Liberales Judentum
- Journal
- Liberales Judentum
- Volume
- 3 (1911)
- Issue
- Heft 6-7 (Juni 1911)
- Date
- 1911-06-01
- Page
- Seite 143 (sequence 23)
- Language
- German
- Belongs to
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143 Prof. G. Aentfch: Neforurjudentnrn und Taufe teuer Zude. (Monatsschrift Bd. 4(8, 292 u. f. $04(.) Lin Maranne Marco perez, der. gleich Adrianus Spanien verlassen hatte, um der Inquisition zu entgehen, wurde ein enthusiastischer Anhänger von Talvin, ließ dessen .„Institutio Thristianae Religionis" auf feine Kosten in 30,000 Exemplaren abdrucken und verbreitete sie kostenlos in Spanien. Antonius Margaritha, der Sohn des Rabbi Jacob Margalit in Regensburg, war ein anderer Schützling Luther's und wurde zum Verleumder des Judentums. Alle diese Namen beweisen Jedem, der halbwegs mit der jüdischen Geschichte vertraut ist, die Nichtigkeit meiner Argumente. Es ist nicht zu viel gesagt, daß viele Bände mit der Aufzählung der Uebergetretenen gefüllt werden können, die zu Derfolgern und Verrätern gegen ihre angestammte Religion geworden sind. Absichtlich habe ich nur weniger bekannte Namen herausgegriffen. Als Eisenmenger's „Entdecktes Judentum" (70( veröffentlicht wurde, scheint es alle möglichen Täuflinge angeregt zu haben, ihre frühere Religion zu verleumden. Thristian Katz und Franz Wenzel ,in Berlin klagten die Juden an, daß sie in ihren Gebeten Jesus lästern. Die Folge davon war, daß König Friedrich I. (703 durch ein Edikt untersagte, das „Alenu" in der nicht veränderten Fassung zu beten. (Graetz Geschichte IX. 28(, 3. Der Text des Edikts in Ost und West $06, Seite 6$—682.) Philipp Ernst Lhristfels, ein Jude, Mordechai ben Moses Schemaiah aus Neuhaus an der Aich, klagte (702 beim Markgraf von Ansbach die rabbinische Literatur als gotteslästerlich und unmoralisch an. (Ziemlich im Kaufmann - Gedenkbuch Seite 4(57—4(86.) Aehnliche Anklagen erfolgten (0 Jahre später, \7\2 seitens Thristian Friedrich Thristhold, früher Zesaias, Sohn des Druckers Sulzbach, Aaron Fraenkel (Monatsschrift f. G. u. w. d. 3- Bd. 50, Seite 9^—99, 19^.), und sehr wahrscheinlich haben infolge dieser Anklagen die 3esuiten, die in Prag allmächtig waren, die Gelegenheit ergriffen, alle hebräischen Bücher in Prag zu konfiszieren. (Steinschneider: Hebräische Bibliographie VI, 32 bis 39. Monatsschrift Bd. N, 359—60, Bd. 4(2, S. $2—(8(.) Bei dieser Gelegenheit sei erwähnt, daß der Verleger Sabbatai Baß in Dyhernfurt unter der Anklage der Gotteslästerung verhaftet wurde, und daß seine Bücher von den Jesuiten konfisziert wurden, weil er das kabbalistische Gedicht äoäi jorad leganno gedruckt hat (Oelsner Sabbatai und sein Prozeß, Leipzig (858) und Täuflinge eine Hetze gegen ihn veranlaßt hatten. Thristfels war ein Schüler des Rabbiners in Prag, Abraham Broda, dessen eigener Sohn Saul ebenfalls zum Thristentum übertrat. (Monatsschrift (899, 5. H77—$9 ) Ktn die gleiche Zeit trat Salomon Gellner in Nikolsburg zum Katholizismus über, und wurde später in Hamburg Protestant, wo er sein Buch „Tractatus de Fabulis Zudaeorum" s7(9 schrieb. (Wolf: Bibliothek S. 95^.) Ls kann angenommen werden, daß Gellner oder Franciscus Taverius, wie ihn die Zesuiten zu Ehren ihres großen heiligen nannten, ebenfalls ein Schüler Abraham Broda's, des Rabbi in Nikolsburg, Prag und Metz, war und Abraham Broda, dessen 2 Schüler und dessen eigener Sohn sich taufen ließen, war sicherlich kein Reform-Rabbiner, ebensowenig wie Thristian Gerson von Recklinghausen, ein früherer jüdischer Rabbi, wie er sich selbst nennt, der ein Zuhrhundert vorher judenfeindliche Bücher schrieb. Es ist interessant, daß selbst jetzt, 3 Jahrhunderte nach Thristian Gerson, Recklinghausen, der Sitz des orthodoxen Rabbinats für die Provinz Westfalen ist! Ein Zeitgenosse von Thristian Gerson ist Johann Daniel Lichtenstein in Frankfurt am Main, als Zude Meyer zur goldenen Kann genannt, der (607 übertrat und der, wie er behauptet, sich zur Taufe entschlossen hat