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Liberales Judentum · 1911-06-01 · Heft 6-7 (Juni 1911) · p. Seite 141

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Journal
Liberales Judentum
Volume
3 (1911)
Issue
Heft 6-7 (Juni 1911)
Date
1911-06-01
Page
Seite 141 (sequence 21)
Language
German
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0 o o o Prof. G. Deutsch: Reform jndenturn und Taufe 141 tätigung für den jüdischen Liberalismus verlangt, überall dort, wo ein lebensfähiger Boden für unsere Bestrebungen vorhanden ist, sollten nach dem Vorbild unseres Vereins ähnliche Organisationen gegründet werden. Wir werden mit frischem Mut und erhöhtem Selbstvertrauen in die Herbstarbeit eintreten, wenn wir wissen, daß auch außerhalb der Mauern Berlins unsere jungen Freunde mit uns arbeiten. Denn wir haben die feste Ueberzeugung und das Bewußtsein, daß allein der Triumxf des jüdischliberalen Gedankens die Zukunft unserer Religion verbürgt. Reformjudenfum und Taufe. Brief des Profeffors Gotthard Deutfeh (Cincinnati) an das Jetoifh Chronide Condon (2. luni 1911). Ins Deutfche überfragen von Benas Ceoy (Berlin). n einem Interview hat Rabbiner Dr. Hertz ans Iohannisburg die oft schon widerlegte Behauptung ausgestellt, daß das Reformjudentum stets zur Taufe führe. Ich habe schon früher versucht, die Unrichtigkeit dieser These zu beweisen. Ich habe gezeigt, daß zahlreiche Nachkommen von Führern des Reformjudentums nicht nur Juden dem Namen nach sind, sondern sich im Dienste der jüdischen Allgemeinheit bewähren, wie Ludwig Geiger, Martin P>hilippson, Franz philippson, Lmil G. pirsch, Franz Oppenheimer und andere. Ich könnte als besonders bedeutend Gabriel Rießer nennen, der meiner Meinung nach der tapferste Verteidiger der Rechte der Juden war, und der der Sohn von Lazarus Rießer, eines Fürsprechers ■ der Hamburger Tempelgemeinde gewesen ist, — der ältesten Reformgemeinde im Judentum. Ich kann auch noch den Namen Max Hackenberg hinzufügen; derselbe war Präsident der Synode und Mitglied des Gberrats des Großherzogtums Baden, während sein Großvater Rabbi Moses Präger ((8(7—(S6f) der Vorkämpfer des Reformjudentums in Mannheim war. Ich führe diesen Namen an, um zu zeigen, daß es zweifellos in den Reihen der Reformjuden noch viele Beweise von Anhänglichkeit an das Judentum gibt, die mir nicht bekannt sind. Andererseits weise ich auf die Tatsache hin, daß zahlreiche, wenn nicht unzählige Juden sich haben taufen lassen, bevor an eine Reform im Judentum überhaupt zu denken gewesen ist. Die Namen dieser Rebergetretenen würden Bände füllen, und dabei gibt es sehr viele, von denen wir keine genaue Kenntnis mehr haben. papst Gregor I (590—604) bezieht sich auf den Fall eines Uebergetretenen in Tagliari, der in der Synagoge ein Kruzifix anbrachte, um seine früheren Glaubensgenossen zu schädigen. Derselbe Papst empfiehlt, daß die Steuern der Juden, die zum Thristentum übergetreten sind, zurückgegeben werden sollten. (Graetz Geschichte VII. 41, 3 ä.) Zu jener Zeit muß die Zahl der Täuflinge sehr bedeutend gewesen sein. Viele von ihnen waren sehr bösartig. Ist etwa die Reform im Judentum auch für diese verantwortlich? Tine Art von Täuflingen sind in der Tosefta erwähnt (Sanhedrin XIII. 5d ic. Zuckermandl Seite 4^4) und solche sind daher schon im 3. Jahrhundert nicht selten gewesen. Trägt daran , etwa auch "die Reform im Judentum die Schuld? Samaual el Maghrabi, der im (2. Jahrhundert lebte und in Marocco geboren ist, trat zum Islam über und schrieb ein Merk unter dem Titel „Die Widerlegung des Judentums". (Monatsschrift für G. u. W. des Judentums, Band 42, Teite (23 u. f. (898.) Reformgemeinden gibt es jetzt nur

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