgehalten worden ist. (Monatsschrift 40, S. 423—2%) Lin anderer Lichtenstein, Zehiel, der wohl setzt noch lebt, war zur Zeit seines Uebertritts orthodoxer Rabbiner in Taxis Szelc (Ungarn). Möglicherweise ist er identisch mit einem Rabbiner Lichtenstein in Tisza Beoe, der 1870 den Protest der orthodoxen Rabbiner gegen den Landrabbiner von Sachsen-lVeimar, Mendel Heß, mit Unterzeichnete, als Letzterer einen Mann traute, der die Witwe seines Bruders heiratete. (Der Zsraelit 1870,. S. Qß3.) Sabbati Zewi, der mit tausenden seiner Anhänger zum Zslam übertrat, kam aus Smyrna, wo man heute noch Hymnen auf Simon Ben Zochai in der Synagoge singen hören kann. Zankel Frank, der eine jüdischchristliche Sekte begründete, bezeichnete den Talmud als unmoralisch und behauptete wiederholt, daß die Vorschrift zum Ritualmord aus podolien, dem Hauxtsitz des Lhassidismus stammt. Dort gab es damals keine Reform und in diesem Teile der Lrde gibt es auch heute noch keine Reform! Zankel Frank ist sicher nicht von Moses Mendelssohn beeinflußt worden, denn dieser war ein konservativer Zude, der nie für eine Reform eintrat, außer für eine weltliche Erziehung und für die Abschaffung der Zargonsxrache. Von seinen 6 überlebenden Rindern sind 5 zum Thristentum übergetreten und mit seinem Lnkel Alexander starb sein letzter jüdischer Nachkomme aus. Der Uebertritt seiner Rinder müßte der Orthodoxie zur Last fallen. Wir kommen zur wirklichen Reformxeriode und der erste historische Charakter, den wir der Reform zuzurechnen haben, ist David Friedländer, dessen Nachkommen dem Zudentum untreu wurden. Ls ist aber Tatsache, daß Friedländer jeden Uebertritt streng verurteilt hat. (Monatsschrift S. 375.) Anders liegt der Fall Zsrael Zacobson. Sein Sohn Hermann (Naxhtali) trat zur christlich-katholischen Rirche über, die eine Art von ethischer Rultur- oder Freimaurer- Znstitution war. Sie war I848 durch Männer begründet worden, die berauscht waren von dem Sieg der demokratischen Zdeen und die sich dem Wahne Hingaben, daß jeder Streit zwischen den „Deutschen Brüdern" verschwinden würde und alle Rirchen sich in einer katholischen Körperschaft einigen würden. Lin Berliner macht hierüber ein großes Aufhebens in seiner.Broschüre über die Orgel in der Synagoge, sodaß man glauben müßte^ daß sich vorher kein Zude hat taufen lassen^ bis ihn die verführerischen Rlänge der Orgel dazu veranlaßt haben. Denselben diplomatischen Rniff wendet Dr. Hertz an, wenn er Abraham Geiger dafür verantwortlich macht, daß Felix Adler dem Zudentum untreu wurde. Dieser predigte noch nach seiner Rückkehr nach Amerika in einer Synagoge. Lrst später erklärte er sich gegen jede positive Religion. Wenn wir nicht mehr die ehrliche Ueberzeugung eines Mannes gelten lassen wollen, wenn sie ihn von einer Rirche oder von der Rirche überhaupt trennt, dann müssen wir zurückgehen auf die Znquisition oder müssen wiederholen, was das AmsterdamerBeth-Din gegen Spinoza getan hat. Und dieser war weder der Sohn eines Reform-Rabbiners noch ein Schüler der Berliner „Hochschule", an der übrigens der orthodoxe Zsräel Lewy und der konservative Lasset gelehrt haben, sondern er war ein Schülev des Lz-Lhajim-Znstituts in Amsterdam. Dr. Hertz geht noch weiter und behauptet willkürlich, er könne einen Band füllen mit den Namen derjenigen, die übergetreten sind und die Schüler von Zsaac M. Wise waren. Lr möge doch diesen Band schreibend Die Rosten für die Veröffentlichung verpflichte ich mich zu tragen. Zch bin seit 20- Zähren in enger Beziehung zum Hebrew-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.